Stadt Löhne setzt Zeichen gegen Trend in Polen
Partnerschaft mit Mielec auf dem Prüfstand

Löhne (WB). Immer mehr Städte in Polen erklären sich zu LGBT-freien Zonen. Das heißt, dass dort Menschen mit nicht-heterosexuellen Neigungen unerwünscht sind. LGBT ist die englische Abkürzung für „lesbisch, schwul (=gay), bisexuell, transgender“. Auch Löhne hat mit Mielec eine polnische Partnerstadt.

Samstag, 20.06.2020, 11:29 Uhr aktualisiert: 21.06.2020, 10:26 Uhr
Immer mehr Städte in Polen erklären sich zu LGBT-freien Zonen. Das heißt, dass dort Menschen mit nicht-heterosexuellen Neigungen unerwünscht sind. Foto: dpa
Immer mehr Städte in Polen erklären sich zu LGBT-freien Zonen. Das heißt, dass dort Menschen mit nicht-heterosexuellen Neigungen unerwünscht sind. Foto: dpa

In der Ratssitzung am 27. Mai hatte Silke Glander-Wehmeier (Grüne) um Auskunft über eine LGBT-freie Zone in Mielec gebeten. Bürgermeister Bernd Poggemöller hatte vor einem Monat grundsätzlich zu einem solchen Verhalten gesagt: „Das ist Ausgrenzung, das geht gar nicht.“

Die Stadtverwaltung hat sich für die nächste Ratssitzung am Mittwoch, 24. Juni, um 18.30 Uhr in der Werretalhalle in Polen umgehört. Das Ergebnis: Die Provinz Karpatenvorland, zu der Mielec gehört, und der Kreis Mielec haben sich zur LGBT-freien Zone erklärt, nicht aber die Stadt Mielec selbst.

Stadtverwaltung nimmt Kontakt mit Mielec auf

Allerdings hat der Stadtrat dort am 26. September 2019 eine „Kommunale Charta der Rechte von Familien“ verabschiedet. In dieser Charta wird die traditionelle Familie, die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau sowie das Recht der Eltern auf Kindererziehung in Übereinstimmung mit ihren eigenen Überzeugungen und das Recht des Kindes auf Schutz vor Demoralisierung unter besonderen Schutz gestellt und gefördert.

Die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Löhne und Mielec bestehen seit 18 Jahren und haben sich im Laufe der Zeit vertieft. Der jährliche Schüleraustausch mit der Bertolt-Brecht-Gesamtschule und dem Konarski-Lyzeum in Mielec, der in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, ist ein Beleg für eine gelebte Partnerschaft. In einem ersten Schritt ist die Stadt Mielec jetzt angeschrieben worden, um Hintergründe und Motive für die aktuellen Beschlüsse zu erfahren. Gegebenenfalls kann in der Sitzung über eine Antwort des Stadtpräsidenten berichtet werden, heißt es in der Vorlage.

Kommentare

Wo ist das Problem?  schrieb: 22.06.2020 10:44
@ Franz:

Man stelle sich vor, deutsche Städte würden sich zu "Polen-freie Zonen" erklären und im Grundgesetz den besonderen Schutz nur von deutschen Bürgern verankern?!? Und dann noch fragen "wo ist das Problem?" ?!?
Gerhard B.  schrieb: 21.06.2020 14:40
Klar, die Charta kommt harmlos daher (ziemlich viele Worte mit ziemlich wenig Inhalt). Auffällig ist aber, dass Schulen alle Lerninhalte "über den Kernlehrplan hinaus" Eltern gegenüber zur Einwilligung offen legen sollen. Die Stoßrichtung ist klar: Die von der EU geforderte Aufklärung an Schulen, u.a. um Gewalt und Mobbing gegen LGBT-Kinder und -Jugendliche entgegenzuwirken, soll hier durch Elternrecht unterlaufen werden. Ähnliche Bestrebungen propagiert die VOX in Spanien. So wundert es auch nicht, dass die aus Spanien stammende Stiftung CitizenGo hier Mitunterstützer der Charta ist, eine Organisation, die seit Langem versucht, die rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen europaweit zu torpedieren.

Es wird im Artikel nicht behauptet, dass es in Mielec ein Problem gäbe. Die deutsche Partnerstadt hat ja um Stellungnahme gebeten, das Ergebnis ist offen.

Und tatsächlich gibt es in Polen keine Zonen, die frei von LGBT-Menschen sind, gottseidank. Denn auch diese Menschen sind Kinder, Geschwister, Enkel, etc. in traditionellen Familien, und sie werden weiterhin auf ihre Situation aufmerksam machen, auch dann noch, wenn es eine PiS längst nicht mehr gibt.
Franz  schrieb: 21.06.2020 04:53
Wo ist das Problem?
Allerdings hat der Stadtrat dort am 26. September 2019 eine „Kommunale Charta der Rechte von Familien“ verabschiedet. In dieser Charta wird die traditionelle Familie, die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau sowie das Recht der Eltern auf Kindererziehung in Übereinstimmng mit ihren eigenen Überzeugungen und das Recht des Kindes auf Schutz vor Demoralisierung unter besonderen Schutz gestellt und gefördert.

Wo ist hier bitte das Problem? Artikel 18. der Verfassung der Republik Polens besagt:

Die Ehe als Verbindung von Frau und Mann, Familie, Mutterschaft und das Elternrecht stehen unter Schutz und in Obhut der Republik Polen.

Es geht nicht um "lgbt freie Zonen", die gibt es in Polen nämlich nicht. Für homosexuelle und transsexuelle Menschen ändert sich gar nichts. Mielec handelt verfassungskonform, mehr nicht. Und noch etwas, lieber Autor: man schreibt "setzt Zeichen" nicht "setzt zeichen" und auch nicht "Übereinstimmng". Ich weiß, es ist NRW und nicht Sachsen, aber trotzdem.
3 Kommentare
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