Sa., 09.11.2019

Prognose von Polizei und Stadt: Radunfälle auf der Häger Straße in Löhne werden wahrscheinlicher »Ein Bürgerradweg ist die schnellste Alternative«

Die Häger Straße hat in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Nun bemüht sich die Stadt, eine Grundlagen für einen Bürgerradweg zu schaffen. Derzeit befindet sich Bürgermeister Bernd Poggemöller mit dem letzten Grundstückseigentümer in Verkaufsgesprächen.

Die Häger Straße hat in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Nun bemüht sich die Stadt, eine Grundlagen für einen Bürgerradweg zu schaffen. Derzeit befindet sich Bürgermeister Bernd Poggemöller mit dem letzten Grundstückseigentümer in Verkaufsgesprächen. Foto: Louis Ruthe

Von Louis Ruthe

Löhne-Wittel (WB). Die Häger Straße auf dem Wittel ist die Straße im Stadtgebiet, über die zurzeit am meisten diskutiert wird. Radvereine, Bürger und auch Schüler fordern einen sicheren Radweg, der die Stadtteile Bischofshagen und Wittel verbinden soll. Ein zunehmender Radverkehr birgt Gefahren.

Derzeit müssen sich die Radfahrer die etwa 7,50 Meter breite Landesstraße mit Lkw, Autos und Traktoren teilen. Richtung Löhne ist Tempo 100 erlaubt. Zur B61 hin darf 70 Kilometer die Stunde gefahren werden. Neunmal ist es in diesem Jahr auf der Häger Straße schon zu Unfällen gekommen. »Radfahrer sind an den Unfällen nicht beteiligt gewesen«, sagt Olaf Bokämper. Er ist bei der Stadt Löhne für die Verkehrssicherheit zuständig.

Gemeinsam mit der Kreispolizeibehörde Herford hat die Stadt nun eine Unfallstatistik für die Häger Straße erstellen lassen. »In den letzten 20 Jahren hat es drei Unfälle mit Radfahrern gegeben«, berichtet Olaf Bokämper. Alle drei Unfälle seien bei Abbiegevorgängen passiert und nicht entlang der Fahrbahn. 2010 hat es letztmalig einen Unfall mit einem Radfahrer gegeben.

Durch den Ausbau der Radwege an der Knickstraße sowie an der Koblenzer Straße rechnen Stadt und Polizei nun mit einer Zunahme des Radverkehres. »Bislang ist die Strecke für Radfahrer nicht wirklich attraktiv gewesen«, sagt Olaf Bokämper.

Polizei rechnet mit Unfällen bei zunehmendem Radverkehr

Durch die zahlreichen Baumaßnahmen sei die Anbindung an die Lohe in Bad Oeynhausen, über die B61 nach Herford oder über die Koblenzer Straße nach Gohfeld, nun wesentlich besser geworden. »Eine Prognose der Kreispolizeibehörde Herford hat ergeben, dass wir künftig auch wieder mit Unfällen unter Beteiligung von Radfahrern entlang der Häger Straße rechnen müssen«, berichtet Olaf Bokämper. Deshalb sehe die Stadt jetzt einen Handlungsbedarf und nicht erst in einigen Jahren.

»Etwa 5000 Fahrzeuge sind bei einer Zählung 2015 auf der Häger Straße unterwegs gewesen«, sagt Olaf Bokämper. Aufgrund der Sperrung der B611 habe der Verkehr in den vergangenen Monaten jedoch deutlich zugenommen. Eine nächste Zählung ist für 2020 geplant.

Doch der Bau eines Radweges an der Häger Straße steht nicht auf der Prioritätenliste der Bezirksregierung Detmold. »Ein Radweg ist bei der Bezirksregierung erst mittel- bis langfristig geplant«, sagt Sven Johanning, Sprecher der Regionalniederlassung Bielefeld von Straßen NRW. »Ein Bürgerradweg ist die schnellste Alternative«, ergänzt er.

Bürgerradwege sind in OWL gefragt

Doch für solch einen Bürgerradweg muss eine Baureife vorliegen. »Das heißt die Grundstückseigentümer entlang der Häger Straße müssen signalisieren, dass sie bereit sind, Grund und Boden für den Radweg zu verkaufen«, sagt Sven Johanning. Diese Baureife liege derzeit nicht komplett vor, weshalb Straßen NRW, das Anliegen eines Bürgerradweges bislang nicht an das NRW-Verkehrsministerium weitergeleitet habe.

»Bürgerradwege sind der Renner, viele Kommunen in Ostwestfalen-Lippe verbessern auf diese Art und Weise ihre Rad-Infrastruktur. Doch ohne Zusage der Grundeigentümer ist eine Genehmigung seitens des Ministeriums höchst unwahrscheinlich«, berichtet Sven Johanning. Letztlich liege die Entscheidung beim Landesministerium.

50 Euro pro Quadratmeter investiere das Landesministerium derzeit in vergleichbare Projekte in OWL. »Das sind keine Fördergelder«, betont Sven Johanning. Sondern Gelder, die im Rahmen des Radwegebaus entlang Landstraßen und stillgelegten Bahnstrecken vom NRW-Verkehrsministerium jährlich bereit gestellt würden.

Stadt befindet sich in letzten Gesprächen mit Grundeigentümern

Etwa 900 Meter lang ist das Stück vom Ende des Radweges an der Häger Straße bis zur Kreuzung an der B61. »Radwege werden normalerweise auf einer Breite von 2,50 Metern Fahrbahn angelegt«, sagt Sven Johanning. Die Breite müsse sein, damit auch Kehrmaschinen sowie der Winterdienst auf dem Radweg fahren könne. Zudem müsse auf beiden Seiten jeweils ein halber Meter Bankette geschaffen werden. Bei einer Breite von 3,50 Metern und einer Länge von 900 Metern könnte die Stadt Landesgelder von bis zu 160.000 Euro bekommen. »Die restlichen Kosten liegen dann bei der Stadt, Bürgern oder Geldgebern«, sagt Sven Johanning.

Derzeit versucht die Stadt in Gesprächen mit dem letzten Grundeigentümer eine Einigung zu erzielen, sagt Ursula Nolting, Sprecherin der Stadt Löhne im Gespräch mit dieser Zeitung. »Von allen anderen Eigentümer ist bereits der Grund erworben worden«, berichtet sie. Es seien positive Gespräche gewesen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7051934?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F