Comedian plädiert in Löhne für Humor ohne Diskriminierung
Kay Ray lässt die Hose runter

Löhne (WB). »Ich bin froh, dass ich in Löhne auftreten darf«, sagt Kay Ray. In der Vergangenheit hat der Comedian einige Auftrittsverbote kassiert. Jüngst geschehen in Monheim am Rhein. Dass der Paradiesvogel die Gemüter spaltet, hat sich auch bei seinem Auftritt in der Werretalhalle gezeigt.

Sonntag, 03.11.2019, 16:56 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 09:28 Uhr
Nicht nur mit seinem Humor polarisiert Comedian Kay Ray. Auch die farbenfrohe Optik und die wilden Frisuren sind charakterisierend für den 54-Jährigen. In Löhne hat er sein Programm »Wonach sieht’s denn aus?!?« in der Werretalhalle präsentiert. Foto: Lydia Böhne
Nicht nur mit seinem Humor polarisiert Comedian Kay Ray. Auch die farbenfrohe Optik und die wilden Frisuren sind charakterisierend für den 54-Jährigen. In Löhne hat er sein Programm »Wonach sieht’s denn aus?!?« in der Werretalhalle präsentiert. Foto: Lydia Böhne

Kaum sind die ersten Minuten des Auftritts verstrichen, verlassen zwei Besucher den Saal. Dies bleibt dem Comedian auch von der Bühne aus nicht verborgen. Die Ablehnung seiner Person quittiert er eingeschnappt mit überzogenen Beleidigungen für das Pärchen. Dabei hat sich Kay Ray zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig warmgelaufen.

Was noch recht unschuldig mit einer Performance des Songs »Cello« von Udo Lindenberg beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Abend, der die Grenze des guten Geschmacks nicht nur einmal touchiert. Humor ist eben verschieden. Der von Kay Ray ist derb, in der Ausdrucksweise vulgär und nicht selten verletzend

»Humor wird in dieser Gesellschaft am meisten diskriminiert«

Die Besucher freut’s dennoch. Sie lachen mal ausgelassen und laut, mal eher verschmitzt hinter vorgehaltener Hand. »Ich habe wohl doch einige Neuzugänge aus dem Zelt gelockt«, sagt Kay Ray. In Anspielung auf seinen spontanen Kurzauftritt bei der Comedy-Nacht des Löhner Oktoberfestes . »Eine nette Veranstaltung. ich bin sowieso Camping-Fan«, fügt er hinzu.

Dass sein Humor nicht allen gefällt, stört Kay Ray nicht. »Ich mache Witze über alles. Humor wird in dieser Gesellschaft am meisten diskriminiert«, stellt der 54-Jährige fest. Dass auch er als bisexueller Mann mit einer achtjährigen Tochter ab und zu zur Zielscheibe von Kommentaren wird, kontert er mit entwaffnender Direktheit. »Wenn mich heterosexuelle Männer fragen, wie ich Vater geworden bin: Na wie jeder andere auch, ich habe mit einer Frau geschlafen.«

Auftrittsverbot in Monheim am Rhein

Obwohl sich der Comedian gegen Diskriminierung ausspricht, hat seine eigene Toleranz offenbar Grenzen: »Wir brauchen diese Transgendertoiletten für 70 Geschlechter nicht«, klagt er. Ähnlich kann sich der Paradiesvogel über die in seinen Augen Hysterie rund um das »Rechtsbashing« aufregen. Eine Tatsache, die ihm ein Auftrittsverbot in Monheim am Rhein eingebracht hat.

Der dortige Bürgermeister warf ihm vor, dass sich die kommerzielle Provokation im Rahmen seiner Auftritte in einen Bereich jenseits der Grenze des politischen Rechtspopulismus verschiebe.

Den Mund lässt sich der Comedian davon dennoch nicht verbieten. Sieht sich selbst lieber als Gewinner-Typen: »Ich wäre beim Biathlon niemals der Zweite. Wieso auch? Ich habe doch ein Gewehr.« Statt mit echten Waffen verschießt Kay Ray lieber verbale Spitzen. »Manche wollen ihrem Publikum etwas mitgeben. Ich nicht«, stellt der 54-Jährige deutlich klar.

Der Kreisch-Moment als Erinnerungs-Video

Einer Besucherin beschert der Comedian dann aber doch ein wahrlich tief gehendes Andenken. Kurzerhand schnappt Kay Ray sich ihr Handy, öffnet seinen Gürtel und filmt in seine Unterhose hinein. Diese lupft er auch noch einmal für die restlichen Besucher. Ein Kreisch-Moment als Erinnerungs-Video. Genug Zeit, sich von diesem Erlebnis zu erholen, bietet die Show jedoch: Satte dreieinhalb Stunden füllt der Comedian. Mit lautem Applaus verabschiedet ihn das Publikum.

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