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Di., 06.10.2015

Syrer und Afghanen geraten aneinander – Hetzparolen in Hunnebrock Schlägerei in Notunterkunft

An der Essensausgabe sind am Sonntagmittag junge Afghanen und Syrer aneinander geraten. Mit mehreren Streifenwagenbesatzungen, auch aus Minden und Lübbecke, musste die Polizei eingreifen, um eine Massenschlägerei zu verhindern.

An der Essensausgabe sind am Sonntagmittag junge Afghanen und Syrer aneinander geraten. Mit mehreren Streifenwagenbesatzungen, auch aus Minden und Lübbecke, musste die Polizei eingreifen, um eine Massenschlägerei zu verhindern. Foto: Daniel Salmon

Von Rainer Grotjohann

Bünde/Rödinghausen (WB). Mit einem Großeinsatz hat die Polizei am Sonntagmittag eine Auseinandersetzung zwischen jungen Syrern und Afghanen  in der Notunterkunft in Rödinghausen beendet. An der Carl-Severing-Straße in Hunnebrock sind indes Aufkleber mit rechtsradikalen Parolen entdeckt worden. 

Nach Informationen dieser Zeitung hat der im Jugendgästehaus in Rödinghausen eingesetzte Sicherheitsdienst am Sonntag gegen 14 Uhr die Polizei alarmiert, als dessen Mitarbeiter einen eskalierenden Streit zwischen den beiden Ethnien nicht in den Griff bekamen. Aus nichtigem Anlass soll es im Bereich der Essensausgabe zu einer Schlägerei zwischen einem 18-Jährigen aus Syrien und einem gleichaltrigen Afghanen gekommen sein, bei der der Mann aus Afghanistan leichte Verletzungen davontrug. Danach drohte eine Massenschlägerei. Es sei jedoch »überwiegend bei verbalen Auseinandersetzungen« geblieben, erklärte Polizeisprecher Michael Albrecht auf Anfrage dieser Zeitung.

Als die erste Streifenwagenbesatzung auftauchte, soll sie von den aggressiven Kontrahentengruppen mit Sprechchören empfangen worden sein, woraufhin sich die beiden Beamten zunächst zurückzogen, bis Verstärkung eintraf. Das wollte Michael Albrecht nicht bestätigen. Er erklärte jedoch, dass Verstärkungen aus Minden und Lübbecke nach Rödinghausen beordert worden seien, um die Situation in den Griff zu bekommen. Wie lange es gedauert habe, bis die Kollegen aus dem Nachbarkreis eintrafen, dazu wollte sich der Polizeisprecher nicht äußern. Die Ermittlungen gegen die Kontrahenten seien noch nicht abgeschlossen. Die mutmaßlich an der Schlägerei Beteiligten sind noch am Sonntagnachmittag in andere Flüchtlingsnotunterkünfte in Nordrhein-Westfalen gebracht worden. 

Wie erst jetzt bekannt wurde, sind bereits am 28. oder 29. September an mindestens acht leerstehenden Häusern an der Carl-Severing-Straße in Hunnebrock Aufkleber mit ausländerfeindlichen Parolen entdeckt worden. Ein Bediensteter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) hatte nach Informationen der BÜNDER ZEITUNG an diesem Tag die ehemaligen Briten-Wohnungen, die mit Flüchtlingen belegt werden sollen, an die Stadt übergeben wollen. Dabei wurden schwarze Aufkleber mit gelber Schrift entdeckt. Darauf stand »Stay back or we will kick you back« (etwa: »Bleibt weg oder wir treten euch heim«) und »Islamisten not welcome«. Der BIMA-Mitarbeiter teilte seine Beobachtungen der Bünder Polizei mit. Die hatte Schwierigkeiten, die Parolen von Fensterscheiben und Fassaden zu kratzen, offensichtlich hatten die Täter einen Spezialkleber benutzt.

Polizeisprecher Michael Albrecht bestätigte den Sachverhalt. Wegen des offensichtlich fremdenfeindlichen Hintergrundes habe der Staatsschutzin Bielefeld die Ermittlungen übernommen. Mit den verdächtigen Stickern, die vor knapp einer Woche am Rödinghauser Haus des Gastes gefunden worden waren, habe der Vorfall in Bünde jedoch definitiv nichts zu tun.

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