Prozess um Haus-Explosion: Staatsanwaltschaft stellt Antrag – Versicherungsmitarbeiter im Zeugenstand
Bald eine Angeklagte weniger?

Rödinghausen/Bielefeld (WB). Im Mammutprozess gegen sechs Mitglieder eines Rödinghauser Familien-Clans könnte sich die Zahl der Angeklagten bald reduzieren. Denn die Staatsanwaltschaft hat jetzt beantragt, das Verfahren gegen eine der Beschuldigten einzustellen.

Mittwoch, 10.02.2016, 17:49 Uhr aktualisiert: 10.02.2016, 20:15 Uhr
Prozess um Haus-Explosion: Staatsanwaltschaft stellt Antrag – Versicherungsmitarbeiter im Zeugenstand : Bald eine Angeklagte weniger?
2011 flog das Haus an der Parkstraße in die Luft. Foto: WB

 Nachdem das Verfahren in der vergangenen Woche zu platzen drohte, weil zwei Familienmitglieder nicht vor Gericht erschienen waren, wurde die Verhandlung vor der 9. großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts am Dienstag regulär fortgesetzt.

Den Angeklagten wird unter anderem vorgeworfen,  Weihnachten 2011 ihr Haus in der Parkstraße in Rödinghausen in die Luft gejagt zur haben, um die Versicherungssumme zu kassieren.

Verurteilung gegen eine Frau bereits 2012

Doch das alles könnte für eine Beschuldigte schon bald keine Rolle mehr spielen, sollte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgen und das Verfahren gegen die Frau einstellen. Denn dies könne im Hinblick auf eine Verurteilung geschehen, die das Bünder Amtsgericht wegen eines anderen Delikts bereits 2012 gegen die Rödinghauserin gefällt hatte.

Denn im Falle einer Verurteilung im aktuellen Prozess würden beide Strafen zusammengefasst. Und das würde sich laut Staatsanwaltschaft nur »unwesentlich« auf die Gesamtstrafe auswirken. Vorsitzender Richter Jan Schulz sagte zu, dass die Kammer am kommenden Verhandlungstag eine Entscheidung in dieser Sache bekannt geben wolle. Rechtsanwalt Thorsten Giesecke regte zudem an, auch über die Einstellung des Verfahrens gegen eine weitere Mandantin nachzudenken.

Zwölf Aktenordner über Versicherungsfall

Während der knapp fünfstündigen Verhandlung wurde am Dienstag zudem ein Mitarbeiter der Versicherung, bei der die Familie mehrere Policen abgeschlossen hatte, in den Zeugenstand gerufen. »Der Versicherungsfall füllt bei uns mittlerweile zwölf Aktenordner«, sagte der 54-Jährige. Er schilderte unter anderem, das die Angeklagten eine Gebäude- und drei Hausratsversicherungen sowie eine Inventarversicherung für die Büroräume eines in dem explodierten Haus untergebrachten Trockenbaubetriebs untergebracht hatten.

Während die Versicherung laut des Mitarbeiters den Gebäudeschaden reguliert und knapp 700.000 Euro überwiesen hatte, blieb es bei den übrigen Versicherungen nur bei Vorauszahlungen in Höhe von insgesamt etwa 36.500 Euro. Denn bei der Begutachtung der Brandstelle durch einen von der Versicherung beauftragten Sachverständigen habe dieser nur relativ wenige Überreste von Möbeln und anderer beweglicher Wertgestände vorgefunden.

Statt des geltend gemachten Versicherungsschadens der Familienmitglieder in Höhe von gut 170.000 Euro habe der Gutachter nur einen Wert von 7700 Euro für die verbrannten Gegenstände ermittelt. Der Verdacht der Versicherung daher: Es befanden sich nicht alle der von der Familien angeführten Wertgegenstände zum Zeitpunkt der Explosion im Haus.

Widersprüche beim ermittelten Hausrat

Die Verteidigung hinterfragte allerdings das Gutachten des Sachverständigen des Versicherers kritisch. Dieser soll den Bauschutt mithilfe eines Unternehmens durchgesiebt haben, um Reste der verbrannten Wertgegenstände zu finden. Laut Verteidigung sei es hierbei allerdings zu Widersprüchen bei der Aufstellung des ermittelten Hausrats gekommen.

Auf Nachfrage des Gerichts, warum die Familie drei Hausratspolicen abgeschlossen habe, räumte der Zeuge ein, dass das tatsächlich eher unüblich sei: »Normalerweise hätte es gereicht, die älteste Versicherung aufzustocken.« Jedoch habe ihm die Vermittlerin der Policen keinen schlüssigen Grund für die drei Abschlüsse nennen können. Der 54-Jährige sagte: »Das ist versicherungstechnisch eine Katastrophe, wie das hier gelaufen ist, aber ich kann es nicht ändern.«

Der Prozess soll am kommenden Montag, 15. Februar, fortgesetzt werden.

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