Bittgottesdienst in Mahnen ist trotz Coronakrise gut besucht
Kerzen brennen für den Frieden

Löhne (WB). Vor 75 Jahren, am 14. März 1945, ist durch einen Bombenangriff großes Leid über die Stadt gekommen. In Gedenken an dieses Ereignis haben die Pfarrer der christlichen Gemeinden in Löhne am Samstag einen Gottesdienst in der Matthäuskirche in Mahnen gefeiert. Die Bitte um Frieden stand im Mittelpunkt der Begegnung, zu der viele Menschen gekommen sind.

Dienstag, 17.03.2020, 08:00 Uhr
Sie haben den Bittgottesdienst für den Frieden vorbereitet und zele­briert (von links): Die Pfarrer Hubert Köhler (Altenheimseelsorger, evangelische Gemeinde Gohfeld), Thomas Struckmeier (evangelische Gemeinde Löhne/Obernbeck), Uwe Stintmann (evangelische Gemeinde Gohfeld), Teofil Nemetschek (Schulreferat, Bad Oeynhausen), Eckhard Teismann (evangelische Gemeinde Gohfeld), Enrico Klee (evangelisch-freikirchliche Gemeinde Löhne) und Peter Außerwinkler (evangelische Gemeinde Löhne-Ort). Foto: Gabriela Peschke
Sie haben den Bittgottesdienst für den Frieden vorbereitet und zele­briert (von links): Die Pfarrer Hubert Köhler (Altenheimseelsorger, evangelische Gemeinde Gohfeld), Thomas Struckmeier (evangelische Gemeinde Löhne/Obernbeck), Uwe Stintmann (evangelische Gemeinde Gohfeld), Teofil Nemetschek (Schulreferat, Bad Oeynhausen), Eckhard Teismann (evangelische Gemeinde Gohfeld), Enrico Klee (evangelisch-freikirchliche Gemeinde Löhne) und Peter Außerwinkler (evangelische Gemeinde Löhne-Ort). Foto: Gabriela Peschke

„In Gemeinschaft zu beten ist jetzt wichtiger denn je“, war die Überzeugung von Hannelore He­risch. Die 85-Jährige kam aus einer Gemeinde, wo es aus aktuellem Anlass derzeit keinen Gottesdienst gibt. Ihre Tochter habe sie zur Kirche nach Mahnen gefahren, berichtete die Rentnerin.

„Auch ich habe den Krieg erlebt. Und nur mit Gottes Hilfe ist es mir gelungen, danach wieder ein normales Leben zu führen“, fügte sie hinzu. Ein Bittgottesdienst für den Frieden sei eine „immens wichtige Angelegenheit“, für die ihr auch kein Weg zu weit sei.

Zeitzeuge schildert Angriff

Zahlreiche Besucher waren der Einladung gefolgt, in deren Mittelpunkt unter anderem das Erlebnis des Zeitzeugen Gerhard Woker stand. In einem Kurzbericht schilderte der Mann aus Löhne den Bombenangriff auf das Elternhaus in der Lübbecker Straße, bei dem er als Zehnjähriger mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in den Keller geflohen war.

„Rundherum Krach, Flugzeuglärm. Die Frage war: Kommen wir hier jemals wieder raus?“ Er kam wieder heraus. Und blickte auf brennende Häuser, eingestürzte Mauern, Löcher in Hof und Straße. „Im Nachbarhaus war ein Blindgänger niedergegangen, vor dem uns Gott behütet hat“, erzählte der alte Herr mit bewegter Stimme. Seine Schilderung, wie im Bollerwagen das Nötigste gepackt wurde, um im benachbarten Bad Oeynhausen beim Onkel unterkommen zu können, bewegte auch die Zuhörer. Eine ältere Dame in der zweiten Reihe wischte sich Tränen ab.

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, hatte Pfarrer Hubert Köhler eingangs aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen von 1948 zitiert. „Christus möge uns schenken, dass wir gerade jetzt der Zusage seines Friedens trauen“, betete er. Und auch die Lesung aus dem zweiten Kapitel des Propheten Jesaja erinnerte mit dem bekannten Zitat der Verwandlung von „Schwertern zu Pflugscharen“ an die Vision vom globalen Frieden.

Ein Licht für den Frieden: Viele Kerzen in der Matthäuskirche brennen, entzündet von den Besuchern des Gottesdienstes.

Ein Licht für den Frieden: Viele Kerzen in der Matthäuskirche brennen, entzündet von den Besuchern des Gottesdienstes. Foto: Gabriela Peschke

Doch: „Der Friede in der Welt ist immer noch Zukunftsmusik – auch nach 2000 Jahren“, stellte Eckhard Teismann in seiner Predigt fest. 75 Jahre nach Kriegsende in Deutschland blicke man besorgt auf Syrien und andere Länder, wo den Menschen großes Leid widerfahre. Hier erinnerte Teismann an die Friedensbewegung, die von der zerbombten Kathedrale in der mittelenglischen Stadt Coventry ausgegangen war. Ein Nagelkreuz, gefertigt aus den Dachnägeln der zerstörten Kirche, sei zum Sinnbild für Vergebung und Völkerverständigung geworden.

Friedensbewegung aus Coventry

Ein Nachbau stand vor dem Altar in Mahnen, da die Gemeinde sich auch dieser Friedensbewegung angeschlossen hat. „Das Leid ist nicht das Ende der Geschichte. Sondern aus dem Unglück ist etwas Neues entstanden, das nach vorn weist“, sagte Eckhard Teismann in seiner Predigt.

Die Gemeinde betete die so genannte Versöhnungslitanei aus Coventry, die um Verzeihung menschlicher Verfehlungen bei Gott ersucht. Auch musikalisch mahnte der Gottesdienst zu Völkerverständigung und Umsicht: „Die Erde ist des Herrn. / Geliehen ist der Stern / auf dem wir leben“, sangen die Besucher, begleitet von Wolfram Ellinghaus an der Orgel.

„Es ist Gottes Ziel, dass wir unser Licht leuchten lassen“ – dieses Schlusswort aus der Predigt appellierte an die gemeinsame Verantwortung der Christen in der Welt – und gab damit zugleich den Gottesdienstbesuchern eine große Zuversicht mit auf den Weg.

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