Prozess wegen Versicherungsbetrugs hat am Landgericht Bielefeld begonnen
Familienclan soll eigenes Haus in Brand gesetzt haben

Rödinghausen/Bielefeld (WB). Vor dem Landgericht Bielefeld hat am Dienstag der Prozess gegen sechs Mitglieder eines Familienclans aus Rödinghausen begonnen. Die Angeklagten sollen Weihnachten 2011 ihr Haus in die Luft gesprengt haben, um Geld von der Versicherung zu kassieren.

Mittwoch, 30.09.2015, 07:59 Uhr aktualisiert: 30.09.2015, 12:28 Uhr
Prozess wegen Versicherungsbetrugs hat am Landgericht Bielefeld begonnen : Familienclan soll eigenes Haus in Brand gesetzt haben
Sechs Mitglieder einer Familie aus Rödinghausen müssen sich wegen des Verdachts der besonders schweren Brandstiftung vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Foto: Kathrin Brinkmann

Ursprünglich waren 30 Verhandlungstage angesetzt, jetzt könnten es mehr als 240 werden, denn einer der Angeklagten ist laut Attest psychisch krank und daher nur eine Stunde am Stück verhandlungsfähig.

Dolmetscher vonnöten

»Das ist eine Katastrophe. Wenn man das mal ausrechnet, kann der Prozess sich bis zum Urteil nun über eineinhalb Jahre hinziehen. Und das ist schon optimistisch gerechnet«, sagte einer der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Detlev Binder, gegenüber dieser Zeitung.
Unklar blieb am ersten Verhandlungstag, ob der 41-jährige Angeklagte bei besserer Dosierung seiner Medikamente eventuell doch längere Verhandlungstermine verkraften kann. Sein Verteidiger Andreas Steffen erklärte, dass der behandelnde Arzt im Urlaub sei und daher derzeit keine Aussage zu dieser Frage machen könne.

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Bei der Explosion wurde das Haus des Familienclans Weihnachten 2011 zerstört. Das Inventar sollen die Angeklagten zudem aus dem Gebäude geschafft haben. Foto: Annika Tismer

Als der Vorsitzende Richter Jan Schulz die Personalien der Angeklagten feststellte, ergaben sich sprachliche Probleme, so dass entschieden wurde, für die weiteren Prozesstage, bei denen es um tiefere Details gehen soll, Dolmetscher hinzuzuziehen.

Probleme gab es auch, was einige Zeugen anging. Ein Zeuge soll laut Vorsitzendem Richter darum gebeten haben, nicht gegen seine Exfrau aussagen zu müssen. Eine andere Zeugin leide unter einer psychischen Erkrankung und habe panische Angst vor Behörden und der Polizei. Ihre Bitte, nicht aussagen zu müssen, lehnte der Vorsitzende Richter dennoch ab. Genau wie die Bitte einer anderen Zeugin, die den weiten Weg zum Gericht nur ungern in Kauf nehmen wollte.

Hausrat aus dem Gebäude geschafft?

Danach verlasen die Staatsanwälte Anja Lausten und Jannis Pohl die Anklageschrift. Allen sechs Angeklagten wird besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen. Weihnachten 2011 soll der Familienclan die Explosion des eigenen Hauses willentlich verursacht haben. Den Hausrat soll der Clan, der mit 16 Personen in dem Haus wohnte, vorher aus dem Gebäude geschafft haben.

Dennoch sollen die Rödinghauser auf der Schadensliste für die Versicherung das zuvor beiseite geschaffte Inventar angegeben haben. Die Westfälische Provinzial leistete der Familie daraufhin Vorschusszahlungen in Höhe von insgesamt 36.500 Euro. Zu weiteren Auszahlungen soll es nach einer Sachprüfung des Versicherers nicht mehr gekommen sein, da ein Sachverständiger feststellte, dass die Brandreste nicht mit den eingereichten Schadenslisten in Einklang zu bringen waren.

Angeklagten äußern sich nicht zur Sache

Einzelnen Mitgliedern des Clans wurden weitere Straftaten zur Last gelegt. So soll ein 43-Jähriger einem Mann in Enger mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass dieser eine Platzwunde erlitt. Zwei Clanmitglieder (41 und 46) sollen zudem im Jahr 2008 im Zuge eines Insolvenzverfahrens ihrer Firma Insolvenzmasse in Form von Werkzeug zur Seite geschafft haben. Zudem sollen beide Ware im Wert von insgesamt mehr als 80.000 Euro bestellt und nicht bezahlt haben.

Alle Angeklagten ließen über ihre Anwälte erklären, dass sie sich nicht zur Sache äußern werden. Danach wurde die Verhandlung mit Rücksicht auf die psychische Erkrankung des 41-jährigen Angeklagten unterbrochen und nach einer langen Pause testweise am Nachmittag für kurze Zeit fortgesetzt. Nach kurzer Vernehmung des ersten Zeugen musste die Verhandlung jedoch mit Rücksicht auf den Angeklagten abgebrochen werden. Der nächste Verhandlungstermin beginnt am Freitag um 9.30 Uhr.

AZ 9KLs - 32 Js 120/09 - 4/14

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