Löhner Schüler reagieren positiv auf ferngestütztes Lernen
Homeschooling ist „cool“

Löhne (WB). Bisher hat sich das deutsche Bildungssystem schwer getan mit Fernlehrkonzepten, jetzt scheint die Not zur Tugend geworden: Homeschooling, also Unterricht ohne Schulpräsenz, ist in Corona-Zeiten die Alternative zum Lernrückstand. Vier Schüler unterschiedlicher Schulformen und Klassenstufen habe ihre Erfahrungen vor den Osterschulferien geschildert.

Mittwoch, 15.04.2020, 06:09 Uhr
In den Löhner Schulen ist derzeit kaum Betrieb. Damit sich die Schüler trotz Corona-Krise neues Wissen aneignen können, wird Zuhause gelernt. Bei den Kindern und Jugendlichen kommt dieses Verfahren größtenteils seht gut an. Foto: dpa
In den Löhner Schulen ist derzeit kaum Betrieb. Damit sich die Schüler trotz Corona-Krise neues Wissen aneignen können, wird Zuhause gelernt. Bei den Kindern und Jugendlichen kommt dieses Verfahren größtenteils seht gut an. Foto: dpa

Asena ist Elftklässlerin an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule. „Wir Oberstufenschüler arbeiten derzeit mit Tablets. Dort bekommen wir die Aufgaben digital eingestellt. Die Lehrer geben uns dazu zeitnah Rückmeldungen. Ich finde das System prima und komme gut damit klar“, sagt die 17-Jährige. Selbst im Fach Sport würden Arbeitsblätter als Alternative eingesetzt. „Wir müssen dann zum Beispiel für eine Sportart die Regeln recherchieren“, sagt sie. Im Kunstunterricht erhalten die Schüler Bilder zugeschickt, die sie analysieren sollen. „Das selbstständige Arbeiten wird sehr gefördert“, bilanziert die Schülerin.

Aufgaben über Homepage

Aleyna ist Neuntklässlerin an der Goethe-Realschule. „Unsere Aufgaben können wir über die Homepage der Schule abrufen. Im Wesentlichen geht es um Hauptfächer wie Mathe, Englisch und Deutsch“, berichtet die 14-Jährige. Ihr gefällt, dass der Unterricht sich am Lehrbuch orientiert: „So kann man auch noch mal was nachlesen“. Die Mitschüler tauschen sich untereinander über einen Messenger-Dienst aus, helfen sich gegenseitig bei Schwierigkeiten, das gefällt Aleyna.

Zwar müsse man sich „ein bisschen mehr aufraffen“ zum selbstgesteuerten Lernen, aber sie komme gut klar, sagt die Realschülerin. Einen Wermutstropfen aber hat die aktuelle Situation für sie: „Leider musste unser Praktikum abgesagt werden“. Doch sie hofft, dass es bald nachgeholt werden kann.

Keine Partnerarbeit mehr

Loris ist Sechstklässler am Städtischen Gymnasium Löhne. „Ich habe eine App auf dem Computer für das Moodle-Netz der Schule. Da sind alle Fächer hinterlegt. Für ein bis zwei arbeite ich jeden Tag“, berichtet der elfjährige Gymnasiast. Deutsch und Geschichte rechnen zu seinen Lieblingsfächern. „Derzeit lernen wir über Satzglieder und bekommen dazu zum Beispiel Erklärungsvideos. Danach mache ich die entsprechenden Aufgaben im Arbeitsheft“, erläutert er.

In Geschichte sei Griechenland jetzt Thema und „viel lesen“ angesagt. Loris arbeitet jeden Tag für eine feste Zeit. „Ich komme gut mit, und es macht mir Spaß. Eigentlich ist das ganz cool so“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Allerdings: „In der Schule gibt es viel Partnerarbeit. Das geht jetzt natürlich nicht“, bedauert er. Aber eine digitale Klassengruppe sei als vorübergehender Ersatz auch ganz brauchbar, meint Loris.

Die Schulpause fehlt

Marika ist Drittklässlerin an der Grundschule Ostscheid. „Wir holen uns die Aufgaben aus der Schule ab. Die sind dort auf einem großen Tisch zurechtgelegt. Alles, was wir dafür brauchen, liegt dort für uns bereit“, berichtet die achtjährige Schülerin. Zunächst habe sie nur für Mathe und Deutsch gearbeitet, inzwischen gehörten auch Sachunterricht und Englisch dazu. „Ich mache drei bis vier Arbeitsblätter pro Tag“, sagt Marika. Wenn die Aufgaben fertig sind, werden sie auf den Tisch zurückgebracht. „Die Lehrer holen sich die von dort und gucken sie nach“, weiß die Grundschülerin. Marika hat sich schnell an das neue Lernen gewöhnt. Doch lieber wäre ihr, sie dürfte wieder „richtig zur Schule gehen“. Denn: „Es ist ein bisschen blöd, wenn man keine Pausen mehr hat, wo man mit anderen spielen kann“, räumt sie ein.

Beachtliche Leistungen

Nicht nur für die Schüler ist das ferngestützte Lernen eine Umstellung. Alle Schulformen haben eigene Wege finden müssen, um die Unterrichtsinhalte ohne Präsenzzeiten vermitteln zu können. Das erfordert Kreativität von den Kollegien – und Disziplin von den Schülern. Christian Tiedemann, stellvertretender Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Löhne, zieht nach den ersten Wochen eine positive Bilanz.

„Wir haben die Schüler sehr schnell erreichen können. Innerhalb kurzer Zeit gingen alle schon konstruktiv mit dieser Lösung um“, sagt Tiedemann, dessen Schule aktuell rund 1000 Schüler und 80 Lehrer über das interne Netzwerk verbindet. „Es klappt auch deshalb so schnell, weil man mit Menschen arbeitet, die man bereits kennt“, räumt er ein. Die Leistung der Schüler in dieser Zeit sei beachtlich, freut sich Tiedemann und lobt Flexibilität und Disziplin. „Wir alle lernen derzeit sehr viel. Auch das Kollegium muss sich ständig auf neue Umstände einstellen“, fügt er hinzu.

Aber dadurch würden auch Wege geöffnet für künftiges digitales Lernen und den Umgang mit neuen Medien. Jetzt, nach Ostern, müsse man die Gesamtsituation aber wieder neu bewerten, räumt er ein.

Kommentare

Dr. Julia Hinz  schrieb: 15.04.2020 15:06
Bildungsungleichheiten
Die Voraussetzung hierfür sind digitale Lernplattformen.Diese sind bei weitem nicht in allen Schulen vorhanden.Hier droht eine soziale Ungleichheit durch ungleiche Bildungschancen.
1 Kommentare
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