Mi., 09.10.2019

Kreisveterinäramt stellt bei Bienen für Menschen ungefährliche Tierseuche fest Durch Internethandel Faulbrut in Löhne

Der Faden an dem Zahnstocher ist die fadenziehende Masse. Diese ist für die Bienenbrut (Bienenlarve) höchst ansteckend. Die umliegenden verdeckelten Zellen sind in der Mitte leicht eingefallen, dieses zeigt, dass die Bienenbrut eventuell nicht richtig entwickelt ist.

Der Faden an dem Zahnstocher ist die fadenziehende Masse. Diese ist für die Bienenbrut (Bienenlarve) höchst ansteckend. Die umliegenden verdeckelten Zellen sind in der Mitte leicht eingefallen, dieses zeigt, dass die Bienenbrut eventuell nicht richtig entwickelt ist. Foto: Lars Stiegelmeier

Von Sonja Gruhn

Löhne (WB). Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist bei einem Bienenbestand in Löhne festgestellt worden. Das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Kreises Herford hat einen Sperrbezirk mit einem Radius von etwa 1,5 Kilometern rund um den Ausbruchsort angeordnet, um eine weitere Verbreitung der Bienenseuche zu verhindern. Zudem wurde eine Allgemeinverfügung für Imker im Kreis Herford erlassen, die an diesem Mittwoch in Kraft tritt.

Offenbar stammen die Bienen, die das Bakterium nach Löhne gebracht haben, von einem Händler, der seine Tiere über die Bundeslandgrenzen hinweg über das Internet verkauft, wie auf Anfrage dieser Zeitung vom Kreisveterinäramt zu erfahren war. Einer der Käufer war demnach ein Imker aus Löhne. Der Händler selbst hatte die Erkrankung seiner Bienen festgestellt und diese angezeigt. Über den Behördenweg sei das Kreisveterinäramt darüber informiert worden. »Wir haben dann nachvollzogen, wohin die Bienen gegangen sind«, sagt Amtstierärztin Silvia Eitzen.

Erkrankung ist bereits ausgebrochen

Daraufhin sei der Bienensachverständige des Imkervereins Löhne, Lars Stiegelmeier, informiert worden, um zunächst den den Bestand des betroffenen Imkers klinisch zu untersuchen. »Ist die Erkrankung bereits ausgebrochen, befällt eine fadenziehende, braune, pampige Masse die Brut. Diese Masse ist für Bienenlarve höchst ansteckend«, sagt Lars Stiegelmeier.

Dies war bei dem kontrollierten Bienenstock der Fall. Die Waben nehmen dabei eine bräunliche Färbung an. »Die umliegenden verdeckelten Zellen waren in der Mitte leicht eingefallen, das zeigt schon, dass die Bienenbrut eventuell nicht richtig entwickelt ist.« Für den Test reichte zunächst ein Zahnstocher. Denn wenn die Masse an dem Zahnstocher beim Herausziehen einen Faden bildet, ist das ein Indiz dafür, dass die Erkrankung ausgebrochen ist.

Proben von Bienenstöcken im Sperrgebiet

Zudem hat Lars Stiegelmeier im Auftrag des Kreisveterinäramtes sogenannte Futterkranzproben weiterer Bienenvölker von Löhner Imkern, die im Sperrbezirk stehen, genommen. »Der Futterkranz sind Zellen, in denen der Nektar zu Honig umgearbeitet für den Winter haltbar gemacht ist. Er ist das Futter für die Bienenbrut«, erläutert der Bienenexperte.

Bei der Abgabe des Nektars in die Zellen der Wabe gelangen auch die Sporen des Bakteriums dort hinein. »Wenn sich das Bakterium zu Sporen zurückentwickelt, entstehen Geißelzöpfe. Die kleinen Härchen daran sind hoch infektiös und bleiben es über Jahrzehnte.« Werden die Bienenlarven damit gefüttert, zersetze das Bakterium diese.

Ob noch weitere Bienenvölker im Sperrgebiet infiziert sind, könne aber erst in ein bis zwei Wochen gesagt werden. Denn so lange dauern die Untersuchungen im Labor. »Die Amerikanische Faulbrut kann jeden Imker treffen, es ist kein Zeichen für schlechte imkerliche Praxis«, betont Lars Stiegelmeier.

