Di., 10.09.2019

Gesindeküche der Villa Mühlenbach in Löhne wird zur Puppen-Werkstatt Historischer Glamour im Keller

Im Keller der Villa Mühlenbach ist die ehemalige Gesindeküche für die Hausbediensteten untergebracht gewesen. Heute dient sie den neuen Hauseigentümern Christian Bauer (links) und Andreas Förster als Puppen-Werkstatt.

Im Keller der Villa Mühlenbach ist die ehemalige Gesindeküche für die Hausbediensteten untergebracht gewesen. Heute dient sie den neuen Hauseigentümern Christian Bauer (links) und Andreas Förster als Puppen-Werkstatt. Foto: Frank Dominik Lemke

Von Frank Dominik Lemke

Löhne-Mennighüffen  (WB). Einst war die Villa Mühlenbach ein glamouröses Haus voller Leben. Dann kam der Zweite Weltkrieg. In den folgenden Jahrzehnten orientierten sich die Bewohner eher an Notwendigkeiten. Heute geben Andreas Förster und Christian Bauer der Villa ihren alten Glanz zurück. Die beiden Künstler renovieren sie seit 2016. Derzeit arbeiten sie im Keller.

»Hier kommt unsere neue Puppenwerkstatt hin«, sagt Puppenspieler Andreas Förster und öffnet eine alte, verzierte Holztür. Könnte sie sprechen, sie würde von Handwerkern sprechen, die detailverliebt ihr Holz bearbeiten und Verzierungen auf die Wände des dahinterliegenden Raumes auftragen.

»Wir stehen hier im ehemaligen Gesindekeller«, sagt Christian Bauer und deutet auf einen cremefarbenen Schrank hin. Bei näherer Betrachtung entpuppt dieser sich als Lastenaufzug, der dem Hauspersonal vor 100 Jahren die Arbeit erleichterte.

Von dort aus versorgte die Dienerschaft die Bewohner der Villa Mühlenbach. Unter dem Dach wohnte ein Kutscher. Im Garten waren Stallungen für Pferde. Die großzügigen Räume im Erdgeschoss boten für die Hausherren viel Platz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten in dem Haus vier Familien mit 16 Kindern.

Wohnraum war in der ganzen Stadt knapp. Deswegen nutzte eine der Familien auch die ehemalige Gesindeküche. Später zog ein Zahnarzt mit seiner Praxis dort unten ein.

Original-Drucke unter Kalkschicht

»Der hat die Wände und die Decke mit einer weißen Kalkschicht überziehen lassen«, sagt Christian Bauer und fährt mit seiner Hand leicht über Putz, den er noch nicht abgetragen hat. Die Fläche fühlt sich kühl an. Darunter haben er und Andreas Förster originale Drucke gefunden: grüne Pflanzen mit rotgelben Blütenkelchen. »Vom Stil her muss das Gründerzeit sein, also noch älter als der obere Teil der Villa«, sagt Christian Bauer.

Die Villa Mühlenbach ist ein historisches Gebäude im Jugendstil. Die Drucke und die Verzierungen der Türzargen des Kellers passen nicht so richtig dazu. »Es ist gar nicht so leicht, die Geschichte davon in Erfahrung zu bringen. Am meisten erfahren wir von Gästen, die noch von früher erzählen können«, sagt Andreas Förster.

Die beiden Inhaber öffnen die Villa Mühlenbach regelmäßig für Besucher. So auch am vergangenen Sonntag beim Tag des offenen Denkmals, an dem das Erdgeschoss und der Keller zugänglich waren. Eine alte Dame erzählte ihnen beispielsweise von einer Grotte im Garten, die vor einem der großen Fenster des Kellers im Boden eingelassen war. Zwei Stufen im Gras sind davon übrig geblieben. »Wir haben uns gefragt, wofür die wohl waren. Jetzt wissen wir es«, sagt Christian Bauer.

Keller bietet Raum für Werkstatt

Mühsam und vorsichtig haben er und Andreas Förster den größten Teil der Kalkschicht im Gesindekeller entfernt und die originale Farbschicht freigelegt. »Das lassen wir so. Sieht richtig schön aus«, sagen sie.

Nachdem Hausbedienstete, Familien und der Zahnarzt den Raum genutzt haben, wird er jetzt die neue Werkstatt der beiden Künstler. Dort fertigen sie Puppen für ihre Workshops und Theateraufführungen an.

Nach dem Tag des offenen Denkmals laden Förster und Bauer am kommenden Wochenende zum »Wedding Day«, und zwar am Samstag und Sonntag, 14. und 15. September, ein. Für den Puppenbau-Kurs für Erwachsene, der zwei Wochen später am Samstag und Sonntag, 28. und 29. September, stattfindet, sind noch Plätze frei.

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