Die Mitarbeiter des Löhner Ordnungsamtes überprüfen Tag und Nacht, dass die Corona-Regeln eingehalten werden – mit Fotostrecke
Alles unter Kontrolle

Löhne -

Nerviger Nieselregen, tiefe Temperatur. Es ist ein jämmerlicher Januarabend im Löhner Lockdown. Da bleibt man eh lieber zu Hause. Andere arbeiten aber. Draußen. Für uns alle, für das Gemeinwohl. Die Mitarbeiter des Löhner Ordnungsamtes kon­trollieren die Einhaltung der Corona-Regeln. Ihr Job ist nicht immer einfach.

Samstag, 16.01.2021, 17:02 Uhr aktualisiert: 17.01.2021, 21:22 Uhr
Gegen 20 Uhr ist am Einkaufszentrum in Mennighüffen nicht mehr viel los. Ordnungsamtsleiter Paul Urban (Mitte) und die Mitarbeiter Marc Finke (links) und Tahsin Kaval haben diesmal weder auf dem Parkplatz noch in den Märkten etwas zu beanstanden.
Gegen 20 Uhr ist am Einkaufszentrum in Mennighüffen nicht mehr viel los. Ordnungsamtsleiter Paul Urban (Mitte) und die Mitarbeiter Marc Finke (links) und Tahsin Kaval haben diesmal weder auf dem Parkplatz noch in den Märkten etwas zu beanstanden. Foto: Dominik Rose

Tahsin Kaval und Marc Finke kommen soeben von einer Kontrolle aus Obernbeck zurück. Am Rathaus treffen die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes ihren Chef Paul Urban und berichten von einem außergewöhnlichen Vorfall: Nachbarn hatten die Polizei darüber informiert, dass in einem Imbiss gegen die Corona-Regeln verstoßen werde. Die Nachricht wurde direkt an das Einsatzteam der Stadt Löhne weitergegeben. Die Männer sind sofort losgefahren

„Als wir dort eintrafen, haben drei Leute in dem Imbiss einen Geburtstag gefeiert“, sagt Tahsin Kaval. Bei der kleinen Privatparty der Feiernden, die aus drei Haushalten kamen, wurden auch keine Masken getragen und die Mindestabstände nicht eingehalten. „Das wird teuer“, meint Paul Urban – nicht nur für die Teilnehmer der Geburtstagsfeier. Auch der Imbissbetreiber, der das Ganze nicht unterbunden hat, muss sich verantworten. Für den Gastwirt könnte das Zulassen dieser Feier ein Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro nach sich ziehen.

Die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben die Verstöße registriert und die Personalien aufgenommen. In der Folge wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. „Nach so vielen Monaten müsste doch wirklich jeder kapiert haben, dass solch eine Feier gar nicht geht“, kommentiert Paul Urban den Vorfall.

Das sind die Teams

Vier Zweierteams des Löhner Ordnungsamtes sind – außer sonntags – täglich in verschiedenen Schichten im Stadtgebiet unterwegs, um die Einhaltung der Coronaschutzverordnung zu kontrollieren. Es sind Frauen und Männer im Einsatz. Zwei Gruppen arbeiten von 7 bis 16 Uhr. Von 8.30 bis 17 Uhr überprüft ein weiteres Team verschiedene Orte in Löhne.

Alles unter Kontrolle

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  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Einsatzwagen des Ordnungsamtes Löhne bei McDonald's

    Foto: Dominik Rose
  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Überprüfung Imbiss City Döner, Mitarbeiter Emre Bayata (von links), Zana Daoud

    Foto: Dominik Rose
  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Marc Finke (von links, alle Ordnungsamt der Stadt Löhne), Ordnungsamtsleiter Paul Urban, Tahsin Kaval im Bahnhofstunnel Löhne, Bahnhof Löhne

    Foto: Dominik Rose
  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Marc Finke (von links, alle Ordnungsamt der Stadt Löhne), Ordnungsamtsleiter Paul Urban, Tahsin Kaval auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums in Mennighüffen (Aldi, Rosssmann, Edeka etc.)

