23 Gesamtschüler aus Kirchlengern gestalten Ausstellung im Löhner Heimatmuseum
Menschen auf der Flucht

Löhne (WB). Rassismus, Krieg, Klimawandel – die Ursachen für eine Flucht aus dem eigenen Land sind vielfältig. So facettenreich, dass 23 Schüler der Klasse 10a der Erich-Kästner-Gesamtschule Kirchlengern dazu eine multimediale Ausstellung unter dem Titel „Menschen auf der Flucht“ konzipiert haben. Zu sehen ist sie ab dem Weltflüchtlingstag am Samstag, 20. Juni, im Löhner Heimatmuseum auf dem Bischofshagen.

Dienstag, 16.06.2020, 07:00 Uhr
Antje Stuke, Leiterin der Erich-Kästner-Gesamtschule Kirchlengern, und Marcus Coesfeld finden, dass die Zehntklässler stolz auf die Erarbeitung ihrer eigenen Ausstellung sein dürfen. Unter Anleitung des Lehrers haben die Jugendlichen eine Ausstellung zum Thema Flucht konzipiert. Foto: Lydia Böhne
Antje Stuke, Leiterin der Erich-Kästner-Gesamtschule Kirchlengern, und Marcus Coesfeld finden, dass die Zehntklässler stolz auf die Erarbeitung ihrer eigenen Ausstellung sein dürfen. Unter Anleitung des Lehrers haben die Jugendlichen eine Ausstellung zum Thema Flucht konzipiert. Foto: Lydia Böhne

Den Impuls für das Schülerprojekt hat Lehrer Marcus Coesfeld im Unterricht für Gesellschaftskunde gegeben. „Wir hatten noch Zeit, um Themen zu vertiefen, die die Schüler besonders interessieren“, berichtet der Lehrer.

Multikultur, Krieg, Globalisierung oder Familiengeschichten wurden vorgeschlagen. „Wir haben dann beschlossen, diese Aspekte unter dem übergeordneten Thema Flüchtlinge zu erkunden“, erläutert Marcus Coesfeld.

Keine Arbeit vor Ort

Schließlich sei dem gelernten Museumspädagogen die Idee gekommen, die Ausarbeitung in einem Museum auszustellen. Eine Idee, von der Sonja Voss direkt angetan war. „Ich kannte bereits Arbeiten von Marcus Coesfeld und wusste daher, dass es ein tolles Projekt werden würde. Außerdem finde ich, dass Kinder und Jugendliche einen besonderen Blick auf dieses Thema haben, das sich oftmals schwierig als normale Museumsausstellung vermitteln lässt“, sagt sie.

Gerne hätte die Museumsleiterin mit den Gesamtschülern auch im Heimatmuseum an

Sonja Voss zeigt einen alten Koffer aus DDR-Zeiten. Die Leiterin des Löhner Heimatmuseums freut sich, dass das Museum wieder geöffnet ist.

Sonja Voss zeigt einen alten Koffer aus DDR-Zeiten. Die Leiterin des Löhner Heimatmuseums freut sich, dass das Museum wieder geöffnet ist. Foto: Lydia Böhne

der Ausstellung gearbeitet. „Leider ist uns Corona dazwischengekommen“, bedauert sie.

Und so haben die Jugendlichen im Homeschooling ihre Arbeiten finalisiert. „Die Schüler waren sehr motiviert und haben selbstständig recherchiert, Interviews geführt und Exponate besorgt“, berichtet Marcus Coesfeld.

Audiostation ausgeliehen

Ausschnitte der aufgezeichneten Befragungen können über eine Audiostation, die sich das Museum beim LWL-Museum für Archäologie in Herne ausgeliehen hat, wiedergegeben werden. Zu hören ist beispielsweise der Mitschnitt eines Telefoninterviews mit dem DDR-Flüchtling Norbert Calmez, zu dem eine Schülerin persönlichen Kontakt herstellen konnte.

Insgesamt ist die Ausstellung in vier Themenblöcke gegliedert: Fluchtursachen, Fluchterfahrungen heute und damals, beispielsweise zur Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) sowie der Umgang mit Geflüchteten. Die Schüler haben alle Texte selbst verfasst und außerdem kleine Booklets mit weiterführenden Informationen, die unter anderem darüber aufklären, was einen Asylanten von einem Flüchtling unterscheidet sowie ein vertiefendes Kreuzworträtsel erstellt.

Schlauchboot an der Decke

Den Bereich Fluchtursachen veranschaulichen einige prägnante Exponate: eine Spielzeug-Kalaschnikow, die den Krieg symbolisieren soll, ein leerer Teller, der für Hunger und Armut steht oder Gebetsketten, die für religiöse Verfolgung stehen. Blickfang im Ausstellungsraum, den das Museum neu zur Verfügung gestellt hat, ist aber ein gelbes Schlauchboot, das von der Decke hängt. Im Schaukasten darunter: Sneaker, Jeans und Pullover – Gegenstände, die darstellen sollen, auf welchem Weg und mit wie wenig Gepäck Menschen oftmals ihre Heimat verlassen.

Ein Video mit einem persönlichen Erfahrungsbericht können die Besucher über einen QR-Code auf der Plattform YouTube abrufen. Eine Vitrine weiter sind Bilder aus DDR-Zeiten ausgestellt. „Sie stammen von den Großeltern einer Schülerin“, ergänzt Marcus Coesfeld.

Ein Ausweis von 1949

Daneben befindet sich auch ein Flüchtlingsausweis von 1949. „Den Schülern war es aber nicht nur wichtig, aufzuklären. Sie haben sich auch Gedanken gemacht, was man tun kann“, sagt Marcus Coesfeld.

Deshalb steht in der Ausstellung auch eine Unicef-Spendenbox für die Flüchtlingshilfe. Geöffnet ist die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten des Heimatmuseums, die auf der Internetseite ( www.heimatmuseum-loehne.de ) einsehbar sind. Da das Museum auch während der Sommerferien geöffnet bleibt, ist die Ausstellung noch bis Anfang August zu sehen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7451058?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F
Mindestens acht Tote nach Schüssen in Fedex-Lager
Die Polizei war kurz vor Mitternacht zu der Lagerhalle nahe dem Flughafen der Stadt gerufen worden.
Nachrichten-Ticker