So., 10.11.2019

Spitzzüngig kommentiert der Kabarettist in der Werretalhalle das gesamtgesellschaftliche Geschehen Jens Neutag hat die Politik im Fadenkreuz

Kabarettist Jens Neutag zieht bei seinem Auftritt in der Werretalhalle die internationale Politik durch den Kakao.

Kabarettist Jens Neutag zieht bei seinem Auftritt in der Werretalhalle die internationale Politik durch den Kakao. Foto: Lydia Böhne

Von Lydia Böhne

Löhne (WB). Jens Neutag reicht es: Der Kabarettist fühlt sich seiner Profession beraubt. Was die Politiker dieser Welt – allen voran Donald Trump – treiben, ist in seinen Augen klare Realsatire. Dabei wäre Satire doch sein Job. Kurzerhand ist Neutag daher selbst in die Politik eingestiegen als »Politiker mit satirischem Migrationshintergrund«. Wenn auch nur auf lokaler Ebene in der fiktiven Kommune Stadtkirchen.

»Mit Volldampf« heißt das Programm, das der Kabarettist in der Kulturbüro-Veranstaltungsreihe »Sonderbar« in der Werretalhalle präsentiert. Sehr passend, denn momentan bringen das Gemüt des Künstlers einige gesellschaftliche Entwicklungen ganz schön zum Brodeln. Zu jedem Thema hat Neutag einen spitzfindigen Kommentar parat: »Brexit? Der arme Abiturient, der den 2085 mal in der mündlichen Prüfung erklären muss.«

Im Fadenkreuz hat er dabei auch die heimische Politik. Neutag erinnert sich an die Zeit nach der Bundestagswahl, als zunächst eine Jamaika-Koalition im Raum stand: »Hofreiter, Lindner und Merkel? Wie kann man da an Sonne und Exotik denken?«, lautet sein Kommentar, den ein verschmitzter Blick krönt.

Ganzkörperverschleierung am FKK-Strand manchmal sinnvoll

Die verbalen Spitzen und pointierten Beschreibungen des Geschehens verfehlen ihr Ziel nicht. In den kleinsten Ansätzen erkennt Neutag das humoristische Potenzial. Beispielsweise im Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer: »Mitten im Diesel-Skandal kommt eine neue CDU-Chefin, die ›Karren-Bauer‹ heißt?« oder in der Optik von Donald Trump: »Das einzige Haarteil, das sich sein eigenes Wirtstier gesucht hat.«

Mal persönlich erregt, mal nüchtern und analytisch bringt der Kabarettist die Besucher in der Werretalhalle zum Lachen. Ein Besuch am FKK-Stand in Mecklenburg-Vorpommern habe ihm lebhaft vor Augen geführt, dass die Ganzkörperverschleierung, die die örtliche AfD fordert, vielleicht doch keine so schlechte Option sei. Den Umgang mit Fake News kontert er mit dem einfachen Ratschlag: »Das eigene Denken nicht ganz ausschalten.«

Die Demokratie »ist wie die Gesundeit«

Kommen wir aber zurück zur eigenen politischen Karriere des Kabarettisten. Eines seiner Ziele: Mal richtig aufräumen und die »Idiotisierung der Innenstadt« stoppen. Im Visier hat er dabei vor allem die Junggesellenabschiede. Diese Form der »kulturellen Entgrenzung« ist Jens Neutag ein Dorn im Auge. »Ehe ist nicht zwangsweise die Abwesenheit von Ehre«, klagt er.

Weil Transparenz eines seiner obersten Ziele ist, habe er auch seinen Wahlwerbespot dementsprechend gestaltet. »Man sieht mich, 20 Sekunden schweigen – und dann den Satz ›Diese Wahlversprechen werden wir halten‹«, berichtet der Kabarettist.

Auf das höchste Gut, die Demokratie, sollten die Bürger seiner Ansicht nach besonders Acht geben. »Sie ist wie Gesundheit. Sie ist so lange selbstverständlich, wie man sie hat«, sagt Neutag.

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