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Mi., 09.11.2016

Rödinghauserin verschickt »Schmetterlingspost« an Familien Post soll trauernden Eltern Mut machen

Die Weihnachtspost stapelt sich im Wohnzimmer von Janine Schneider-Rohner. Sie verschickt zum Beispiel Kissenbezüge oder Bauchwärmer für Mütter von Regenbogen-Kindern – also Babys, die nach einem tot geborenen Kind zur Welt kommen.

Die Weihnachtspost stapelt sich im Wohnzimmer von Janine Schneider-Rohner. Sie verschickt zum Beispiel Kissenbezüge oder Bauchwärmer für Mütter von Regenbogen-Kindern – also Babys, die nach einem tot geborenen Kind zur Welt kommen. Foto: Kathrin Heeren

Von Kathrin Heeren

Rödinghausen (WB). Die Geschichte vom kleinen Mats, der wegen eines Herzfehlers nur sieben Wochen alt wurde, hat Janine Schneider-Rohner einfach nicht mehr losgelassen. Der Tod des Säuglings führte dazu, dass die Rödinghauserin das Projekt »Schmetterlingspost« ins Leben rief.

»Ich kannte Mats Mutter damals nur flüchtig, habe aber so mitgefühlt, dass ich unbedingt irgendwie helfen wollte. Da habe ich der Mutter spontan ein Namenskissen  genäht«, sagt die 30-Jährige. Das Geschenk berührte die trauernde Mutter so sehr, dass Janine Schneider-Rohner entschloss, auch anderen Trauernden helfen zu wollen. »Das war der Auftakt für die Schmetterlingspost«, sagt die zweifache Mutter. Die Idee sei ganz einfach. »Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern verschicke ich kleine Aufmerksamkeiten an Familien, deren Leben durch Todesfälle und andere Schicksalsschläge aus den Fugen geraten ist. Wir zeigen den Familien so, dass sie nicht allein sind«, sagt Janine Schneider-Rohner.

Gerade Eltern, deren Kind gestorben sei, hätten oft das Problem, dass über das tote Kind nicht mehr gesprochen werde. »Der Name wird von der Umgebung als Tabu angesehen. Selbst engste Angehörige haben oft kein Verständnis dafür, dass Eltern die Erinnerung durch Gespräche lebendig halten wollen.«

Viele Trauernde seien daher erleichtert, wenn eine fremde Person bereit sei, sich die Geschichte immer wieder anzuhören. »Viele wollen einfach nur jemanden, der zuhört«, hat Janine Schneider-Rohner erkannt. Genau das macht sie. Und noch mehr. Im Zuge der »Schmetterlingspost« verschickt sie zusammen mit einem Team Ehrenamtlicher Briefe zum Geburts- oder Todestag des Kindes sowie zu Weihnachten an die Eltern. »So soll an die verstorbenen Kinder erinnert und der Familie Mut gemacht werden.«

250 Familien haben sich bei der Schmetterlingspost bereits angemeldet. »Wir verschicken Briefe nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach Holland, Belgien, Frankreich, in die Schweiz oder nach Österreich«, sagt die Rödinghauserin.

Die Schicksale der Familien gehen der zweifachen Mutter sehr nahe. »Vor allem die Geschichte einer Frau, die in der 40. Woche schwanger war, jeden Moment mit der Geburt ihres neuen Baby rechnete und mit ihrer kleinen Tochter zum Frauenarzt ging, als auf einmal bei dem Ungeborenen kein Herzschlag mehr feststellbar war, hat mich sehr geschockt«, sagt sie. Auch 20 Familien mit behinderten Kindern erhalten regelmäßig Schmetterlingspost. »Diesen Kindern schreiben wir und basteln kleine Geschenke, damit sie keine Ausgrenzung, sondern Aufmerksamkeit erfahren.«

Auch Willkommenspakete für Regenbogenbabys werden verschickt. »Das sind Babys, die nach einem Sternenkind – also nach einem tot geborenen Kind – zur Welt kommen«, erklärt Janine Schneider-Rohner.

Sie und ihre Helfer haben Kuschelkissen, Schutzengel, Schnullerketten und Dekostücke für die Familien entworfen und gebastelt. »Wir freuen uns über jeden Helfer, der mit basteln und Post verschicken möchte. Allerdings hatten wir auch schon Ehrenamtliche, die nach kurzer Zeit wieder aufgehört haben, weil ihnen die Schicksale zu nahe gingen«, so die Rödinghauserin. Auch Spenden für Briefmarken oder Bastelmaterialien sowie Sachspenden sind willkommen.

Gerade erst wurde die »Schmetterlingspost« vom Drogeriemarkt dm mit dem »HelferHerzen-Award« 2016 ausgezeichnet. »Wir haben ein Preisgeld von 1000 Euro bekommen. Das hilft uns sehr, unsere Arbeit ehrenamtlich fortführen zu können.«

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich im Internet unter www.schmetterlingspost.de informieren oder sich an schmetterlingspost-mail@web.de wenden.

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