Heimatmuseum Löhne rettet Modell vor der Entsorgung – Restaurierung erfordert großes Fingerspitzengefühl
Eine mittelalterliche Stadt im Miniaturformat

Löhne -

Das war knapp. Im letzten Moment ist das große Modell einer mittelalterlichen Stadt vor der Entsorgung gerettet worden. Es wurde auf dem Dachboden der Erich-Kästner-Grundschule in Bünde gefunden. Dort war zuvor die Volkshochschule untergebracht. Als Bauherr gilt Friedrich Korfsmeyer. Das Modell war mit seinem Namen signiert. Derzeit ist das Heimatmuseum Löhne mit der Aufgabe betraut, die vielen Gebäude zusammenzusetzen und zu restaurieren.

Montag, 30.11.2020, 17:48 Uhr aktualisiert: 30.11.2020, 18:02 Uhr
Jörg Militzer aus Bünde, Sonja Voss, Leiterin des Heimatmuseums Löhne, und Elizabeth Petzhold, Museumsführerin aus Herford, freuen sich über das gerettete Schulmodell einer mittelalterlichen Stadt. Die Restaurierung und Zusammensetzung ist derzeit eine der Hauptaufgaben im Heimatmuseum in Löhne.
Jörg Militzer aus Bünde, Sonja Voss, Leiterin des Heimatmuseums Löhne, und Elizabeth Petzhold, Museumsführerin aus Herford, freuen sich über das gerettete Schulmodell einer mittelalterlichen Stadt. Die Restaurierung und Zusammensetzung ist derzeit eine der Hauptaufgaben im Heimatmuseum in Löhne. Foto: Natalie Lydia Meyer

„Es ist wie ein riesiges Puzzle. Einige Stücke sind zum Glück beschriftet. Es würde uns aber sehr helfen, wenn Zeitzeugen sich an das Modell erinnerten oder es Fotos gäbe, auf denen das Modell aufgebaut zu sehen ist“, meinte Sonja Voss, Leiterin des Löhner Heimatmuseums. Wer Hinweise geben kann, kann sich unter Telefon 01520/9013636 oder per E-Mail an so.voss@loehne.de melden.

Im Jahr 1957 soll das Modell in einer Schule in Herford ausgestellt worden sein. Wie es danach nach Bünde kam, ist bisher ungeklärt. Auf dem Dachboden der Schule geriet es in Vergessenheit – bis zur Sanierung. Einige Teile des Modells behielt die Schule. Doch das Gesamtobjekt war zu groß, um es dauerhaft dort einzulagern.

Schließlich berichtete Hans-Walter Becker aus Bünde bei Facebook über die bevorstehende Entsorgung. Jörg Militzer, geschichtsinteressierter Bürger, las den Bericht und verhinderte die Entsorgung. Er arrangierte die Unterbringung im Heimatmuseum Löhne.

„Das Modell ist so groß, dass es nicht einfach war, es in einem Museum unterzubringen. Um so mehr freut es mich, dass es jetzt einen Platz im Heimatmuseum findet“, sagte Jörg Militzer. Sonja Voss hat das Modell von der Schule abgeholt. Insgesamt war es in 17 Umzugskartons verpackt. „Die Mulde stand schon auf dem Schulgelände. Es war gerade noch rechtzeitig. Die Dachdeckerfirma hat mir zum Glück geholfen, die Kisten vom Dachboden herunterzubringen“, sagte Sonja Voss.

Nach den Recherchen von Jörg Militzer war Friedrich Korfsmeyer Lehrer für Werkunterricht und leidenschaftlicher Modellbauer. In der Universität Münster steht ein Modell über das römische Zeitalter, das er ebenfalls gebaut hat. „Das zeigt die Qualität des Modells von Friedrich Korfsmeyer. Es ist detailgetreu und entspricht der damaligen Zeit“, sagte Jörg Militzer.

Nicht alle Details des Modells seien historisch korrekt, aber eine Vielzahl. Sonja Voss: „Außerdem steht auch der didaktische Aspekt im Vordergrund. Die Gebäude gibt es in verschiedenen Maßstäben. So gebe es zum Beispiel Vorzeigemodelle, wo die Bauart eines bestimmten Daches im Vordergrund steht und dementsprechend im Verhältnis zum Haus größer dargestellt wird.“ Der Bau des Modells wurde von Friedrich Korfsmeyer wahrscheinlich bereits in den 1920er Jahren angefangen. „Die ersten Modelle sind aus Papier und einfacher Pappe. Mit der Zeit hat er die Dächer durch verschiedenes Material verstärkt. Und auch die Bemalungen sind detaillierter“, erläuterte Sonja Voss.

Das verwendete Material ist bunt gemischt. Von Zigarrenkisten über Lebensmittelverpackungen bis hin zu Dosen wurde alles genutzt. „Material war knapp. Es wurde verwendet, was da war“, betonte Jörg Militzer. Vor dem Auspacken im Museum wurden alle Exponate gereinigt, um sie von möglichen Keimen oder Pilzen zu befreien.

Der Modellbauer Friedrich Korfsmeyer verstarb in den 1960er Jahren. Von dessen Tochter erfuhr Jörg Millitzer, dass ihr Vater über viele Jahre an dem Modell gearbeitet habe. Sie sei erleichtert, dass es jetzt einen berechtigen Platz in der Sammlung eines Museums erhalte. Das Heimatmuseum Löhne freut sich laut Sonja Voss ebenfalls über das neue Exponat und hofft, es bald Schulklassen zeigen zu dürfen, um die Entwicklung von Städten zu zeigen.

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