Der Beschaffungsverband „Am Wiehen“ ist besorgt
Wasseralarm

Bad Oeynhausen/Löhne/Hüllhorst (WB). „Die erste Dürre im Jahr haben wir hinter uns“, sagt Matthias Kreft, kaufmännischer Betriebsführer des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) „Am Wiehen“. Bis zu 17.000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag sind in der Dürrephase in den Verbandsgemeinden Bad Oeynhausen, Löhne, Hüllhorst und Hille verbraucht worden.

Mittwoch, 20.05.2020, 23:00 Uhr
Es gibt Sorgen wegen der Trinkwasserversorgung. Foto: dpa
Es gibt Sorgen wegen der Trinkwasserversorgung. Foto: dpa

Deshalb appelliert der Verband in diesem Jahr schon früh an die Bürger, noch bewusster mit der Ressource Trinkwasser umzugehen. Dafür ist nun auch die „Trinkwasser-Ampel“ reaktiviert worden.

Bürger als Multiplikatoren

„Die ersten Spitzenverbrauchswerte aus Ende April/Anfang Mai konnten wir noch gut meistern, aber bei weiter steigender Temperatur rechnen wir mit deutlich höheren Verbräuchen“, sagt Holger Freymuth, der bei den Stadtwerken Löhne für die Energie- und Wasserversorgung zuständig ist. Deshalb habe sich der WBV in diesem Jahr entschlossen, schon früh die „Trinkwasser-Ampel“ zu reaktivieren. Neben der Ampel sollen die etwa 128.000 Bürger im Verbandsgebiet mit einer Grafik zu den Füllständen des Hochwasserbehälters in Bergkirchen sowie mit einem Link zum „Dürremonitor“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung auf den Internetseiten der Stadtwerke informiert werden. „Die Bürger sind der Schlüssel beim Verbrauch“, sagt Matthias Kreft. Bei einem bewussten Verbrauch in Trockenphasen seien ordnungsbehördliche Verfügungen wie 2019 nicht zwingend.

Erneute Verfügungen?

„Damals lagen die Spitzenverbrauchswerte bei über 18.000 Kubikmetern am Tag“, berichtet Holger Freymuth. Mit der Verfügung sowie den Lautsprecher-Durchsagen vom Technischen Hilfswerk (THW), den Feuerwehren und dem Deutschen Roten Kreuz sei der Verbrauch binnen kurzer Zeit um bis zu 20 Prozent gesunken. „Nur so konnte die Versorgung sichergestellt werden“, sagt Matthias Kreft. Um größeren unkontrollierten Wasserentnahmen vorzubeugen, sind die Standrohrausgaben an private Nutzer bei allen Verbandsgemeinden in diesem Jahr eingeschränkt worden. Weiterhin werden die Daten des Wasserbeschaffungsverbandes wie Wasserabgabe, Wasserbezug, Eigenförderung, Temperatur und Niederschlag täglich erfasst und für die Bildung einer Prognose ausgewertet. „Wir haben aus 2019 einige Lehren ziehen können“, sagt Matthias Kreft.

Mögliche Engpässe

„Noch ist alles im grünen Bereich“, sagt Susanne Brants, Geschäftsbereichsleiterin Wasser bei den Stadtwerken Bad Oeynhausen. Doch mit Blick auf die ungewohnte Urlaubssituation in diesem Jahr durch Corona rechnen die Experten mit einem extremen Anstieg des Trinkwasserverbrauchs in den Sommermonaten. „Mittlerweile bekommen die Bürger an jeder Ecke für wenig Geld einen Pool“, sagt Susanne Brants. Das Befüllen von Pools sei generell nicht das Problem, „jedoch wenn alle das zeitgleich in den Spitzenverbrauchszeiten morgens und abends machen, kann es passieren, dass es zu Engpässen kommt.“ Unabhängig, ob die Ampel auf Gelb (es wird zu einem sorgsamen Umgang geraten) oder Rot (der Verbrauch muss deutlich eingeschränkt werden) springt, „jeder Bürger kann mit kleinen Maßnahmen viel bewirken.“

Entspannung in Sicht?

Dass sich die Trinkwasserlage in den kommenden Jahren generell entspannen wird, davon gehen die Experten nicht aus. „Trotz der Einspeisung von Trinkwasser aus anderen Verbänden und Städten, müssen wir uns darauf einstellen, dass wir sorgsamer mit der Ressource umgehen müssen“, sagt Matthias Kreft. In den vergangenen Jahren sei der Klimawandel im Verbandsgebiet deutlich zu spüren gewesen. Derzeit werde mit Hochdruck in Bergkirchen am Neubau des Trinkwasserspeichers gearbeitet. Dieser soll im Frühjahr 2021 fertig sein. Zudem kann die Stadt Bad Oeynhausen in hohen Verbrauchszeiten Trinkwasser aus Porta Westfalica einspeisen und der WBV „Am Wiehen“ die Wasserbezugsmengen vom WBV Herford-West erhöhen.

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