Bünder Wirte berichten über Erfahrungen mit dem Missbrauch von Reservierungen
Tisch ist gebucht, aber keiner kommt

Bünde (WB). Wenn potenzielle Gäste einen Tisch reservieren, aber nicht auftauchen, sind leere Plätze für den Betrieb mehr als nur ein Ärgernis. Personalplanung, Einkauf, Vorbereitung – schnell ist die gesamte Tageskalkulation buchstäblich für die Tonne.

Mittwoch, 21.03.2018, 15:02 Uhr aktualisiert: 21.03.2018, 15:10 Uhr
Wenn reservierte Tische leer bleiben, bedeutet dies häufig weitaus mehr als bloß ein Ärgernis für den Wirt. Foto: Karl-Hendrik Tittel
Wenn reservierte Tische leer bleiben, bedeutet dies häufig weitaus mehr als bloß ein Ärgernis für den Wirt. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Dass ein volles Reservierungsbuch nicht immer ein volles Haus garantiert, weiß man auch in Bünder Restaurants und Gaststätten zu Genüge. Insbesondere bei Häusern mit wenig Laufkundschaft, die für eine geplatzte Reservierung nur schwerlich spontane Nachrücker finden, können die Einnahmeverluste empfindlich ins Kontor schlagen.

Bernd Niemeier, Präsident des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in NRW, beklagte jüngst einen regelrechten »Reservierungsmissbrauch«, der zu »einem zunehmenden Problem« geworden sei. Während vereinzelte Betriebe in NRW ihre Reservierungsregeln schon verschärft haben, indem sie bei Gruppenanfragen Anzahlungen oder Kreditkarteninformationen einfordern, schließen Bünder Gastronomen solche Maßnahmen unisono aus – und setzen dafür auf Sensibilisierung.

Lieber um Verständnis werben, als Anmeldegebühren erheben

»Es kommt hin und wieder vor, dass reservierte Plätze leer bleiben, an gut besuchten Tagen oder beim Frühstückbüfett ist das natürlich besonders ärgerlich«, sagt Stadtkind-Inhaber Lezgin Berse. Von einer Anmeldegebühr oder Kreditkarten-Kautionsmodellen für Reservierungen hält er aber nichts.

»Welcher Prozentsatz von welcher Summe wäre denn angebracht, wenn Gäste mit einer Reservierung in einem À-la-carte-Restaurant nicht erscheinen oder mit deutlich weniger Personen als angemeldet?«, fragt Berse und weist damit auf mögliche Probleme hin. Solche Maßnahmen seien wenig praktikabel und zielführend, er möchte lieber um Verständnis bei den Gästen werben.

In der »Knolle« sind geplatzte Reservierungen selten. »98 Prozent unserer Gäste sagen rechtzeitig ab, wenn ihnen etwas dazwischen kommt«, sagt Inhaber Jörg Hachmeister. Anzahlung bei Reservierung oder die Hinterlegung von Kreditkartendaten hält auch er für »nicht dienstleistungsfreundlich, zu aufwendig und bei uns nicht notwendig«.

Auch im Restaurant »Pegasus« kennt man die üblichen Reservierungssünden, die überschaubare Anzahl der Fälle ist aber seit Jahren weitgehend konstant. »Wir haben viele Stammkunden und freuen uns über eine sehr gute Vertrauensbasis, ändern müssen wir nichts«, betont Inhaberin Rodanthi Tsodoulou.

Ein Gastronom führt eine »Schwarze Liste«

Das Team des Restaurants »Adler« musste nach der Eröffnung vor gut zwei Jahren in Sachen Reservierungen dagegen reichlich Lehrgeld zahlen. »Es ist häufiger vorgekommen, dass eine größere Gruppe einen Tisch reserviert, unser Haus aber nie betreten hat – ohne abzusagen«, erinnert sich Inhaberin Nuray Hartmann.

»Wir bitten die Gäste inzwischen, uns einen Tag vorher anzurufen, damit wir für die genaue Personenanzahl eindecken können.« Meldet sich niemand, wird telefonisch nachgefragt. Diese Form der Sensibilisierung habe sich bewährt.

Zwei Gastronomen wollen anonym bleiben – haben aber viel zu sagen. Einer ist »stinksauer« über doppelte Reservierungen. »In einer Stadt wie Bünde spricht sich das schnell herum, ich führe inzwischen eine Schwarze Liste.« Dem anderen sind Elternstammtische ein Dorn im Auge.

»Ein typisches Szenario: Ich sehe im Buch eine Reservierung von 20 Personen und plane entsprechend, dann kommen aber nur acht Gäste, von denen einer etwas isst und drei gar nichts bestellen. Die sollen sich lieber in der Schule treffen. Denken die, Restaurants seien öffentliche Versammlungsräume?«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5605725?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2645483%2F
Wieder von Paderborn nach Mallorca
Aus Sicht von Geschäftsführer Marc Cezanne ist die Wiederbelebung der Eurowings-Flüge nach Paderborn ein wichtiges Signal. Foto: Hannemann
Nachrichten-Ticker