Alle Bienenvolk-Besitzer müssen Bestand melden

Dennoch gilt: »Sollten Besitzer von Bienenvölkern im Kreis Herford ihren Bestand bislang noch nicht mitgeteilt haben, sind diese verpflichtet, dem Kreis Herford diese mit Name, Anschrift, Erreichbarkeit sowie Standort und der Anzahl der Völker zu melden«, sagt Amtstierärztin Silvia Eitzen. Dass die Bienensaison jetzt zu Ende geht, sei ein Vorteil. Denn Bienen fliegen erst ab einer Temperatur von zwölf Grad.

»Sie bereiten sich jetzt auf den Winter vor und stellen bald auch ihre Bruttätigkeit massiv ein«, sagt Stiegelmeier. Wenn die Amerikanische Faulbrut bei einem Bienenvolk bis dahin nicht ausgebrochen sei, bestehe kein akuter Handlungsbedarf. Erst im Frühjahr mit der Salweiden- und der Kirschblüte müssten dann erneut Proben genommen werden.

Vorsicht bei Honiggläsern im Altglascontainer

Stiegelmeier weist aber auch darauf hin, dass Honiggläser, bevor sie in Altglascontainer geworfen werden, gereinigt werden sollten. »Die Sporen können von ausländischem Honig kommen. Wenn Bienen sich dann dort Futter suchen, können sie die Bakterien in ihren Stock einschleppen.« Medikamente helfen bei der AFB nicht. »Alles, was krank macht, muss erneuert, gereinigt oder abgeflammt werden«, sagt Lars Stiegelmeier.

Derzeit gibt es im gesamten Kreis Herford etwa 350 gemeldete Imker und Imkerinnen mit insgesamt 1600 Bienenvölkern. Die meisten Imker davon – etwa 50 – sind in Löhne ansässig. Einer dieser Imker besitze laut Meldungen 350 Bienenvölker, heißt es von der Behörde. Im derzeitigen Sperrbezirk seien aber nur wenige Imker bekannt.

Die Amerikanische Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Nur die Sporen des Bakteriums sind infektiös und bleiben dies über Jahrzehnte, da sie äußerst widerstandsfähig sind. Die Bekämpfungsmaßnahmen sind in der Bienenseuchen-Verordnung festgelegt.

Allgemeine Verfügung des Kreisveterinäramtes

Allgemeine Verfügung, gültig ab Mittwoch, 9. Oktober: »Innerhalb des Sperrbezirks müssen alle Bienenvölker und Bienenstände unverzüglich auf Amerikanische Faulbrut amtstierärztlich untersucht werden. Diese Untersuchungen sind frühestens zwei Monate, spätestens neun Monate nach der Tötung oder Behandlung der an der Seuche erkrankten Bienenvölker des verseuchten Bienenstandes zu wiederholen.

Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, Futtervorräte und benutzte Gerätschaften dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden. Umgekehrt dürfen Bienenvölker oder Bienen nicht in den Sperrbezirk verbracht werden. Der Zukauf von Bienen sollte generell nur mit gültigen Gesundheitsbescheinigungen erfolgen. Auf den Menschen ist die Krankheit nicht übertragbar.«

Meldungen, auch von bisher noch nicht gemeldeten Beständen, gehen an das Kreisveterinäramt, Amtshausstraße 6, 32051 Herford, per E-Mail: veterinaeramt@kreis-herford.de, Telefon 05221/ 131641. Die komplette Verfügung einschließlich der Grenzen des Sperrgebietes, auch als Karte dargestellt, kann im Internet eingesehen werden.

Für die Entnahme von Futterkranzproben durch die Bienensachverständigen im Sperrgebiet wird eine Beihilfe durch die Tierseuchenkasse gewährt. Sofern Sporen bei Völkern im Untersuchungsgebiet festgestellt werden, sollten die Bienen einem Kunstschwarmverfahren unterzogen werden. Dieses wird von der Tierseuchenkasse ebenfalls durch Beihilfen unterstützt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6988602?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F