Fr., 16.08.2019

Nägel an Sprungschanzen, Müll auf dem Gelände – Eine Lösung ist nicht in Sicht Randalierer haben Bike-Park im Visier

Maxim Brokop (12, von links), Erik Olschewski (12), Simon Schürmann (17), Daniel Kleimeier (30), Tobey Miley (16), Matthias Morka (27) und Jost Feller (15) trainieren regelmäßig im Bike-Park gegenüber der Kläranlage an der Straße Am Klärwerk. Anfänger und Profis sind dort willkommen. Für sie gibt es jeweils verschiedene Parcours mit einfacheren oder anspruchsvolleren Lines

Maxim Brokop (12, von links), Erik Olschewski (12), Simon Schürmann (17), Daniel Kleimeier (30), Tobey Miley (16), Matthias Morka (27) und Jost Feller (15) trainieren regelmäßig im Bike-Park gegenüber der Kläranlage an der Straße Am Klärwerk. Anfänger und Profis sind dort willkommen. Für sie gibt es jeweils verschiedene Parcours mit einfacheren oder anspruchsvolleren Lines Foto: Lydia Böhne

Von Lydia Böhne

Löhne (WB). Eigentlich soll der Bike-Park ein Ort der Freude sein. Täglich drehen Mountainbiker dort ihre Runden, üben Tricks oder trainieren waghalsige Sprünge. Getrübt wird dieser Spaß seit Jahren immer wieder von Unbekannten, die auf dem Gelände gegenüber der Kläranlage ihrer Zerstörungswut freien Lauf lassen – gerade jetzt in den Sommerferien.

Vor zehn Jahren hat Matthias Morka den Bike-Park mitgegründet. Die Stadt Löhne hatte den etwa 15 Jugendlichen, die sich für eine Umsetzung stark gemacht hatten, das Gelände der ehemaligen Erddeponie überlassen. Auf etwa 6000 Quadratmetern haben sich die Hobbybiker in Eigenregie ihr eigenes Refugium geschaffen.

15.000 Euro investiert

Mit Hilfe von Sponsoren wurden alleine 8000 Kubikmeter Erde aufgefahren, um daraus die sogenannten Lines, die Hügel für die Sprünge, aufzutürmen. Auf dem Gelände gibt es einen Parcours für Profis und einen mit kleineren Lines für Anfänger. Matthias Morka schätzt die Summe, die von Sponsoren und von den Hobbybikern aus eigener Tasche investiert wurde, auf etwa 15.000 Euro. Hinzukommen unzählige Stunden Arbeit.

Inzwischen ist die Bikergruppe im Verein »Auszeit« mit einer eigenen Sparte für das Mountainbiking organisiert. 30 Mitglieder, neuerdings auch vermehrt Frauen, gehören dazu. »Es ist eine deutschlandweite Community. Deshalb kommen auch schon mal Biker aus Solingen oder Hamburg zu uns nach Löhne«, ergänzt Matthias Morka. Der Bike-Park zählt zu einem der wenigen in der Region. »Ich weiß erst von dem nächsten in Ibbenbüren«, sagt Morka. »Wir kümmern uns um den Platz und haben gleichzeitig ein Auge auf die Nachbarschaft«, ergänzt der 27-Jährige.

Bike-Park grenzt an Naherholungsgebiet

Der Bike-Park grenzt an ein Naherholungsgebiet der Stadt, das wegen fehlender Mittel seit Jahren verwahrlost. Der Platz sei laut Morka Anziehungspunkt für Grüppchen. »Erst letztens hat ein Brandstifter dort an drei Stellen Feuer gelegt. Die Jungs, die hier auf dem Platz waren, haben es glücklicherweise bemerkt, das Feuer ausgetreten und die Feuerwehr gerufen«, berichtet das Vereinsmitglied.

Solche Vorfälle passieren jedoch nicht nur im Naherholungsgebiet. Immer wieder verschlägt es die Unruhestifter in den frei zugänglichen Bike-Park. »Es wird Werkzeug entwendet, Müll verteilt oder sogar Nägel in die Absprünge gesteckt, um uns mutmaßlich zu verletzen«, zählt Matthias Morka auf. Die Biker haben sich einen kleinen Bauwagen eingerichtet. Die Türen seien wegen der schlechten Erfahrungen extra doppelt gepanzert worden.

»Weil die Täter dort nicht reinkamen, haben sie die Wände aufgerissen und den Wagen zerstört«, sagt Matthias Morka fassungslos.

»Einmal haben Jungen von ihrer Tat sogar ein Video bei YouTube hochgeladen«

Fünf Anzeigen hätten die Vereinsmitglieder bereits gestellt. Manche der Täter sind inzwischen bekannt. »Einmal haben Jungen von ihrer Tat sogar ein Video bei YouTube hochgeladen. Ich habe das gesehen und Kontakt zu ihren Eltern aufgenommen – es waren Zehnjährige«, berichtet Matthias Morka. Im Gespräch mit dem Vater von einem der Jungen sei der 27-Jährige auf Widerstand gestoßen. Sogar eine Gegenanzeige sei gestellt worden. »Ich wurde beschuldigt, den Jungen bedroht zu haben. Der Vater argumentierte, sein Sohn dürfe sich frei auf dem Gelände bewegen, wie er will. Einsicht? Fehlanzeige«, ergänzt der Hobbybiker. Gerade in den Sommerferien müssen die Vereinsmitglieder täglich mit neuen Zerstörungen rechnen.

»Die Stadt weiß um das Problem, hält sich aber zurück«, sagt Daniel Kleimeier. Das Gelände einzuzäunen, hält der 30-jährige Biker für keine gute Idee: »Dadurch wird es nur noch interessanter.« Außerdem solle der Bike-Park jederzeit für Interessierte zugänglich sein. Daniel Kleimeier wünscht sich trotzdem mehr Unterstützung seitens der Stadt. »Wir haben hier zum Beispiel keinen Mülleimer, der abgeholt wird«, fügt er hinzu. Den Bikern fehlen außerdem Sanitäranlagen. »Toll wäre auch ein abschließbarer Container«, überlegt Matthias Morka. Ein Spendenkonto haben die Mountainbiker noch nicht eingerichtet. Sachspenden wie Schippen, Harken, Werkzeug oder Konstruktionsholz könnten gerne direkt im Park abgegeben werden.

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