    Foto: Dominik Rose
  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Edeka Brinkmann in Mennighüffen, neue Trennschutzwände, Edeka-Mitarbeiterin Sandra Brockschmidt

    Foto: Dominik Rose
  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Edeka Brinkmann in Mennighüffen, neue Trennschutzwände, Edeka-Mitarbeiterin Sandra Brockschmidt

    Foto: Dominik Rose
  • Kontrolltour mit dem Löhner Ordnungsamt in der Corona-Pandemie, 13. Januar 2021, Löhne: Edeka Brinkmann in Mennighüffen (von links) Marc Finke (Ordnungsamt), stellvertretender Edeka-Marktleiter Pascal Uhlmann, Edeka-Mitarbeiterin Martina Heinemann, Tahsin Kaval (Ordnungsamt), Ordnungsamtsleiter Paul Urban (Stadt Löhne)

    Foto: Dominik Rose

Die Spätschicht ist von 14.30 bis 23 Uhr tätig – in dieser Woche haben Marc Finke und Tahsin Kaval die Aufgabe, vom frühen Nachmittag bis in die Abendstunden auf Kontrolltour zu sein. Feste Routen gibt es nicht. An den Wochenenden ist auch ein privater Sicherheitsdienst von der Stadt mit der Überwachung beauftragt. Stellt dieser Verstöße fest, wird die Polizei benachrichtigt.

„Jeder Tag bei uns ist anders. Man weiß nie, was kommt, was einen erwartet“, sagt Marc Finke. Das mache seine Arbeit aber auch reiz- und anspruchsvoll, findet der 40-Jährige, der seit zwei Monaten zum Team des Ordnungsamtes gehört.

Sein Kollege Tahsin Kaval nickt. „Viele Bürger sprechen uns an, wenn wir unterwegs sind und bedanken sich sogar bei uns“, freut sich der 38-Jährige. Er ist auch erst seit drei Monaten Mitglied der Kontrolleinheit. „Sie machen ihre Arbeit aber, als wären sie schon ewig dabei“, sagt Ordnungsamtsleiter Paul Urban voller Respekt.

Nicht alle sind nett

Das klingt alles gut. Doch es gibt auch unangenehme Begegnungen. Mitunter werden manche Löhner bei den Kontrollen aggressiv, manchmal ausfallend. In seltenen Fällen gibt es sogar Rempeleien. „Dann rufen wir natürlich sofort die Polizei hinzu“, berichtet Tahsin Kaval.

Es gebe eine gute und enge Zusammenarbeit mit der Polizei, fügt Paul Urban hinzu. Der enge Austausch, den das Ordnungsamt auch lange vor der Corona-Pandemie schon mit der Wache in Löhne gepflegt habe, mache sich in diesen Zeiten erst recht bezahlt.

„Unsere Mitarbeiter werden ständig geschult, damit sie im Außendienst so gut wie möglich vorbereitet sind“, sagt Paul Urban. Angesichts ständiger Neuerungen und Änderungen der Regeln ist es beileibe nicht einfach, den Überblick zu behalten und die Teams passend zu instruieren.

Kommt es zu Konfrontationen, wird stets deeskalierend gearbeitet. „Nur einer von uns spricht eine Person an. Der andere beobachtet und passt auf“, erklärt Marc Finke. Meistens funktioniert dieses Vorgehen.

Was wird kontrolliert?

Die Teams fahren zu Supermärkten und Einkaufszentren. Dort schauen sie sogleich auf den Parkplätzen nach: Trägt jeder eine Maske? Sind überall Schilder und Hinweise angebracht? Werden die Mindestabstände eingehalten?

