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Do., 15.09.2016

Nach Brand in Gaststätte und Wohnhaus: Familie Müller bangt um berufliche Existenz »Wir wollen unser Leben zurück«

Christian und Angelika Müller vermuten, dass der Schaden an ihrem Wohn- und Geschäftshaus mehr als die zunächst veranschlagten 300 000 Euro beträgt. Für das Paar steht fest, dass jemand das Feuer absichtlich gelegt hat.

Christian und Angelika Müller vermuten, dass der Schaden an ihrem Wohn- und Geschäftshaus mehr als die zunächst veranschlagten 300 000 Euro beträgt. Für das Paar steht fest, dass jemand das Feuer absichtlich gelegt hat. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Rödinghausen(WB). Traurig blickt Angelika Müller auf die Rückseite ihres Wohnhauses. Die Mauern sind verrußt, Fenster herausgeplatzt, Holzelemente verkohlt. Im Gras liegen Reste von geschmolzenem Aluminium. »Wir wollen einfach nur unser Leben zurück«, sagt die 50-Jährige.

Das Feuer, das in der Nacht auf den 25. August auf dem Grundstück an der Bierener Bahnhofstraße wütete , hat den Müllers nicht nur ihr Heim genommen: »Auch unsere berufliche Existenz steht auf dem Spiel.« Denn ›Gelis Grillgaststätte‹ gibt es nicht mehr. »Einrichtung, Elektrogeräte – alles ist kaputt«, ergänzt Christian Müller, der Ehemann der Gastwirtin und Inhaber des Lokals. Alles, was die Flammen nicht vernichtet hatte, wurde vom Löschwasser unbrauchbar gemacht.

Erste Schätzungen gingen seinerzeit von einem Schaden von 300.000 Euro aus, bislang hat die Versicherung nichts gezahlt. »Das wird bestimmt teurer«, mutmaßt Christian Müller. Er ergänzt: »Wir wollen aber weitermachen.« Ob dafür das Brandhaus wieder hergerichtet werden kann, sei aber noch nicht sicher. »Ein Gutachter meinte nur: ›Das rechnet sich nicht‹­«, so der 50-Jährige.

Für die sechs Familienmitglieder und Dackelmischling Jimmy hätte aber alles noch viel schlimmer kommen können, wenn Sohn Florian in seiner Dachgeschosswohnung gegen 1.30 Uhr nicht noch am Computer gesessen hätte. »Ich hab’ gehört als die Rauchmelder auslösten, alle geweckt und die Feuerwehr alarmiert«, erinnert sich der 28-Jährige. Gerade rechtzeitig können sich der junge Mann, seine Eltern, Schwester Yvonne mit ihrem Freund und dem Töchterchen (1) aus dem Haus und auf die andere Straßenseite retten. »Kurz danach stand alles in Flammen«, sagt Florian Müller.

Nachdem die Feuerwehr am nächsten Morgen abgerückt war, kamen die Spezialisten der Kripo. Die Polizei ermittelt derzeit in alle Richtungen. Für die Hausbewohner aber steht fest: Es war Brandstiftung.

»Das fühlt sich für uns an wie ein Mordanschlag«, sagt Familienvater Christian Müller. Denn bereits wenige Wochen zuvor, hatten Unbekannte an Fenster und Türen der Gaststätte Grillanzünder ausgelegt und angesteckt. Zwar gingen diese nach kurzer Zeit von allein wieder aus, beträchtlicher Schaden entstand trotzdem. Christian Müller: »15.000 Euro betrug der Schaden. Die Versicherung hat aber nichts bezahlt, weil es kein offenes Feuer gab.« Die Polizei nahm zudem Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung auf. Erst nach diesem Vorfall hatte die Familie auch wieder die vernetzten Rauchmelder aktiviert – eine lebensrettende Entscheidung, wie sich bald herausstellen sollte. Müller vermutet, dass seinerzeit die selben Täter am Werk waren.

»Sieben Jahre lang haben wir das Haus hergerichtet, waren fast fertig. Und dann kommt ein Idiot und macht uns das alles kaputt«, empört sich der 50-Jährige. Wer etwas gegen die Familie haben könnte, weiß er aber nicht. Ebenso schlimm wie der finanzielle Schaden ist für die Müllers der Verlust zahlreicher persönlicher Gegenstände. »Viele Erinnerungsstücke an meinen verstorbenen Enkel sind im Feuer verloren gegangen. Die kriegen wir niemals zurück«, sagt Angelika Müller. Mittlerweile ist sie gemeinsam mit Ehemann und Sohn Florian in einer Wohnung in Rödinghausen untergekommen. Auch Tochter Yvonne und ihre Familie haben mittlerweile wieder ein Obdach. »Wo das ist, sagen wir nicht. Wir haben Angst, dass der Brandstifter wieder zuschlägt«, so die 50-Jährige.

Wer kann der Polizei Hinweise geben?

»Uns haben wirklich zahlreiche Menschen nach dem Feuer ihre Hilfe angeboten. Freunde, Stammkunden, Nachbarn. Dafür möchten wir uns bedanken«, sagt Gastwirtin Angelika Müller. Noch mehr freuen würden sich die Familie aber über Hinweise von Zeugen, die in der Tatnacht in der Nähe des Wohnhauses und der Gaststätte an der Bahnhofstraße irgendetwas Auffälliges beobachtet haben. »Vielleicht hat jemand in der Nähe ein Fahrzeug gesehen oder Personen, die um das Grundstück geschlichen sind«, hofft die 50-Jährige, für die feststeht, dass es sich bei dem Feuer um Brandstiftung handelte.

Eventuell aber waren die mutmaßlichen Täter schon ein paar Nächte vor dem Brand am 25. August auf dem Grundstück. »Zwei Abende vor dem Feuer, hatte unser Hund Jimmy immer wieder laut gebellt und in Richtung Fenster geknurrt. Er war ganz unruhig. Als ich dann aber mit der Taschenlampe im Garten war, um nachzuschauen, habe ich nichts entdecken können«, sagt Christian Müller, dem dieser Vorfall im Nachhinein schon komisch vorkommt.

Sachdienliche Hinweise zu dem Brand nimmt die Polizei in Herford unter Telefon 05221/8880 entgegen.

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