Di., 08.10.2019

Produkte sind in OWL weit verbreitet Wilke hat das Klinikum Herford und die Mühlenkreiskliniken beliefert

Wilke hat seine Wurstwaren auch an zwei Kliniken in OWL verkauft.

Wilke hat seine Wurstwaren auch an zwei Kliniken in OWL verkauft. Foto: dpa, Sonja Gruhn, Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein und den Lokalredaktionen

Minden/Löhne/Salzkotten/Herford (WB). Wilke hat auch die Mühlenkreiskliniken und das Klinikum Herford beliefert. Etliche Großhändler aus Ostwestfalen-Lippe, vier davon allein im Kreis Herford, sind mit Wurstwaren der Firma Wilke beliefert worden. Dabei ist nicht nur die Wurst das Problem.

Auch vegetarische und vegane Produkte vom Rückruf betroffen

Die hessischen Behöhrden haben auf dem Portal www.lebensmittelwarnung.de eine Liste mit allen vom Rückruf betroffenen Wilke-Produkten veröffentlicht. Dort ist zu sehen, dass nicht nur Wurst, sondern beispielsweise auch veganer und vegetarischer Aufschnitt betroffen ist.

Nach Angaben der Mühlenkreiskliniken ist die Zentralküche mit einem zurückgerufenen Schinkenspeck der Firma Wilke beliefert worden. Sofort nach dem Rückruf am Mittwoch, 2. Oktober, sei der Schinkenspeck aus dem Verkehr gezogen worden. »Bereits beim Abendessen ist der Schinkenspeck, der üblicherweise als Extra-Wunsch von den Patientinnen und Patienten gewählt werden konnte, nicht mehr verteilt worden«, heißt es in einer Mitteilung der Mühlenkreiskliniken.

Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass Patienten mit verkeimten Lebensmitteln der Firma in Berührung gekommen sind. »Der letzte Patient mit einem Listerienbefall wurde im Mai 2019 in einem Standort der Mühlenkreiskliniken behandelt«, heißt es in der Mitteilung.

Vier Großhändler im Kreis Herford beliefert

Wilke Wurst- und Fleischwaren sind auch in den Kreis Herford geliefert worden. Nach den Lieferlisten, die dem Amt für Veterinärwesen- und Verbraucherschutz des Kreises Herford vorliegen, sind vier Großhändler beliefert worden, wie der Kreis Herford mitgeteilt hat. Von den Großhändlern sei zugesichert worden, dass sie bereits Rückrufaktionen getätigt hätten und dass keine Waren der Firma Wilke mehr in den Verkehr gebracht würden. Der Kreis Herford werde das stichprobenartig überprüfen.

Vorsorglich seien bereits in der vergangenen Woche alle vier Krankenhäuser im Kreisgebiet informiert worden. Demnach wäre nur das Klinikum Herford mit Wilke-Waren direkt beliefert, aber nicht mit der im Fokus stehenden belasteten Wurst. Jegliche Wurstwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG seien daraufhin bereits am 2. Oktober aus dem Verkehr gezogen worden.

Klinikum Herford bekam Wilke-Zungenwurst

Das Herforder Klinikum sei nur mit erhitzten Produkten beliefert worden, teilte der Kreis Herford mit. Wie Pressesprecherin Monika Bax am Dienstag auf Anfrage bestätigte, seien nach einem Warnhinweis des Lieferanten am 2. Oktober sofort die Lebensmittelbestände des Klinikums überprüft worden. Dabei sei »eine Kleinstmenge« des nordhessischen Produzenten entdeckt worden: »Es handelte sich um zwei Pakete Zungenwurst à 500 Gramm«, berichtete die Sprecherin. »Alle Produkte der Firma sind als Vorsichtsmaßnahme sofort gesperrt worden.«

Das Klinikum sei allerdings auch nur mit erhitzten Produkten beliefert worden. »An die Patienten ist keine Rohware zum Verzehr ausgegeben worden«, teilte Monika Bax weiter mit. In den vergangenen Wochen habe es keine Listerien-Befunde bei Patienten des Klinikums gegeben.

Nach und nach sickern immer mehr Namen von Handelsunternehmen durch, die Wilke-Produkte in ihrem Programm führten.

Vom Edeka noch nicht offiziell bestätigt wurde die auf mehreren Internetseiten bekannt gemachte Wilke-Rückrufaktion der Edeka-Tochterfirma Food Service (Minden). Der Großhändler beliefert in weiten Teilen Deutschlands Betriebe in Gastronomie, Handel, Industrie und Gesundheitswesen.

Windmann machte Rückruf auf Homepage publik

Windmann hingegen steht zu seinem Rückruf. Die Löhner Firma zählt Gastronomie, Hotellerie, Fast Food, Catering und Gemeinschaftsverpflegung zum Kundenkreis und hat den Rückruf unter anderem auf der Homepage publik gemacht. Betroffen sind Produkte der Handelsmarke Servisia, die Windmann vom Verbundpartner Servicebund bezieht.

