Nach Brand: Christian und Angelika Müller wollen im September neuen Imbiss eröffnen
»Wir machen weiter«

Rödinghausen (WB). Ein gelegtes Feuer raubte den Müllers ihre berufliche Existenz – und fast ihr Leben. Im vergangenen Sommer brannten Wohnhaus und Imbiss der Familie aus. Ein möglicher Brandstifter wurde nie ermittelt. Nun wagen sie den Neuanfang. »Wir machen weiter«, sagt Christian Müller.

Samstag, 08.04.2017, 08:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2017, 19:52 Uhr
»Wir standen kurz vor der Privatinsolvenz, sagt Christian Müller. Nachdem die Versicherung nun gezahlt hat, wagt er mit seiner Frau Angelika einen Neuanfang. Das alte Haus soll abgerissen werden, an gleicher Stelle soll ein neuer Imbiss entstehen. Foto: Daniel Salmon
»Wir standen kurz vor der Privatinsolvenz, sagt Christian Müller. Nachdem die Versicherung nun gezahlt hat, wagt er mit seiner Frau Angelika einen Neuanfang. Das alte Haus soll abgerissen werden, an gleicher Stelle soll ein neuer Imbiss entstehen. Foto: Daniel Salmon

Auch Monate nach dem Feuer, das in der Nacht auf den 25. August 2016 auf dem Grundstück an der Rödinghauser Bahnhofstraße wütete, wabert noch immer ein ätzender Geruch nach Rauch, verkohltem Holz und Plastik durch die Räume von »Gelis Grillgaststätte«. »Am Morgen nach dem Brand standen wir quasi auf der Straße. Wir konnten zum Glück in einer Wohnung von Bekannten unterkommen. Viele Leute haben uns unterstützt. Dafür sagen wir Danke«, sagt Christian Müller. Erste Schätzungen gingen damals von einer Schadenshöhe von 300.000 Euro aus: »Schlussendlich waren es aber knapp eine Million Euro für Gebäude und Hausrat.«

Versicherung hat gezahlt

Erst vor zwei Wochen hat die Versicherung der Familie den Schaden zu einem Großteil reguliert. »Das wurde Zeit. Wir standen kurz vor der Privatinsolvenz«, sagt der 50-Jährige. Allerdings: Das alte Gebäude soll nicht wieder hergerichtet werden: »Der Bereich, in dem der Imbiss war, ist einsturzgefährdet. Wir lassen alles abreißen, waren deshalb auch schon beim Bauamt und haben einen Antrag gestellt.«Die Müllers wollen auf dem Grundstück eine neue Gaststätte errichten lassen. »Ein einfaches Gebäude, 140 Quadratmeter groß. Wenn alles nach Plan läuft, wollen wir im September neu eröffnen. Der neue Laden soll ›Gelis Essbar‹ heißen«, sagt Angelika Müller (51). Den selben Namen sollte im vergangenen Jahr auch der alte Imbiss erhalten – bis das Feuer diesen Plan zunichte machte.

Wie spätere Ermittlungen ergaben, soll der Brand damals gegen 1.30 Uhr an einem Unterstand hinter dem Gebäude ausgebrochen sein. Zu diesem Zeitpunkt schliefen Christian und Angelika Müller, Tochter Yvonne, deren Lebensgefährte und das gemeinsame Töchterchen (1) bereits tief und fest. Nur Sohn Florian (28) saß noch am Computer – zum Glück. Er hörte, wie ein Rauchmelder auslöste, weckte seine Familie – rettete ihr somit wohl das Leben – und alarmierte die Feuerwehr. Tags darauf gab es »Gelis Grillgaststätte« nicht mehr, auch ein Teil des angrenzenden Wohnhauses war ausgebrannt.

Ermittlungen eingestellt

Die Polizei ermittelte in alle Richtungen. Die Müllers vermuteten Brandstiftung, setzten eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro aus, baten in einem TV-Beitrag um Hinweise auf einen möglichen Täter – ohne Erfolg. »Zwischenzeitlich hatte die Kripo sogar unseren Sohn in Verdacht, konnte ihm aber natürlich nichts nachweisen«, sagt Christian Müller. Am 13. Dezember stellte die Staatsanwaltschaft das gesamte Verfahren dann schließlich ein.

Viermal sei bei den Müllers in den vergangenen Jahren Feuer gelegt worden, sagt Familienvater Christian: »Das erste Mal am Standort unseres alten Imbisses an der Bahnhofstraße 65. Das war im Januar 2009. Jemand versuchte, das Vordach anzuzünden.« Im Sommer desselben Jahres brannte der Holzbau dann ab.

Die Familie wechselte den Standort, zog einige hundert Meter weiter. Wenige Wochen bevor im August 2016 auch dieses Gebäude ausbrannte, hatten Unbekannte an Fenster und Türen der neuen Gaststätte Grillanzünder ausgelegt und angesteckt. Zwar gingen diese nach kurzer Zeit von allein wieder aus, beträchtlicher Schaden entstand trotzdem.

Die Angst bleibt

Vor einer Woche haben die Müllers ein neues Wohnhaus in Rödinghausen gekauft. »Wir fühlen uns im Ort wohl, wollen hier bleiben. Wo das Haus steht, verraten wir aber nicht. Ein gebranntes Kind scheut das Feuer«, sagt Angelika Müller. Denn die Furcht, dass ein unbekannter Brandstifter wieder zuschlagen könnte, sei groß. »Wir haben immer noch Angst. Und solange der Täter nicht gefasst ist, bleibt das auch so«, sagt die 51-Jährige. Ihr Ehemann ergänzt: »Bei jedem verdächtigen Geräusch, das wir hören, schauen wir aus dem Fenster.«

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