Einzelhändler loben Disziplin der Kunden – auch Großgeschäfte nun geöffnet
Der Einkauf geht weiter – fast wie zuvor

Löhne (WB). Kleinere Geschäfte auch in Löhne profitieren seit dem 20. April von der Lockerung der Corona-Beschränkungen . Der Kundenzustrom sei „erfreulich“, sagen die Einzelhändler. Aber sorgsam wachen sie über die Einhaltung der Hygienevorschriften. Seit diesem Montag dürfen auch das Modehaus Bruno Kleine sowie der Fachmarkt Expert Döring wieder öffnen – wenn auch nur mit verringerter Verkaufsfläche.

Dienstag, 28.04.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 06:30 Uhr
Blick in den Löhner Handel: Kirsten Beul (links) und Alexandra Sandbrink freuen sich auf Kundschaft. Foto: Gabriela Peschke
Blick in den Löhner Handel: Kirsten Beul (links) und Alexandra Sandbrink freuen sich auf Kundschaft. Foto: Gabriela Peschke

Kirsten Beul hat vor ihrer Buchhandlung ein großes Schild aufgestellt: „Unsere Kunden sind mit Abstand die besten“. „Aber manche Leute stürmen so eifrig ins Geschäft, dass sie das offenbar gar nicht lesen“, berichtet die Inhaberin der Buchhandlung Dehne. „Dann erinnere ich höflich daran, dass wir nur drei Kunden zugleich im Laden haben möchten“, fährt sie fort. Natürlich freut sich Kirsten Beul, dass schon wenige Tage nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen so viele Käufer gekommen sind, sowohl in das Hauptgeschäft in der Fußgängerzone als auch in die Filiale in Mennighüffen.

„Die Kunden teilen uns ihre Freude ganz offen mit“, berichtet auch die dortige Buchhändlerin Alexandra Sandbrink. „Die Leute haben Zeit und gönnen sich ein gutes Buch“, weiß sie. Daher seien auch Bücher der Haupt-Umsatzträger im Vergleich zu Schulmaterial oder Papeterie. „Ein Kunde hat seine jüngste Rechnung vom Lieferservice direkt im Laden bezahlt und uns sogar eine Tafel Schokolade geschenkt. Damit wollte er sich für die Mühe bedanken“, berichtet Kirsten Beul über die Erfahrungen mit dem Lieferservice, den sie auch weiterhin aufrecht hält. Sie selbst hat die Bücher ausgefahren, in Spitzenzeiten bis zu 80 Stück am Tag.

Masken zum Ausleihen

Auch Thomas Fründ ist zufrieden mit dem Wiederanlauf des Verkaufs in seinem Elektro- und Haushaltswarengeschäft an der Lübbecker Straße in Mennighüffen. Hygiene ist ihm auch ein besonderes Anliegen. Gleich am Eingang steht ein Spender mit Desinfektionsmittel für die Kunden bereit. Im Hinblick auf die Maskenpflicht habe seine Frau rund 50 Atemschutzmasken genäht, berichtet Fründ.

Diese liegen, hygienisch verpackt, für die Kunden zur Ausleihe aus. Benutzte Schutzmasken werden zurückgenommen und gewaschen. „Mit Überfüllung des Ladens haben wir nicht zu kämpfen“, sagt Fründ. Seine Kunden kämen gezielt und mit Beratungsanspruch. Sie kauften, wie vorher auch, Elektrogroß- und -kleingeräte.

Auch Rasierer und Haarschneidemaschinen würden nachgefragt, sagt Fründ, da ja niemand zum Friseur gehen könne. „Wir waren natürlich auch zu Shutdown-Zeiten für unsere Kunden da“, blickt Thomas Fründ zurück. Und meint seinen handwerklichen Kundendienst. „Viele haben angerufen und gefragt: ‚Fahren Sie denn überhaupt raus?‘. Da konnten wir die Kunden beruhigen: Ja, das dürfen wir“, berichtet er. Mit Mundschutz und Handschuhen ausgerüstet, bringen die Mitarbeiter von Elektro Fründ die Waschmaschine bis in den Keller des Kunden. „Ein Service, den viele ältere Kunden sehr gern annehmen“, weiß der Inhaber aus Erfahrung.

Blumen sind gefragt

Im Blumengeschäft „Blattlaus Trendfloristik“ von Nicole Schröder duftet es nach Frühling. Nur die reduzierten Öffnungszeiten und die Hinweise auf begrenzte Besucheranzahl im Laden erinnern daran, dass immer noch „Ausnahmezustand“ herrscht. „Wir hatten tatsächlich nur eine Woche lang geschlossen, danach durften wir öffnen, weil wir unter eine Sonderreglung fielen“, berichtet die Inhaberin.

Zu Ostern hätten die Kunden zum Beispiel reichlich Blumen gekauft. Auch Trauerfloristik spiele eine Rolle, selbst wenn die Bestattungen sehr reduziert ausfielen. Nach den Lebensmittel-Vorratskäufen hätten die Blumen sofort an zweiter Stelle gestanden, schildert Nicole Schröder das Kaufverhalten der Kunden. „Viele haben gesagt, Blumen seien gut für ihre Seele“, erzählt sie. Ihren Tresen hat sie mit einer großen Sichtscheibe verblendet. Auch wenn sie Sträuße bindet, steht sie hinter der transparenten Trennung.

Reparaturen stehen bei vielen an

Ein gutes Gefühl hat auch Meike Budde, Inhaberin von Optik-Niehus, nach der schrittweisen Wiederöffnung des Geschäfts. „Wir sind rundum zufrieden“, sagt sie. Viele Kunden kämen aktuell auch mit Reparatur-Aufträgen oder mit dem Wunsch nach einem Batterie-Wechsel für eine Uhr. „Vieles erledigen wir sofort, der Kunde kann häufig direkt darauf warten", sagt die Inhaberin.

Deshalb hat sie sich etwas Besonderes einfallen lassen: Vor dem Laden steht eine Wartebank. „Hier draußen kann man sich währenddessen aufhalten. Dann können in der Zwischenzeit wieder andere Kunden bedient werden“, erläutert sie. Die Stimmung sei gut, sagt Budde, auch alle Mitarbeiter seien wieder im Einsatz. „Jetzt hoffen wir, dass in den nächsten Wochen die Kaufkraft wieder anzieht.“

Produktpräsentation leidet etwas

Dass die Ungleichstellung des Einzelhandels mit der Regelung, dass nun auch große Geschäfte ihre Verkaufsflächen bis zu 800 Quadratmeter öffnen dürfen, nun in Teilen behoben ist, findet Rainer Döring, Geschäftsführer der Expert-Döring-Fachmärkte in Löhne, Lübbecke, Bad Salzuflen und Herford.

„In unseren Geschäften haben wir versucht, es so zu lösen, dass alle Sortimente für die Kunden zugänglich sind“, sagt er. Dass die Ware nun nicht mehr „so optisch perfekt“ präsentiert werden kann, nimmt Rainer Döring in Kauf: „Wir sind einfach froh, dass wir wieder geöffnet haben.“

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