Marion Schröder beobachtet Familie mit Hund direkt unterm Storchennest
Ärger am Naturschutzgebiet Blutwiese

Löhne (WB). Noch Tage später kommen in Marion Schröder die Emotionen hoch, wenn sie an die Erlebnisse von Montagnachmittag denkt: Eine Familie samt Hund war gedankenlos in den geschützten Bereich rund um den Storchenhorst auf der Blutwiese an der Börstelstraße eingedrungen und hatte das Storchenpaar, das mitten in der Brut steckt, aufgeschreckt. Marion Schröder hofft nun, dass das Ei im Nest nicht ausgekühlt ist und die Aktion keine Schäden verursacht hat.

Donnerstag, 16.04.2020, 06:47 Uhr aktualisiert: 16.04.2020, 06:50 Uhr
Marion Schröder zeigt, wie es richtig geht: Interessierte dürfen gerne bis an den Zaun nahe der Börstelstraße herantreten, um sich die Störche anzusehen. Wer sie aus der Nähe beobachten möchte, kann sich eine Kamera oder ein Fernglas mitbringen. Die Distanz ist wichtig, um die Vögel nicht bei der Brut zu stören Foto: Lydia Böhne
Marion Schröder zeigt, wie es richtig geht: Interessierte dürfen gerne bis an den Zaun nahe der Börstelstraße herantreten, um sich die Störche anzusehen. Wer sie aus der Nähe beobachten möchte, kann sich eine Kamera oder ein Fernglas mitbringen. Die Distanz ist wichtig, um die Vögel nicht bei der Brut zu stören Foto: Lydia Böhne

„Ich bin mit meiner Enkelin im Auto an der Blutwiese vorbeigefahren, da sah ich, dass unter dem Horst ein bellender Schäferhund stand, daneben ein Kind und seine Eltern, ich würde tippen zwischen 30 und 35 Jahren“, berichtet Marion Schröder im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Störche kreisten panisch in der Luft und waren ganz durcheinander. Sie verlassen nur in absoluten Notsituationen ihr Gelege“, fügt sie hinzu.

Gedankenlosigkeit und fehlende Sachkenntnisse

Sofort habe sie angehalten und die Menschen lauthals aus der Ferne aufgefordert, zu verschwinden. Als die Familie sich entfernte, fasste die 62-Jährige den Entschluss, die Störenfriede zu stellen und über ihren Fehler aufzuklären.

„Ich habe mich der Gruppe mit dem Auto direkt in den Weg gestellt, aber stieß auf völliges Desinteresse und Unverständnis. Der Mann meinte, ich solle mich nicht so aufregen“, berichtet Marion Schröder. Die 14-jährige Enkelin konnte die Personen und das Kennzeichen ihres im Kreis Minden-Lübbecke gemeldeten Wagens mit dem Handy festhalten.

„In mir sind in diesem Moment einfach so die Emotionen hochgekocht“, sagt die Löhnerin. Auch in den sozialen Medien hat die 62-Jährige ihrem Unmut Luft gemacht und positive Resonanz geerntet. „Die Frau hatte einen Fotoapparat in der Hand, vielleicht sind sie deshalb näher ran gegangen“, überlegt Marion Schröder.

Als Grund für den groben Patzer vermutet die Löhnerin Gedankenlosigkeit und fehlende Sachkenntnisse. Während der Brut- und Setzzeit dürfen sich keine Hunde in der Wiese aufhalten. Ein Zaun dient als Abstandshalter.

Ob der Vorfall Folgen hat?

Die emotionale Reaktion auf das Fehlverhalten sieht Marion Schröder auch in ihrer persönlichen Bindung zu den Störchen begründet. Dass der etwa zwölf Meter hohe Horst überhaupt Anfang 2017 auf der Blutwiese eingerichtet wurde, beruht auf einer Initiative der Löhnerin. „Ich wohne ganz in der Nähe und bemerkte, dass sich hier immer wieder Störche aufhielten. Da kam mir die Idee, den ersten Horst in Löhne zu bauen“, berichtet das SPD-Ratsmitglied. In diesem Jahr hat sich in dem Nest das Pärchen Lotti und Kalli niedergelassen.

Der Horst habe sich mit der Zeit zu einer kleinen Attraktion entwickelt. Zwei Bänke laden zum Verweilen und Beobachten ein – aus der Ferne. „Die Störche befinden sich bis Anfang Mai in der Brutphase. Das Ei wird abgesehen von einer kürzen Belüftung ständig gewärmt“, erläutert Marion Schröder. Ob der Vorfall Folgen für den Nachwuchs hat, wird sich aber wohl erst Mitte Mai zeigen, wenn der Jung-Storch gegebenenfalls über den Rand des Nestes lugt.

Gerne würde die Löhnerin die Familie für ihr Vergehen anzeigen, doch so einfach ist das nicht. Offiziell beginnt das ausgewiesene Naturschutzgebiet bei den Teichen und damit erst hinter der Wiese, auf der der Storchenhorst steht. Diese gehört noch zur Ausgleichsfläche der Nordumgehung. Ende 2019 hat Marion Schröder mit ihren Genossen der SPD beantragt, diese Fläche in ein Naturschutzgebiet umzuwandeln. „Wir haben hier einige seltene Pflanzen und Tiere, beispielsweise Kiebitze“, erläutert sie: „Mir geht es nicht darum, den Leuten die Freude an den Störchen zu nehmen. Sie können sie gerne beobachten – aber bitte aus der Ferne.“

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