Löhner Wohnmobilisten urlauben schon seit vielen Jahren auf vier Rädern
„Alle suchen die Freiheit“

Löhne (WB). Unabhängigkeit, Natur pur, Spontaneität – all das bietet der Urlaub mit dem Wohnmobil. Kriterien, die anscheinend viele Menschen in der heutigen Zeit schätzen. Seit Jahren boomt der Bereich Outdoor. Rosmarie und Michael Saaksmeier (66) sowie Wilfried Flottmann (73) vom Löhner Wohnmobil-Stammtisch sind seit Jahrzehnten Fans dieser Art von Urlaub. Sie haben festgestellt: Durch die Corona-Pandemie hat das Reisen mit dem Wohnmobil weiter an Beliebtheit gewonnen.

Dienstag, 10.11.2020, 07:59 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 09:24 Uhr
Wilfried Flottmann (von links) und Rosmarie und Michael Saaksmeier sind seit Jahren Wohnmobil-Fans. Ein Hobby, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut – auch bei jungen Menschen.Deshalb sind die Stellplätze in manchen Städten schon überlaufen. Foto: Foto: Lydia Böhne
Wilfried Flottmann (von links) und Rosmarie und Michael Saaksmeier sind seit Jahren Wohnmobil-Fans. Ein Hobby, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut – auch bei jungen Menschen.Deshalb sind die Stellplätze in manchen Städten schon überlaufen. Foto: Foto: Lydia Böhne

Spießig und nur was für ältere Leute – mit diesen Vorstellungen hat Rosmarie Saaksmeier den Wohnmobil-Urlaub als jüngere Frau assoziiert. Die Übernachtungen im Auto und das Aufwachen mit direktem Blick auf den Sonnenaufgang haben dazu geführt, dass sie sich doch 1991 zu einem Selbstversuch hinreißen ließ. Der Start hätte nicht schlechter laufen können: „Eine Woche Herbstwetter auf engstem Raum mit Säugling. Zuhause waren wir urlaubsreif“, erinnert sich die 66-Jährige zurück.

Aus Fehlern gelernt

Und doch blieb die Faszination, immer unterwegs sein zu können und dabei spannende Orte zu entdecken. „Aus unseren Fehlern von damals haben wir gelernt und es beim nächsten Mal anders gemacht“, fügt die Löhnerin hinzu. 1999 hat sich Rosmarie Saaksmeier mit ihrem Mann das erste Wohnmobil gekauft. In Kürze wechselt das Paar zum vierten, 7,85 Meter langen Modell. Stattliche zwölf Meter muss Michael Saaksmeier dann inklusive Hänger, auf dem eine Vespa sowie Fahrräder transportiert werden, rangieren.

„Ein bisschen Nervenkitzel gehört dazu“, findet Michael Saaksmeier. Zum Beispiel, wenn bei Regen die Reifen des Wohnmobils am Hang durchdrehen. „Aber sonst hätte man ja auch nichts zu berichten“, ergänzt Rosmarie Saaksmeier mit einem Lachen. Seit 1989 ist auch Wilfried Flottmann Fan des Wohnmobil-Urlaubs. „Ich möchte nichts anderes mehr und bleibe so lange hinter dem Steuer, wie es geht“, lautet sein Fazit.

Tour durch Frankreich

Ebenso wie das Ehepaar Saaksmeier fahren Flottmann und seine Frau ein Wohnmobil des mittleren Preissegments. „Preislich ist alles möglich. Für 300.000 Euro bekommt man richtige Luxusliner, die samt Spül- und Waschmaschine wie Ferienwohnungen auf Rädern sind“, sagt der 73-Jährige. Fünf Wochen war der Löhner in diesem Jahr mit seiner Frau auf Tour. „Viel zu kurz“, bedauert der 73-Jährige.

