Das Seniorenzentrum an der Werre testet wöchentlich alle Mitarbeiter, auch für Besucher ist der Antigen-Test Pflicht
Schnelle Sicherheit auch ohne Laborprüfung

Löhne (WB) -

Wer ins Seniorenzentrum an der Werre möchte, muss zuerst an ihr vorbei: Nach einer ärztlichen Schulung kümmert sich Sabine Weygandt seit vergangener Woche um die Teststation des Altenwohnheims. Die gelernte Krankenschwester hat gut zu tun, denn neben den Mitarbeitern, die einmal pro Woche auf das Virus getestet werden, sind auch alle weiteren Gäste dazu verpflichtet, um eine Situation, wie sie das Altenwohnheim Mennighüffen derzeit erlebt, zu vermeiden.

Freitag, 20.11.2020, 17:38 Uhr aktualisiert: 23.11.2020, 11:12 Uhr
Bevor Margit Bierbüsse-Reuter ihre Angehörigen besuchen darf, muss sie sich mit einem Abstrich des Nasenrachenraums von Sabine Weygandt testen lassen.
Bevor Margit Bierbüsse-Reuter ihre Angehörigen besuchen darf, muss sie sich mit einem Abstrich des Nasenrachenraums von Sabine Weygandt testen lassen. Foto: Lydia Böhne

250 Antigen-Schnelltests hat Sabine Weygandt, die eigentlich in der Palliativpflege der Einrichtung tätigt ist, in den vergangenen Tagen nach Inkrafttreten der Testverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt. „Wir haben zunächst alle Bewohner einmal durchgetestet. Nach Außer-Haus-Gängen oder bei Symptomen wird der Test wiederholt. Die Mitarbeiter sind immer montags dran“, erläutert sie.

In einem Raum nahe des Haupteingangs hat Sabine Weygandt ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Sonderlich viel benötigt sie für die Durchführung nicht. „Ziel ist es, dass schnell Infektionen erkannt werden – auch ohne Labor“, ergänzt Pflegedienstleiter Axel Hofsäß. „Wir haben Glück, dass Sabine Weygandt nicht aktiv in der Pflege arbeitet und die Arbeit übernehmen kann, von unserem Pflegepersonal hätten wir niemanden abziehen können. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jede Einrichtung genügend Personal dafür hat“, merkt der Leiter an.

1400 Test pro Monat möglich

1400 Tests wurden dem Seniorenzentrum für den ersten Monat zur Verfügung gestellt. „Mit der Menge kommen wir gut hin – es sei denn, wir müssen vermehrt testen“, fügt Hofsäß hinzu. Informationen darüber, wie viele Tests das Seniorenzentrum künftig monatlich wird durchführen dürfen, gibt es laut Pflegedienstleiter bisher noch nicht. „Wir haben die Tests schon frühzeitig selbst bestellt, da sie heiß begehrt sind“, ergänzt Axel Hofsäß. Pro Test erhält die Einrichtung sieben Euro, pro Arbeitsstunde von Sabine Weygandt neun Euro. Abgerechnet wird über die Krankenkasse.

Für jeden Besucher, der sich zuvor angemeldet haben sollte, gilt das Testkonzept: Nach der Registrierung am Eingang, der Abfrage der typischen Symptome (Fieber, Husten oder Geruchs- und/oder Geschmacksverlust) und der Temperaturmessung folgt der Gang ins Test-Zimmer. Dort nimmt Sabine Weygandt einen Abstrich des Nasenrachenraums, der anschließend auf SARS-CoV-2-Eiweiße untersucht wird. Anschließend heißt es warten: Etwa 15 Minuten braucht der Test.

Nicht immer passt alles

„C ist der Kontrollstreifen, er färbt sich immer rot. Ist der Test positiv, erscheint bei T ein zweiter Streifen“, erläutert Sabine Weygandt. „Ist das der Fall, erhält die Person einen Nachweis, mit dem sie zum PCA-Test muss, und wir informieren die zentrale Meldestelle des Kreis Herford. Es folgt Quarantäne, bis das Endergebnis vorliegt“, ergänzt die Mitarbeiterin. Die Empirie zeigt, dass die Schnelltests nicht immer verlässlich sind, Axel Hofsäß spricht nur von einer etwa 95-prozentigen Genauigkeit.

„Wir hatten schon vier positive Ergebnisse, die sich nach erneuter Testung als falsch herausgestellt haben. Die negativen Ergebnisse hingegen sind sicherer“, fügt der Pflegedienstleiter hinzu. Als Indikator für einen fälschlicherweise positiven Test habe sich herausgestellt, dass der T-Balken sich erst spät und nur sehr schwach verfärbt. Wie wichtig die niedrigschwellige Testung dennoch ist, hat sich bereits gezeigt: „Wir konnten bei einer Mitarbeiterin mit Erkältungssymptomen das Virus nachweisen“, sagt Axel Hofsäß.

Mehr Sicherheit

Der Mitarbeiter ist trotz des bürokratischen Aufwands für das Seniorenzentrum von den Antigen-Tests überzeugt: „Bewohner und Mitarbeiter fühlen sich sicherer. Die Vorfälle in Mennighüffen sind wie ein Damoklesschwert, das über uns hängt.“ Auch dass so wenigstens Besuch empfangen werden könne, sei eine deutliche Verbesserung zum vergangenen Lockdown im Frühjahr.

„Wie es in der Weihnachtszeit weitergehen wird, können wir noch nicht genau sagen. Besucheranmeldungen für Dezember gibt es aber bereits, und die Weihnachtsfeiern werden ohne Angehörige und etagenweise stattfinden müssen“, erläutert Axel Hofsäß.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7687806?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F
Kurz vor dem Kontrollverlust
Mit Megafonen wiesen Ordnungsamtsmitarbeiter die Schnäppchenjäger darauf hin, dass die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sind.
Nachrichten-Ticker