Löhner Kirchengemeinde prüft Grabmale auf Friedhöfen in Gohfeld und Mahnen
Vorsicht, Unfallgefahr!

Löhne (WB). Grabmale als Unfallgefahr? Was im ersten Augenblick merkwürdig klingt, kann durchaus eintreten – das weiß Jörg Höinghaus aus eigener Erfahrung. Damit es nicht zu gefährlichen Zwischenfällen mit den mehr als 150 Kilogramm schweren Grabsteinen kommt, prüfen der Sachkundige sowie weitere Ehrenamtliche der Kirchengemeinde Gohfeld einmal im Jahr die Standfestigkeit aller Denkmäler auf den Friedhöfen Gohfeld und (am kommenden Wochenende) auch in Mahnen. Gleichzeitig wird nach der Grabpflege geschaut.

Donnerstag, 02.07.2020, 04:55 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 05:00 Uhr
Presbyter Jörg Höinghaus (von links), Kirchmeister Matthias Bretz und Friedhofsbeauftragte Almut Lefert testen gemeinsam mit vier weiteren Ehrenamtlichen die Standfestigkeit der Grabmale auf den Friedhöfen Gohfeld und Mahnen. Foto: Lydia Böhne
Presbyter Jörg Höinghaus (von links), Kirchmeister Matthias Bretz und Friedhofsbeauftragte Almut Lefert testen gemeinsam mit vier weiteren Ehrenamtlichen die Standfestigkeit der Grabmale auf den Friedhöfen Gohfeld und Mahnen. Foto: Lydia Böhne

Tag und Nacht unter freiem Himmel sind die Grabsteine jeder Witterung ausgesetzt. Vor allem ein harter Winter kann zu Problemen mit der Verankerung im Boden und damit zu einem losen Stein führen. Bei manchen Exemplaren kann schon ein leichter Druck mit der bloßen Hand den Koloss zum Wanken bringen. Wenn sich beispielsweise ältere Menschen bei der Grabpflege am Stein hochziehen, kann das zu einer echten Gefahr werden.

Kipptester als letzte Waffe

Wenn sich die sieben Ehrenamtlichen bei einem Exemplar unsicher sind, kommt der Kipptester zum Einsatz. Das Druckmessgerät hat sich die Evangelische Kirchengemeinde für etwa 1500 Euro angeschafft. Das Gerät wird in etwa einem Meter Höhe horizontal am Stein angebracht und erzeugt eine Last von 300 Newton, also etwa 30 Kilogramm. Dem Druck muss der Grabstein zwei Sekunden lang standhalten.

„Dabei darf die Neigung zwei Prozent nicht überschreiten“, erläutert Jörg Höinghaus. Vor zwei Jahren hat das Mitglied des Presbyteriums einen Lehrgang absolviert und ist nun zertifiziert als Prüfer. „Dabei ging es zum Beispiel auch um Baurecht, Beschaffenheit und wie Grabmale überhaupt verankert und aufgebaut sind“, berichtet Jörg Höinghaus. Alle Bestimmungen und Unfallverhütungsvorschriften gibt die Satzung TA-Grabmale (Technische Anleitung zur Standardsicherheit vom Grabmalanlagen) genau vor.

Wie viele Steine alleine in Gohfeld geprüft werden, kann Kirchmeister Matthias Bretz nicht sagen: „In den etwa 100 Jahren, die der Friedhof besteht, ist er immer wieder erweitert worden. Ich schätze die Fläche auf mehrere Hektar.“ Für die Prüfung berechnen die Ehrenamtlichen etwa fünf Stunden. „Bei eventuellem Regen muss sie unterbrochen werden, da dieser den Boden weich macht und das Ergebnis verfälscht“, erläutert Jörg Höinghaus.

Viele Grabmale unsicher

Aus der Vergangenheit weiß der Sachkundige: Zwischen zehn und 20 Grabmale bestehen die Prüfung nicht. In einem solchen Fall wird der Stein mit einem gelben Aufkleber versehen, der über den Missstand aufklärt und den Nutzungsberechtigten der Grabstätte auffordert, das Grabmal schnellstmöglich fachgerecht befestigen zu lassen. Notwendig ist außerdem ein Nachweis des Fachbetriebes, der die Instandsetzung bestätigt. „Die Leute sind da eigentlich sehr einsichtig“, sagt Jörg Höinghaus. „Wir wollen mit der Prüfung ja auch niemandem etwas Böses, es geht lediglich um die Sicherheit und die Haftungsfrage, falls etwas passieren sollte“, betont der Sachkundige.

Einen Unfall hat es bisher zwar noch nicht gegeben, aber beinahe wäre es bei einer der letzten Prüfungen dazu gekommen, wie Jörg Höinghaus berichtet: „Der Stein kam ins Wanken und wäre mir beinahe vor die Füße gefallen, wäre ich nicht rechtzeitig zur Seite gesprungen.“ Deswegen arbeiten die Ehrenamtlichen mit Sicherheitsschuhen. Einer der ältesten Steine, ein Grabmal, das Anfang des 20. Jahrhunderts als eins der ersten im östlichen und ältesten Teil des Friedhofs errichtet wurde, besteht Jahr für Jahr tapfer den Test. „Das ist noch richtige Wertarbeit, das kann sich heute keiner mehr leisten“, klärt Höinghaus auf.

Die nächste Grabmalüberprüfung ist am diesem Samstag, 4. Juli, auf dem Friedhof Mahnen. Von 9 Uhr an werden Ehrenamtliche sowie Experten die Grabmale prüfen. Interessierte Nutzungsberechtigte können vor Ort an der Prüfung teilnehmen

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