Zwölf Wochen waren es bei Rosmarie und Michael Saaksmeier. Eigentlich wollten sie deutlich länger unterwegs sein, doch Corona hat die Pläne durchkreuzt. Die achtwöchige Reise durch Spanien und Portugal musste das Paar im Frühjahr wegen steigender Infektionszahlen vor Ort nach nur zwei Wochen abbrechen. Die mehrwöchige Tour entlang der Balkanroute nach Griechenland von Ende August bis November – ebenso gecancelt. Stattdessen unternahmen die Löhner eine mehrwöchige Tour durch Frankreich und Kurztrips nach Holland.

38.000 Neuzulassungen

Der Urlaub vor der eigenen Haustür sei laut Rosmarie Saaksmeier gar nicht mehr so leicht möglich: „Alle suchen die Freiheit. Die Plätze sind so überlaufen, es ist teilweise nicht mehr schön. Manche Plätze sind gesperrt, weil sie nicht sauber hinterlassen wurden.“

Das hat auch seine Gründe: „Allein in der ersten Jahreshälfte gab es 38.000 Neuzulassungen. In Deutschland gibt es eine Million Campingfahrzeuge. Hinzu kommen noch die Holländer, Italiener und Schweden, die zusätzlich in Deutschland Urlaub machen“, erläutert Wilfried Flottmann. Über verschiedene Internetportale suchen sich die Wohnmobilisten mögliche Stell- und Campingplätze raus.

Neu ist das Angebot „Camp in my Garden“, bei dem Menschen ihr Privatgelände als Stellfläche anbieten.

Wohnmobilisten-Stammtisch

Den Stammtisch der Wohnmobilisten gibt es seit fast 15 Jahren, Wilfried Flottmann und Rosmarie Saaksmeier haben ihn erstmals Anfang 2006 ausgerichtet. Über 60 Wohnmobilisten sind seither der Einladung gefolgt, jeweils am letzten Montag im Monat. „Es kommen meist zwischen 25 und 30 Interessierte zu den offenen Treffen. Meist auch neue Leute, die sich Tipps holen“, sagt Rosmarie Saaksmeier.

Ursprüngliche Motivation, den Stammtisch zu gründen, war die Suche nach Unterstützern für die Einrichtung eines Wohnmobil-Stellplatzes in Löhne – mit Erfolg. Den Initiatoren ist es zu verdanken, dass es am Löhner Freibad einen Übernachtungsplatz mit 17 Stellplätzen gibt. „Die Stadt hat ihn inzwischen von uns übernommen und verpachtet. Er ist gut gebucht, beispielsweise von Monteuren der Küchenmeile“, sagt Wilfried Flottmann. Nähere Informationen gibt es auch im Netz.

Blick ins Reisetagebuch

Ihre Erlebnisse hält Rosmarie Saaksmeier auf ihrem Blog fest. Hier ein Einblick: Die Tour beginnt am Sonntag, 23. August. Erstes Ziel: Maastricht in den Niederlanden. Tag drei der Reise führt das Ehepaar weiter nach Péruwelz, eine Gemeinde in der Provinz Hennegau in Belgien. Tag vier, fünf und sechs ist Veutes les Roses in Frankreich der Rastplatz der Löhner, bevor es am 29. August weiter nach Bayeux geht.

Am 1. September brechen sie von dort auf nach Barfleur, wo sie bis zur Weiterfahrt nach Les Pieux verweilen. An Tag 14 und 15 befinden sich die Wohnmobilisten auf der Route des Camps nach Carteret. 7. September: Weiterfahrt in die Bretagne - Erquy, eine kleine Gemeinde. Tag 19, 20 und 21 der Tour verbringen die Löhner in Paimpol, bevor es für weitere drei Tage nach Lampaul Plouarzel geht.

Anschließend rollt das Wohnmobil weiter nach St. Jean sur Mayenne, bevor es am 18. September zum letzten Stopp in Frankreich geht: Aix on Othe. 20. September: Zurück in Deutschland nach einer 32-tägigen Tour mit etwa 3000 Kilometern Strecke sowie 33 markierten Standorten in vier Ländern.

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