Do., 12.09.2019

LWL-Archäologen datieren Gräberfeld auf Hermes-Gelände in Löhne neu Funde sind älter als gedacht

Zusammen mit Sonja Voss vom Heimatmuseum Löhne (links) präsentiert Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe von der LWL-Archäologie einen der Reitersporne, die in der neuen Ausstellung im Museum zu sehen sein werden.

Zusammen mit Sonja Voss vom Heimatmuseum Löhne (links) präsentiert Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe von der LWL-Archäologie einen der Reitersporne, die in der neuen Ausstellung im Museum zu sehen sein werden. Foto: LWL/S. Spiong

Löhne (WB). Bei der Auswertung einer bereits vor einigen Jahren abgeschlossenen Grabung haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) jetzt eine Überraschung erlebt: Die Funde sind älter als gedacht und reichen bis in das achte Jahrhundert vor Christus zurück.

Bereits in den Jahren 2012 und 2013 hatte die LWL-Archäologie für Westfalen in Löhne auf dem Scheidkamp, und zwar dort, wo heute das Hermes-Logistikzen­trum steht, Ausgrabungen unternommen. Die Experten des LWL entdeckten damals ein Gräberfeld und datierten es anhand der Funde auf die Zeit um 400 nach Christus. Diese Funde sollen nun, wie angekündigt, in einer Ausstellung des Löhner Heimatmuseums gezeigt werden.

Im Grab des sogenannten Gohfelder Reiters befanden sich mehrere Beigaben, darunter auch die Reitersporen, die dem Toten im Nachhinein seinen Namen gaben. Foto: LWL/C. Hildebrand

Aus diesem Anlass beschloss die LWL-Archäologie einige der Gräber mithilfe moderner Methoden genauer zu datieren. »Damals wurden die Toten verbrannt und dann in Gräbern bestattet«, erläutert Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie. »Die in der Asche enthaltenen Holzreste können wir mithilfe der sogenannten Radiokarbonmethode datieren.« Auf diese Weise lässt sich der Zeitraum der Bestattungen genauer bestimmen.

Gräber rund 200 Jahre älter

Einige der Gräber waren rund 200 Jahre älter, als bisher angenommen, andere dafür rund 200 Jahre jünger. »Das war für uns eine kleine Überraschung«, erzählt LWL-Archäologin Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe. »Aus diesem Anlass haben wir uns dazu entschieden noch weitere Gräber zu untersuchen.« Dabei stellte sich heraus, dass manche Bestattungen sogar noch älter waren und in einen Zeitraum zwischen dem achten und fünften Jahrhundert vor Christus zurückreichten.

»Für die Region ist das etwas Besonderes«, sagt Spiong. »Das Gräberfeld wurde offenbar über einen Zeitraum von bis zu 1500 Jahren immer wieder von den ortsansässigen Menschen aufgesucht und genutzt«, sagt Spiong.

Die Reitersporen als Beigabe zeichnen den Toten als ein Mitglied der lokalen Elite aus, denn nicht jeder konnte sich zu der Zeit ein Pferd leisten. Foto: LWL/C. Hildebrand

Wie groß das Gräberfeld ursprünglich war, kann nicht mehr erschlossen werden, da die Fläche inzwischen mit dem Logistikzen­trum überbaut wurde. Auch ob der Friedhof kontinuierlich genutzt wurde oder ob es größere zeitliche Lücken gab, ist demnach nicht mehr zu klären. »In jedem Fall war das aber ein lokal sehr wichtiger Platz«, betont Hallenkamp-Lumpe. »Ansonsten wäre der Ort nicht über so einen langen Zeitraum immer wieder für Bestattungen genutzt worden.«

Männergrab mit Sporen

Bei den Ausgrabungen damals wurden insgesamt 42 Befunden erfasst. Unter den Gräbern stach besonders das des sogenannten Gohfelder Reiters hervor. Dabei handelt es sich um ein reich ausgestattetes Männergrab, in dem unter anderem ein Paar eiserner Reitersporen mit Zinnverzierung lag. Diese Sporen und die Ausstattung dieses Urnengrabes kennzeichnen den um die Mitte des fünften Jahrhunderts nach Christus verstorbenen Mann als Angehörigen einer lokalen Elite. Alle anderen Gräber enthielten bis auf ein weiteres Urnengrab unterschiedlich viele Keramikscherben, aber fast gar keine weiteren Beigaben.

Aufwendige Methode

Anhand dieser Funde wurde bislang die Datierung des Gräberfeldes vorgenommen. »Ein in der Archäologie übliches Verfahren«, sagt Spiong. Die fundleeren Gräber konnten so aber nicht datiert werden. »Dafür braucht es aufwendige und teure Methoden, wie die Radiokarbondatierung.« Erst so war es jetzt möglich, etliche Gräber ohne Funde zu datieren.

Funde sind erstmals zu sehen

Die Sporen des Gohfelder Reiters, weitere Funde und die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung, zeigt die Sonderausstellung »Der Gohfelder Reiter«, die am Freitag, 13. September, um 18 Uhr im Heimatmuseum der Stadt Löhne auf dem Bischofshagen eröffnet wird. Dort wird eine Auswahl der Funde zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. »Auf diese Weise kann dieser bedeutende Fundplatz allen Interessierten nähergebracht werden«, sagt Museumsleiterin Sonja Voss. »Und die neuen Ergebnisse sind natürlich der absolute Höhepunkt.«

Die LWL-Experten haben die Ausstellungsstücke für den Transport vorbereitet, in Löhne ziehen die Stücke dann kurz vor der Eröffnung der Ausstellung bis zum Ende der Sonderausstellung am 15. Dezember ins Museum ein.

Archäologie-Vortrag

Am Donnerstag, 14. November, um 18 Uhr halten Dr. Sven Spiong und Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe einen Vortrag in der Volkshochschule Löhne. Dabei können Interessierte mehr über die Archäologie in Löhne und Umgebung sowie über das Gräberfeld auf dem Scheidkamp erfahren.

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