Gewerkschaft sieht möbelverarbeitende Industrie im Kreis Herford nicht in Gefahr – 1700 Beschäftigte laut IG Metall in Kurzarbeit
Corona: „Insolvenzboom“ eher unwahrscheinlich

Löhne (WB). In der möbelverarbeitenden Industrie sind wegen der anhaltenden Corona-Krise „alle in Kurzarbeit, aber mit unterschiedlicher Ausgestaltung“, berichtet Frank Branka von der Geschäftsstelle der Gewerkschaft IG Metall in Herford. Etwa „1600 bis 1700 Beschäftigte“ seien davon in Löhne betroffen. Kündigungen werde es während dieser Phase aber nicht geben.

Mittwoch, 03.06.2020, 07:09 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 07:30 Uhr
„Geräuschlos“ hat die Möbelindustrie laut IG Metall im Kreis Herford auf Kurzarbeit umgestellt. Foto: dpa
„Geräuschlos“ hat die Möbelindustrie laut IG Metall im Kreis Herford auf Kurzarbeit umgestellt. Foto: dpa

Dabei bezog sich Frank Branka auf fünf Unternehmen der möbelverarbeitenden Industrie wie Siematic, Danielmeyer, RWK & Kuhlmann Küchen, Nolte Küchen und Bauformat. Dort sei der Betrieb „innerhalb von zwei bis drei Wochen relativ geräuschlos“ auf Kurzarbeit umgestellt worden. Dabei hätten Unternehmen „auch vom Auftragsbestand gelebt.“

„Alle sind in Kurzarbeit, aber mit unterschiedlicher Ausgestaltung“, erläuterte Frank Branka. So habe das Unternehmen RWK Küchen zunächst den Betrieb für drei Wochen eingestellt. Nun hätten die Beschäftigten dort aufgrund von Aufträgen aus China „den Mai durchgearbeitet“, bevor sie im Juni erneut nicht ausgelastet seien.

Dabei sei es der IG Metall gemeinsam mit den Betriebsräten vor Ort gelungen, „ausschließlich Betriebsvereinbarungen abzuschließen, dass während der betriebsbedingten Kurzarbeit keine Kündigungen stattfinden“, betonte in diesem Zusammenhang Gewerkschaftsvertreter Peter Kleint.

Keine Gefahr einer Kündigung

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erhalten derzeit Beschäftigte 60 Prozent sowie Erwerbstätige mit mindestens einem Kind 67 Prozent ihres ausgefallenen Nettolohns. Allgemein ist diese Leistung bis zu 12 Monate möglich.

Nach einem Beschluss der Bundesregierung wird das Kurzarbeitergeld für jene, die aktuell wenigstens die Hälfte weniger als zu Normalzeiten arbeiten, ab dem vierten Monat des Erhalts auf 70 Prozent sowie auf 77 Prozent für Haushalte mit Kindern angehoben und weiterführend nach dem siebten Monat auf 80 sowie 87 Prozent des Nettolohnes erhöht werden.

Dies soll über einen Zeitraum bis spätestens zum Jahreswechsel möglich sein. Durch die wirtschaftlichen Soforthilfen sei viel Geld vom Staat an die Arbeitgeber geflossen, sagte Peter Kleint. Doch auch bei Kurzarbeit ohne Gefahr einer Kündigung gehe einem Arbeitnehmer schnell „die Spucke aus“.

Ausdrücklich appelliere er daher an die Erwerbstätigen, sich nicht davor zu scheuen, im Bedarfsfall auch Sozialleistungen zu beantragen. Zudem würden die durch Beschluss der Regierung erhöhten Kurzarbeitergelder derzeit nicht in allen Löhner Betrieben umgesetzt.

Arbeitsschutz wichtiges Thema

Außerdem könnten nach Kleints Ausführungen „zehn von 100 Betrieben im Kreis keinen Schutzmechanismus abrufen.“ Betriebe, denen es auch vor der Krise ohne eigenes Verschulden wirtschaftlich nicht gut gegangen sei, gerieten nun durch das Corona-Virus „in eine Doppelfalle, weil sie keine Hilfen abrufen können“.

Einen „Insolvenzboom“ sehe er zwar nicht, aber bei einzelnen Unternehmen habe er durchaus „arge Bedenken, ob es überleben kann“, sagte Peter Kleint. Allgemein sei man bei der IG Metall aber im Kreis guter Hoffnung, „dass die Fertigungen so langsam aber sicher wieder anlaufen“.

Die Unternehmen müssten dabei verantwortungsbewusst im Sinne der Gesundheit der Beschäftigten ihre Produktionen wieder hochfahren und alle Hygienebestimmungen zum Gebrauch von Schutzmasken oder Abstandsregeln einhalten. „Arbeitsschutz steht im Vordergrund“, mahnte Peter Kleint in Bezug auch auf rasch fortgeschrittene bundesweite Lockerungen. Die Corona-Pandemie sei noch nicht vorbei, und die „Sicherheit der Beschäftigten geht vor“.

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