Fr., 17.01.2020

Wolfgang Blöbaum sammelt Briefmarken mit Fehlern So machen Irrtümer Spaß

Ja, wann war Michael Schumacher denn nun Weltmeister? Nicht erst 1995, sondern schon 1994. Die österreichische Post hat sich vertan, den Fehler bemerkt und alte und neue Briefmarke in einem Heftchen gemeinsam verkauft. Fairerweise zum aufgedruckten Wert der Briefmarken, wie Wolfgang Blöbaum betont.

Ja, wann war Michael Schumacher denn nun Weltmeister? Nicht erst 1995, sondern schon 1994. Die österreichische Post hat sich vertan, den Fehler bemerkt und alte und neue Briefmarke in einem Heftchen gemeinsam verkauft. Fairerweise zum aufgedruckten Wert der Briefmarken, wie Wolfgang Blöbaum betont. Foto: Andrea Berning

Von Andrea Berning

Löhne/Bad Oeynhausen (WB). Ein Briefmarkenset, das anlässlich der Olympischen Spiele in Montreal 1976 von der Deutschen Post herausgegeben wurde, hat gleich zwei Fehler: Die abgebildeten Hockeyspieler auf der einen Marke greifen ihre Schläger falsch, und auf der zweiten Marke mit den Ruderinnen ist versehentlich das Team der damaligen DDR abgebildet.

Wolfgang Blöbaum mit einem Briefmarkenbogen aus dem Jahr 1997, auf dem der ehemalige FDP-Vorsitzende und Bundesjustizminister Thomas Dehler abgebildet ist. Beim Schneiden muss der Bogen verrutscht sein, er ist komplett schief. Foto: Andrea Berning

Auf einer anderen Briefmarke aus dem Jahr 1965, herausgegeben zur Internationalen Verkehrsausstellung, ist ein Bus zu sehen, der seine Ausstiege auf der falschen, der linken Seite hat. Man muss genau hinschauen, wenn man erkennen will, was Wolfgang Blöbaum fasziniert: Der 61-Jährige sammelt Briefmarken mit Fehlern, also die „Irrtümer der Deutschen Post“.

Nicht wertvoll, aber kurios

Besonders wertvoll ist die Sammlung des Bad Oeynhause­ners nicht, denn häufig werden die fehlerhaften Marken nicht zurückgezogen, sondern bleiben im freien Verkauf. Liebhaber ungewöhnlicher Briefmarken und Sammler sichern sich die Postwertzeichen und freuen sich an ihnen. Das mag auch Wolfgang Blöbaum, seit neun Jahren Vorsitzender des Löhner Briefmarken- und Münzen-Sammlervereins, an seinem Hobby. „Es ist eine Freizeitbeschäftigung mit vielen Facetten, aber es ist kein großer finanzieller Aufwand notwendig“, sagt er. So können auch Leute mit schmaleren Geldbeutel mithalten und vielleicht ein Hobby für sich entdecken, dem der Nachwuchs abhanden kommt.

Auch Wolfgang Blöbaum hat wie viele seiner Generation als Kind gesammelt und fand über ein Schulprojekt seines Sohnes vor mehr als 15 Jahren zurück zu den Briefmarken. Häufig haben die Fans der Postwertzeichen mehrere Spezialgebiete. So sammelt der Vermessungstechniker Blöbaum auch Marken, die zu seinem Beruf passen. Besonders freut er sich aber an seinen gesammelten Irrtümer, vorwiegend der Deutschen Post, aber auch aus Nachbarländern.

So ist der österreichischen Post 2006 ein Fehler auf einer Briefmarke mit Michael Schumacher als Motiv passiert. Der war schon 1994 erstmals Formel-1-Weltmeister und nicht erst 1995, wie die erste Version der Briefmarke suggeriert. Die Österreicher druckten neu und fassten beide Marken in einem Heftchen zusammen, das Wolfgang Blöbaum vorsichtig aus seiner Sammelmappe zieht. Selten mag es sein, aber reich macht es ihn nicht: Das Mäppchen wurde zu dem Preis verkauft, der auf den beiden Briefmarken aufgedruckt ist.

Komponist mit falschen Noten

1956 veröffentlichte die DDR Briefmarken zum Todestag von Robert Schumann. Hinter dem Porträt des Komponisten sind Notenblätter abgebildet – mit Musik von Franz Schubert. Diese Briefmarken wurden ebenfalls korrigiert veröffentlicht wie diejenigen, die die Deutsche Post zum 200. Geburtstag Heinrich Heines 1997 auflegte: Die Bogenränder dieser Postwertzeichen zeigen aus unerfindlichen Gründen altgermanische Runen, die auch das NS-Regime benutzte. Die Bögen wurde neu gedruckt. Blöbaum hat beide in seiner Sammlung, die alte und die neue Fassung.

Die Hockeyspieler halten die Schläger falsch, die rechte Briefmarke zeigt das Frauenruderteam der damaligen DDR: Bei diesem Set aus dem Jahr 1976 gab es gleich zwei Fehler. In den Verkauf ging es trotzdem. Foto: Andrea Berning

Für Briefmarken ist das Bundesministerium für Finanzen zuständig. Es sammelt Vorschläge zu Briefmarkenmotiven: Geburtstage oder Todestage berühmter Menschen, die sich jähren, aktuelle Anlässe und Veranstaltungen, Flora oder Fauna – vieles ist möglich, bis auf eines: „Es gibt keine Briefmarken, auf denen noch lebende Personen abgebildet sind“, sagt Wolfgang Blöbaum. Eine Ausnahme gilt für den Bundespräsidenten, das deutsche Staatsoberhaupt.

Vieles kann schief gehen

Wird der Vorschlag angenommen, entwickeln auf diese künstlerische Arbeit spezialisierte Grafiker Entwürfe für die Briefmarken, die wiederum von einer Kommission abgenommen werden. Gedruckt wird nicht mehr nur in Deutschland, sondern im geeinten Europa mittlerweile auch schon in den Niederlanden, berichtet Wolfgang Blöbaum. Es gibt also auf dem Weg von der Idee zum amtlichen Postwertzeichen viele Stationen, wo etwas schief laufen kann. Das fasziniert den Briefmarkensammler. Meist bleiben die fehlerhaften Briefmarken im Verkauf, manchmal gibt es eine zweite berichtigte Auflage – eine Chance, für kleines Geld seine Sammlung zu bereichern.

Manche Post-Irrtümer sind viel wert: Bei einer Marke mit einem Foto von Audrey Hepburn als Motiv wurde vergessen, die Zustimmung der Erben einzuholen. Diese Marke wurde zurückgezogen, die verbliebenen Exemplare sind heute viel Geld wert. Einbehalten wurde auch die schon ausgelieferte Weihnachtsmarke 2016, auf der sich bei den Weihnachtswünschen in vielen Sprachen gleich drei Rechtschreibfehler fanden.

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