Bei ihrem Besuch im Edeka Brinkmann in Mennighüffen fallen den Kontrolleuren direkt die neuen Schutzwände im Kassenbereich auf. „Die sind heute gekommen“, berichtet Marktmitarbeiterin Sandra Brockschmidt. „Das ist vorbildlich, echt super“, lobt Paul Urban im Gespräch mit dem stellvertretendem Marktleiter Pascal Uhlmann.

Doch es gibt in Löhne viel mehr zu kontrollieren: Spielplätze und -hallen, Gastronomie (Abholservice), Sportstudios, Tankstellen, Reitställe, Hundeschulen, Einzelhandel, öffentliche Verkehrsmittel, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Bei ihren Fahrten durch die Stadt gucken die Ordnungsamtsmitarbeiter auch danach, ob irgendwo zu viele Menschen gemeinsam unterwegs sind.

„Wir sind nicht als Kassierer unterwegs, sondern als Dienstleister. Zuerst wollen wir aufklären und informieren, damit wir alle gemeinsam so gut wie möglich durch die Pandemie kommen“, erklärt Tahsin Kaval. Bei Verstößen wird natürlich unmittelbar gehandelt.

Verstoß wird geahndet

Das gilt auch im Falle eines jungen Mannes, den Marc Finke und Tahsin Kaval an diesem Abend auf einem Bahnsteig des Löhner Bahnhofs antreffen. Er hat zum Rauchen seine Maske abgesetzt. Ein eindeutiger Verstoß gegen die Regeln.

Das Team weist ihn freundlich, aber bestimmt auf das Fehlverhalten hin. Dann werden die Personalien aufgenommen. Es wird wohl eine besonders teure Zigarette werden: Für das Absetzen der Maske gilt laut Paul Urban derzeit ein Bußgeld von 150 Euro.

Ohne Fehl und Tadel

Als das Überwachungsteam den Bahnhof verlässt, deuten Tahsin Kaval und Marc Finke auf den Imbiss „City Döner“ auf der anderen Straßenseite. „Die machen einen super Job und haben alle Vorgaben von Anfang an sehr, sehr gut umgesetzt. Das haben sich sogar andere Betreiber hier vor Ort angeschaut“, sagt Tahsin Kaval.

Lob spielt bei der Arbeit des Ordnungsamtes eine große Rolle. „Wenn uns etwas Positives auffällt, dann sprechen wir das natürlich auch direkt an“, ergänzt Marc Finke. Schließlich seien die Kon­trolleure ja nicht die „Nörgler und Besserwisser vom Dienst“.

Es ist öd, still und leer

Das Team fährt weiter. Kreuz und quer geht es mit dem Dienstwagen des Ordnungsamtes, der optisch ganz bewusst einem Polizeiwagen ähnelt, aber kein Blaulicht hat, weiter durch Löhne. Auf den Straßen ist nicht viel los, auf den Gehwegen schon gar nicht. „Das Wetter und die Jahreszeit machen unsere Aufgabe derzeit ein bisschen einfacher als im Frühjahr oder Sommer“, gesteht Paul Urban. Hinzu komme, dass die meisten Bürger die Regeln mittlerweile verinnerlicht hätten.

Auch an beliebten „Sammelstellen“ von Jugendlichen ist an diesem Abend niemand zu sehen. Es ist eine eher ruhige Schicht. „Das kann sich aber schnell ändern“, sagt Tahsin Kaval. Oft ruft die Polizei bei den Teams an und weist auf Orte hin, an denen sie direkt nach dem Rechten sehen sollen.

Ein teures Menü

Die nächste Kontrolle ist bei McDonald‘s an der Ringstraße. Am Drive-In-Schalter und drinnen ist alles in Ordnung. Aber auf dem Parkplatz essen zwei junge Leute ihre Burger im Auto. Da der Außer-Haus-Verzehr im Umkreis von 50 Metern jedoch nicht erlaubt ist, dürfte dieses Menü besonders kostspielig werden. „Da sind dann 100 Euro Bußgeld fällig“, sagt Paul Urban.

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