Bürgermeister beschreibt die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Stadtverwaltung in Löhne
Seit fünf Wochen im Ausnahmezustand

Löhne (WB). Wegen der Corona-Krise herrscht in der Löhner Stadtverwaltung seit fünf Wochen Ausnahmezustand. „Mittlerweile arbeitet ein Großteil der Belegschaft in ganz anderen Bereichen als üblich“, sagt Bernd Poggemöller. Als Beispiel nennt er das Ordnungsamt. „Normalerweise sind hier etwa 20 Mitarbeiter tätig. Aktuell sind 80 bis 90 Köpfe mit den Auswirkungen des Corona-Virus befasst“, sagt der Bürgermeister.

Samstag, 25.04.2020, 06:30 Uhr
Wer sich über die aktuellen Corona-Beschränkungen informieren möchte, hat dazu in mehreren Schaukästen vor dem Eingang des Löhner Rathauses Gelegenheit. Alternativ lassen sich die Informationen online auf der Stadthomepage abrufen. Foto: Malte Samtenschnieder
Wer sich über die aktuellen Corona-Beschränkungen informieren möchte, hat dazu in mehreren Schaukästen vor dem Eingang des Löhner Rathauses Gelegenheit. Alternativ lassen sich die Informationen online auf der Stadthomepage abrufen. Foto: Malte Samtenschnieder

Eine Hauptaufgabe sei es, die Bürger umfassend zu informieren. Dazu habe die Stadt unter anderem eine Corona-Telefonhotline geschaltet. „Immer wenn das Land Verordnungen ändert oder neu beschließt, schießt die Zahl der Anrufe nach oben“, sagt Bernd Poggemöller. Um die Anfragen zu bearbeiten, würden auch Mitarbeiter aus Dienststellen eingesetzt, die derzeit geschlossen sind. „Dazu gehören die Werretalhalle, die Bücherei, die Musikschule oder auch die Jugendeinrichtungen“, erläutert der Bürgermeister.

Zusätzliches Personal werde auch für die Kontrollen des Außendienstes des Ordnungsamtes benötigt. Diese würden nicht nur an Werktagen, sondern auch an Wochenenden durchgeführt. „Insgesamt stoßen die Corona-Beschränkungen innerhalb der Bevölkerung auf großes Verständnis. Wir haben auch den Eindruck, dass sich die überwiegende Zahl der Löhner daran hält“, sagt Bernd Poggemöller. Dennoch sei nach Verstößen das eine oder andere Bußgeldverfahren eingeleitet worden. „In Einzelfällen musste die Polizei assistieren.“ In anderen Fällen hätten sich unerwünschte Menschenansammlungen hingegen bereits aufgelöst, als die Beteiligten das Fahrzeug des Ordnungsamtes erkannt hätten.

Gezielte Ansprache wichtig

„Dass die Bürger ein großes Informationsbedürfnis haben, sehen wir auch an den steigenden Zugriffszahlen für die städtische Homepage“, sagt Bernd Poggemöller. Manchmal sei ihm aber auch eine gezielte Ansprache wichtig. „Deshalb haben wir vor den Lockerungen der Beschränkungen im Einzelhandel alle mehr als 300 Läden in Löhne angeschrieben, um sie über die genauen Voraussetzungen zu informieren“, betont der Bürgermeister. Nur zwei Einzelhändler hätten seines Wissens nicht von der Neuregelung profitiert, weil ihre Verkaufsfläche größer als 800 Quadratmeter ist: das Modehaus Bruno Kleine und der Elektrofachmarkt Expert Döring.

Als „reibungslos für alle Betroffenen“ bezeichnet Bernd Poggemöller den Wiederbeginn des Unterrichts für die Abschlussschüler an Gymnasium, Gesamtschule und beiden Realschulen. „Wir hatten genügend Vorlauf, um die hygienischen Voraussetzungen zu schaffen“, sagt der Bürgermeister. Auch sei es bislang möglich, einzelne Klassen und Lerngruppen auf verschiedene Räume zu verteilen. Bernd Poggemöller: „Wie das weitergeht, wenn mehr Jahrgänge dazu kommen, müssen wir genau im Auge behalten.“

Bernd Poggemöllers Einstellung gegenüber Mundschutzträgern hat sich nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Wochen verändert. „Anfangs dachte ich: ‚Die sind aber vorsichtig!‘. Mittlerweile denke ich: ‚Die sind verantwortungsbewusst!‘.“ Gleichwohl gelte es, die Wirkung eines Mundschutzes nicht überzubewerten. Bernd Poggemöller: „Beim Übergang zu einem neuen Corona-Alltag kann er aber sicherlich ein wichtiges Hilfsmittel sein.“

Haushaltseinbruch erwartet

Große Sorgen macht sich der Bürgermeister im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Krise auf die städtischen Finanzen. Auf der Einnahmenseite erwarte er drastische Korrekturen nach unten. „Nach der Finanzkrise 2008/2009 ist die Gewerbesteuer um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Und damals waren vorrangig die Banken betroffen. Diesmal ist es die gesamte Realwirtschaft“, sagt Bernd Poggemöller. Auf der Ausgabenseite schlügen beispielsweise erhöhter Personalbedarf etwa zur Überwachung der Corona-Beschränkungen oder die Anschaffung von Materialien wie Desinfektionsmitteln oder Mund-Nase-Schutzmasken zu Buche.

„Um eine generelle Haushaltssperre zu vermeiden, wird derzeit verwaltungsintern geprüft, welche Ausgaben wir weiterlaufen lassen können und welche wir auf den Prüfstand stellen müssen“, erläutert der Bürgermeister. Nicht auf den Prüfstand solle beispielsweise der Neu- und Umbau der Grundschule Obernbeck, weil das Verfahren schon weit fortgeschritten sei. Gute Chancen sieht Bernd Poggemöller auch für Projekte wie die Umgestaltung des Löhner Bahnhofs. „Bei Maßnahmen, die mit erheblichen Fördermitteln unterlegt sind, sollten wir alles daran setzen, dass wir diese Zuschüsse nicht riskieren.“

Politik wird hochgefahren

Das politische Geschehen in Löhne soll in Kürze mit Sitzungen des Bauausschusses (7. Mai) und des Schulausschusses (14. Mai) wieder hochgefahren werden. „Damit wir die Abstandsregeln einhalten können, werden wir die Sitzungen in Saal 1 der Werretalhalle verlegen“, sagt Bernd Poggemöller. Die nächste Ratssitzung sei für den 27. Mai geplant.

„Wir werden in der nächsten Woche ein Verfahren in Gang setzen, um zu prüfen, ob der Haupt- und Finanzausschuss während der Corona-Pandemie anstelle des Rates entscheiden kann“, erläutert der Bürgermeister. Eine entsprechende Regelung habe das Land NRW beschlossen. Dazu sei eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Ratsmitglieder erforderlich. Diese Abstimmung könne schriftlich erfolgen.

Ob es in diesem Jahr ein Oktoberfest in Löhne geben wird, soll in den nächsten ein, zwei Wochen entschieden werden. Bernd Poggemöller: „Ich habe im Moment ein komisches Gefühl, wenn ich an diese Veranstaltung denke.“

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