Windmann steht zu seinem Rückruf.

Ebenfalls auf seiner Internetseite veröffentlicht die Firma Gafateam in Salzkotten den Rückruf für Wurstwaren der Marken Wilke, Haus am Eichfeld und Pickosta. Nach Angaben von Geschäftsführer Mike Dahlhoff wurden die Kunden noch am Mittwoch informiert. Gafateam beliefert ausschließlich gastro­nomische Betriebe. Der Verbund beschäftigt 1000 Mitarbeiter an 23 inländischen und zwei österreichischen Standorten. Eigenmarken sind Pickosta und Garanta.

Die Firma Gafateam in Salzkotten.

Sechs Händler aus Kreis Gütersloh

Trotz der Nähe zu heimischen Wurstherstellern bezogen sechs Händler im Kreis Gütersloh auch Produkte von Wilke, einige aber in sehr geringem Umfang. Sie werden nach Angaben der Kreisverwaltung aus dem Verkehr gezogen. In einem Fall kam die Nachricht von einem Betrieb aus einem Nachbarkreis, der einen Endkunden im Kreis Gütersloh belieferte.

Wie viele Betriebe im Kreis Paderborn betroffen sind, teilte die dortige Pressestelle nicht mit. Es würde allen Fällen nachgegangen. Auch dort seien relativ wenige Produkte in Einsatz gekommen.

Im Kreis Herford haben nach Angaben von Pressesprecherin Petra Scholz vier Händler Wilke-Wurst bezogen. Die Betriebe seien bereits informiert.

Ein Großhändler in Minden-Lübbecke betroffen

Der Kreis Minden-Lübbecke berichtet von einem betroffenen Großhändler. In Höxter sah sich die Kreisverwaltung am Montag außerstande, Angaben zu möglichen Abnehmern zu machen.

Weiter unklar ist, ob Wilke-Produkte außer bei Metro und drei Kauflandmärkten in Hessen über den Handel auch an Endkunden verkauft wurden. Das hessische Verbraucherministerium will darüber, ebenso wie die NRW-Landesregierung, bald informieren.

In der umgekehrten Richtung hat die Tönnies-Gruppe in Rheda-Wiedenbrück »bis vor einiger Zeit« Schlachtprodukte an Wilke geliefert, aber dort keine Wurst bezogen.

Außer Ikea und einer schon am vergangenen Freitag bekannt gewordenen Reha-Einrichtung in Köln bezogen offenbar weitere Kantinen in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen sowie Hotels und Restaurants über Großhändler Wurstprodukte von Wilke. Darunter soll auch ein – allerdings nicht genanntes – Krankenhaus im Kreis Herford sein . Das Mathilden-Hospital in Herford ist nach Angaben von Geschäftsführer Georg Rüter nicht betroffen.

Ministerium wusste schon am 12. August Bescheid

Nach eigenen Angaben hat das Verbraucherministerium in Hessen bereits am 12. August 2019 vom Listerien-Verdacht beim Wursthersteller Wilke erfahren. Das geht aus einem Brief an die Verbraucherorganisation Foodwatch hervor. Erst acht Tage später – am 20. August – seien der für die Kontrolle der Firma zuständige Landkreis Waldeck-Frankenberg sowie das Regierungspräsidium Kassel darüber informiert worden.

In Wurst von Wilke wurden mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen . Den Behörden zufolge gibt es 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wilke-Wurstwaren im Zusammenhang stehen. In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben.

Listerien-Fälle in Niedersachsen - stammt Keim aus hessischer Firma?

Die mit Keimen belasteten Wurstwaren von Wilke haben möglicherweise auch in Niedersachsen Krankheiten verursacht. Ein Sprecher des Landesgesundheitsamtes sagte am Dienstag, insgesamt seien drei Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb steht. Die Keime seien genetisch eng mit den Listerien verwandt, die in den Waren der Firma Wilke nachgewiesen wurden. Zuvor hatte der Norddeutsche Rundfunk über die Listerienfälle in Niedersachsen berichtet.

Die drei erkrankten Menschen sind laut Landesgesundheitsamt zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. Zwei der Fälle sind im Frühjahr 2019 ermittelt worden, der andere Fall stammt aus dem vergangenen Jahr.

Ermittlungsverfahren gegen Wilke-Geschäftsführer

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH eingeleitet. Die Ermittlungen liefen auch wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag in Kassel.

Das Verfahren sei aufgrund der Strafanzeige des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet worden. Gegenstand des Verfahrens sei vor allem die Untersuchung der zwei Todesfälle, die mit einer Listerieninfektion in Verbindung stehen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

 

 

 

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