Gericht stuft neuen Zeugen als nicht glaubwürdig ein – Clan soll 50.000 Euro zahlen
Verfahren vorläufig eingestellt

Rödinghausen(WB). Nach einer spannungsgeladenen Sitzung ist am Freitag das Verfahren gegen Mitglieder eines Familienclans aus Rödinghausen vorläufig eingestellt worden. Durch einen Zeugen, der einen der Angeklagten schwer belastete, sah es zunächst so aus, als ob das gesamte Verfahren vor dem Landgericht Bielefeld eine neue Wendung nehmen könnte.

Freitag, 18.03.2016, 23:28 Uhr aktualisiert: 20.03.2016, 17:57 Uhr
Die Medien verfolgten den Prozess gegen den Rödinghauser Familienclan vor dem Landgericht Bielefeld von Anfang an mit großem Interesse. Hier bringt ein Mitarbeiter die vielen Akten, die für die Verhandlung benötigt wurden, in den Gerichtssaal. Foto: Kathrin Brinkmann
Die Medien verfolgten den Prozess gegen den Rödinghauser Familienclan vor dem Landgericht Bielefeld von Anfang an mit großem Interesse. Hier bringt ein Mitarbeiter die vielen Akten, die für die Verhandlung benötigt wurden, in den Gerichtssaal. Foto: Kathrin Brinkmann

Wie berichtet, mussten sich sechs Mitglieder des Familienclans seit einem halben Jahr vor dem Landgericht Bielefeld verantworten,  weil ihnen vorgeworfen wurde, Weihnachten 2011 ihr Haus in die Luft gesprengt zu haben , um die Versicherungssumme zu kassieren.

»Die Polizei hatte am Freitag auf einmal einen neuen Zeugen aus dem Hut gezaubert, der behauptete, einer der Angeklagten habe ihm gegenüber eingeräumt, sein eigenes Haus in die Luft gesprengt zu haben«, erklärte Verteidiger Dr. Detlev Binder. »Hätte man dem Angeklagten dies nachweisen können, hätte man ganz neu überlegen müssen, ob er die Tat in Absprache mit der Familie begangen hat oder alleine«, sagte Binder.

Zeuge lügt bei Feststellung der Personalien

Allerdings habe der Zeuge, der eine vierjährige Haftstrafe wegen Betruges abgesessen habe und gegen den derzeit ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges anhängig sei, sich bereits bei der Aufnahme seiner Personalien in Widersprüche verwickelt. »Der Mann hat angegeben, Kfz-Mechaniker zu sein und bei einer Firma in Bad Oeynhausen seine Ausbildung absolviert zu haben«, sagte Binder. Nach ein wenig Recherche habe sich herausgestellt, dass dies eine Lüge sei. Das Gericht habe daraufhin entschieden, dass ein Zeuge, der die Richter schon auf eine so belanglose Frage hin ohne Not anlüge, insgesamt nicht glaubwürdig sei. »Meiner Meinung nach wollte der Mann sich durch die Aussage Vorteile in seinem eigenen Verfahren erschleichen und hat daher eine Märchengeschichte erzählt«, so Binder.

»Dem Gericht ist es aufgrund der vorliegenden Fakten unmöglich, nachzuweisen, dass ein bestimmtes Familienmitglied die Tat begangen hat. Gegen zwei Mitglieder der Familie wurde das Verfahren daher ohne Auflagen eingestellt«, sagte Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg. Vier weiteren Clanmitgliedern war angeboten worden, das Strafverfahren gegen Zahlung von insgesamt 50.000 Euro einzustellen. Einem 43-Jährigen war, wie berichtet, die Zahlung von 3500 Euro auferlegt worden. Der Mann hat das Geld inzwischen bezahlt und daher keine Strafverfolgung mehr zu befürchten. Gegen drei weitere Angeklagte ist das Verfahren vorläufig eingestellt worden. Sie erklärten sich bereit, 30.000 Euro, 15.000 Euro beziehungsweise 1500 Euro zu zahlen. Wird das Geld innerhalb von zwei Wochen nicht überwiesen, geht der Prozess am 7. April weiter.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3878374?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2645483%2F
Ein Ende und ein Anfang
Rheda-Wiedenbrück: Eine Luftaufnahme der Tönnies Holding. Foto: Guido Kirchner/dpa
Nachrichten-Ticker