Mo., 14.01.2019

Orgeldreher unterhält 100 Besucher beim ersten Rödinghauser Kulturfrühstück in diesem Jahr Militzer »dreht am Rad«

»Wir sind bestimmt nicht die tollsten Musiker, aber wir können hoffentlich vielen Leuten eine Freude bereiten«, sagt Jörg Militzer über das Programm von ihm und seiner Partnerin »Fiedel-Lise«. Im Haus des Gastes sorgte das Duo für reichlich Kurzweil.

»Wir sind bestimmt nicht die tollsten Musiker, aber wir können hoffentlich vielen Leuten eine Freude bereiten«, sagt Jörg Militzer über das Programm von ihm und seiner Partnerin »Fiedel-Lise«. Im Haus des Gastes sorgte das Duo für reichlich Kurzweil. Foto: Joschka Brings

Von Joschka Brings

Rödinghausen (WB). »Es gibt jetzt 90 Minuten Drehorgel-Geleier, eine Geigenspielerin und einen Affen, der ein lustiges Gesicht macht«: so begrüßte Jörg Militzer am Sonntag die Besucher des ersten Rödinghauser Kulturfrühstücks in diesem Jahr.

Etwa einhundert Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich im Haus des Gastes eingefunden, um den Klängen des Bünder Orgeldrehers und seinem Instrument zu lauschen.

So monoton, wie Militzer es augenzwinkernd beschrieb, war sein Programm jedoch keineswegs. Die Gäste erlebten einen bunten Mix aus Musik, Hintergrundinformationen und Anekdoten. Und von denen hat Militzer, der Vielen als Bünder Stadthistoriker bekannt sein dürfte, unzählige auf Lager. Seit etwa drei Jahren ist er gemeinsam mit seiner Partnerin Simone Litschel, genannt »Fiedel-Lise«, und dem »Affen Caruso« im deutschsprachigen Raum unterwegs.

So wurde Militzer zum Orgeldreher

Beim Musizieren auf Veranstaltungen und auf der Straße erleben die drei unterschiedlichste Dinge: Militzer erzählt von seinem ersten mit Straßenmusik verdienten Euro, aber auch von obskuren Spenden wie frischen Frikadellen oder ausländischer Währung. Seine Anekdoten untermalt er mit vielen Bildern.

So zeigt er dem Publikum, wie er seine Drehorgel ausgesucht hat oder wie seine Orgel von innen aussieht. Das Instrument funktioniert nach dem Prinzip einer richtigen Orgel, hat jedoch einen begrenzten Tonumfang. Daher arrangiert Litschel jedes Stück für die Touren des Paares, damit es anschließend mit dem Lochkartensystem des Leierkastens abgespielt werden kann – Militzer selbst kann nämlich keine Noten lesen und kam erst durch einen »Notfall« in Berührung mit dem Instrument: Als Stadthistoriker und Musikfan organisierte er eine Gedenktafel für den Bünder Komponisten Ralf Arnie, der unter anderem »Tulpen aus Amsterdam« schrieb. Kurz vor der Feierstunde musste der gebuchte Drehorgelspieler allerdings absagen, bot Militzer aber an, ihm seine Orgel zu leihen. »Da habe ich das erste Mal am Rad gedreht«, sagt er augenzwinkernd. Und seitdem hat er nicht mehr aufgehört. »Früher war die Drehorgel eine Beschäftigung für Leute, die sonst nichts konnten«, erzählt er und erntet ein paar Lacher. Geschichtlich gesehen sei das ein ernstes Thema, da nach den Weltkriegen vornehmlich Kriegsinvalide dieser Tätigkeit nachgingen.

»Caruso« kommt aus Amerika

Auf Abbildungen dieser historischen Vorbilder fand Militzer immer wieder auch ein extravagantes Accessoire. »Mir war klar: Als echter Drehorgelspieler brauche ich auch einen Affen.«

Der sollte allerdings nicht echt, aber zumindest lebensnah sein. Und so sorgt der Orgeldreher zwischen Schneewalzer und Bolero für Erheiterung, wenn er von der Odyssee seines Caruso aus Amerika und durch den Zoll erzählt. Der Orgelaffe mit maßgeschneiderter Weste stammt nämlich von einem Bühnenbildner der »Planet der Affen«-Filme.

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