Do., 12.09.2019

Verwaltung in Bad Oeynhausen rechnet derzeit mit Einsparung in Höhe von 1,6 Millionen Euro Weniger Kosten für Sielwehr-Umbau

Wenn die Pläne nach vielen Jahren der Vorbereitung genehmigt werden, dann wird das heutige Sielwehr zurückgebaut und eine sogenannte naturnahe Raue Gleite entsteht hier. Zudem soll es eine neue Sielbrücke geben.

Wenn die Pläne nach vielen Jahren der Vorbereitung genehmigt werden, dann wird das heutige Sielwehr zurückgebaut und eine sogenannte naturnahe Raue Gleite entsteht hier. Zudem soll es eine neue Sielbrücke geben. Foto: Ingenierbüro Wolfgang Klein/Archiv

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Die naturnahe Umgestaltung der Werre zwischen Bad Oeynhausen und Löhne sowie im Bereich des Sielwehrs könnte um 1,6 Millionen Euro günstiger werden. Das haben die Mitglieder des Umweltausschusses in der Sitzung am Mittwoch erfahren.

Zur Kosteneinsparung könnte der bislang mitgeplante Hochwasserentlastungskanal im Bereich des heutigen Sielwehres beitragen. Der ist nach aktuellem Stand nicht nötig, um das Werrewasser, das bei einem alle 100 Jahre auftretenden Hochwasserereignis auf den Bereich des heutigen Sielwehrs zufließen würde, aufzuhalten. Der Grund dafür liegt in der Steuerung für die Klappen im Wehr zum Hochwasserrückhaltebecken in Löhne: Diese kann nach Auskunft von Eckard Nolting, bei der Stadt Bad Oeynhausen für die Gewässer zuständig, angepasst werden. »Und das wäre ein Glücksfall für uns«, sagte er bei der Vorstellung der aktuellen Variante 14 im Umweltausschuss.

Hier ist der Bereich vor dem Werreknie zu sehen. Nach der Renaturierung soll die Werre deutlich flacher werden. Foto: Ingenierbüro Wolfgang Klein/Archiv

Damit würden für den ersten Bauabschnitt zwischen Sielwehr und Werreknie Kosten von etwa 7,5 Millionen Euro verbleiben. Abzüglich des Anteils für die Stadt Löhne rechne Bad Oeynhausen derzeit mit Baukosten von etwa fünf bis 5,5 Millionen Euro, sagte Eckard Nolting. Und die Bau- sowie Folgekosten könnten sogar noch niedriger ausfallen: Einerseits müssen in Richtung Löhne keine zusätzlichen Deiche mehr gebaut werden. Andererseits würden Wartungs- und Instandhaltungskosten für den Hochwasserentlastungskanal sowie für Deiche entfallen. »Bei Wasserbauwerken muss man berücksichtigen, dass die Abschreibung über 80 Jahre erfolgt«, sagte Eckard Nolting.

Verwaltung hofft auf hohe Förderung

Sollte der Hochwasserentlastungskanal tatsächlich nicht gebaut werden, würde die Stadt zudem eine wichtige Voraussetzung für die Zuweisung von Fördergeldern des Landes mit einem Förderkorridor von 40 bis 80 Prozent erfüllen. Denn das Land wünscht bei der Renaturierung von Flüssen keine Bauwerke, sondern bevorzugt die naturnahe Umgestaltung. Dies sei auch bei einem Treffen mit Vertretern des Landes-Umweltministeriums Ende August in Bad Oeynhausen betont worden, sagte Eckard Nolting. »Wir hoffen jetzt darauf, dass wir die Voraussetzungen bei der Wasserrahmenrichtlinie für die Höchstförderung von 80 Prozent erfüllen.«

Bei allem stehe aber nach wie vor der Hochwasserschutz im Vordergrund. Etwa ein Jahr lang seien Berechnungen vorgenommen worden, um das sogenannte Bemessungshochwasser zu ermitteln. Bei dem sogenannten HQ100-Ereignis nimmt man an, dass es mehrere Tage durchgehend Gewitter und Starkregen gibt – und das Wasser entsprechend auch auf der Werre ansteigt. Hierfür war 1980 das Hochwasserrückhaltebecken in Löhne angelegt worden. Dabei handelt es sich mehr um ein Tal, das bis zur B239 reicht und über ein Retentionsbecken mit etwa 2,5 Millionen Kubikmeter Volumen verfügt.

Die Berechnung geht davon aus, dass bei Hochwasser über Werre und Else 410 Kubikmeter Wasser pro Sekunde auf das Hochwasserrückhaltebecken zufließen, ein Teil hier gespeichert wird und 380 Kubikmeter Wasser pro Sekunde weitergeben werden – somit in Richtung des heutigen Sielwehrs. Würde nun die Steuerung des Hochwasserrückhaltebeckens angepasst, könnten zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde runtergerechnet werden: Und das reicht letztlich, um den Hochwasserschutz für Bad Oeynhausen zu gewährleisten – ohne Hochwasserentlastungskanal.

Zeitplan im Blick

Jetzt müssen die Genehmigungsbehörden, in diesem Fall die Kreise Minden-Lübbecke und Herford, sowie die Bezirksregierung der neuen Planung zustimmen. Gesprächspartner für das Hochwasserrückhaltebecken ist zudem der Werre-Wasserverband. »Wenn das gelingt, dann haben wir bei der gesamten Planung den Knoten durchschlagen«, sagte Eckard Nolting. Von einem »Quantensprung« sprach Wolfgang Klein, der als Ingenieur die Planung begleitet. Wie es nun mit der Planung weitergehen könnte, führte Eckard Nolting ebenso aus. Etwa ein halbes Jahr dauert die EU-weite Ausschreibung der Unterlagen, bevor diese fertiggestellt werden können. Das Planfeststellungsverfahren mit Themen wie Grundwasserabsenkung und Hochwasserschutz könnte 2020 beginnen und würde ein Jahr andauern. 2021 könnte dann die Ausschreibung für die Ausführung beginnen. Über den aktuellen Stand soll zudem der Fachausschuss in Löhne nach Informationen dieser Zeitung Ende September informiert werden.

Raue Gleite statt Sielwehr

Der erste Bauabschnitt bei der Renaturierung der Werre und der Umgestaltung des Sielwehres umfasst den 1,6 Kilometer langen Bereich zwischen Karbachmündung und Werreknie. Ziele sind – neben dem Hochwasserschutz – die Erhöhung der Durchflussmenge sowie die Verbreiterung der Werre. Das Sielwehr soll zurückgebaut werden, stattdessen könnte hier eine Raue Gleite angelegt werden. Eine Mittelrinne wäre beispielsweise auch für Kanuten passierbar. Zudem ist eine neue Sielbrücke vorgesehen.

Der Wasserspiegel soll um 80 Zentimeter abgesenkt werden. Weil die Werre nicht um 2,5 Meter abgesenkt wird, soll eine Sohlgleite angelegt werden. Eine provisorische Sohlgleite soll es zudem im Werreknie geben. Zwischen dem heutigen Sielwehr und der Karbachmündung soll überdies die Werre um 30 Meter verbreitert werden und ein Talraum in Richtung Karbachmündung entstehen.

Teil der aktuellen Überlegung ist auch, die Deiche am Kokturkanal in Richtung Sielpark soweit abzutragen, dass – bei einem Hochwasser – hierüber Wasser abgeleitet werden kann.

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