Di., 16.04.2019

»Die Fischerin vom Bodensee«: Kino Else-Lichtspiele zeigt auch außergewöhnliche Streifen Heimatfilm flimmert über die Leinwand

Volker Flohre zeigt in den Else-Lichtspielen nicht nur Blockbuster, sondern auch außergewöhnliche Filme im Kinocafé und jeden Montag in der Filmauslese. Hier steht er am alten Filmprojektor, der den Eingangsbereich des Kinos schmückt.

Volker Flohre zeigt in den Else-Lichtspielen nicht nur Blockbuster, sondern auch außergewöhnliche Filme im Kinocafé und jeden Montag in der Filmauslese. Hier steht er am alten Filmprojektor, der den Eingangsbereich des Kinos schmückt. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Rödinghausen (WB). Ballett, Live-Übertragungen aus dem Royal Opera House in London und jetzt ein Heimatklassiker: Neben Blockbustern setzt das kleine Kino Else-Lichtspiele deutliche Akzente und zeigt im April zweimal »Die Fischerin vom Bodensee«.

»Ein Kollege hatte den Film, der vergangenes Jahr technisch neu aufbereitet wurde, im Programm und mir davon erzählt. Bei ihm war es ein Erfolg. Jetzt probiere ich das zum Kinocafé auch mal aus«, sagt Volker Flohre, der das Kino mit dem gemütlichen roten Saal in Bruchmühlen betreibt. Der Heimatfilm stammt aus dem Jahr 1956. In den Hauptrollen: Marianne Hold, Gerhard Riedmann und Annie Rosar.

Ein vielseitiger Job

Und darum geht’s: Das arme Fischermädchen Maria lebt mit ihrem Großvater am Bodensee. Seit vielen Generationen ernährt sich die Familie von der Fischerei. Doch der reiche Fischzüchter Bruckberger versucht, sie zu verdrängen... »Es ist ein Versuch. Mal schauen, wie voll der Saal bei den beiden Aufführungen wird«, meint der Kinobetreiber.

Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker betreibt das Kino seit vergangenem Jahr hauptberuflich. Es gibt jede Menge zu tun: vom Auswählen der Filme, Abrechnungen über Wareneinkäufe bis zum Kassieren und Bedienen während der Vorstellungen – an den Wochenenden sind es sogar bis zu drei. Auch den Staubsauger nimmt Flohre durchaus selber in die Hand. Denn frisches, warmes Popcorn – und die damit verbundenen Krümel im Saal – gehören für die meisten zum Kinobesuch dazu.

So sucht man Filme aus

Zwar sei der Saal manchmal mit nur fünf Leuten recht leer, dann aber wieder sei das Kino ausverkauft. Insgesamt rentiere es sich, verrät Flohre. Schwierig sei allerdings der vergangene lange und heiße Sommer gewesen. »Das war für große wie kleine Kinos nicht einfach«, blickt Flohre zurück. Obwohl er tagein tagaus im Saal steht, schaut er selber die meisten Filme nur bruchstückhaft. Flohre: »Es gibt immer viel zu tun und nach so vielen Jahren muss man nicht mehr alles schauen.«

Wie wählt er eigentlich die passenden Filme aus? »Dafür braucht man etwas Erfahrung und Bauchgefühl. Meist fährt man mit einer bunten Mischung am besten«, weiß der Kinobetreiber. Die Filmverleihe machten es den kleinen Lichtspielhäusern aber nicht gerade leicht.

»Beispielsweise beim neuen ›Avengers‹. Den zeige ich ab dem Bundesstart (24. April). Der Verleih fordert dann, dass der Film in allen Vorstellungen gezeigt wird«, erklärt Volker Flohre. Für Kinos mit nur einem Saal bedeutet das: keine Vielfalt.

Geschichte der Lichtspiele

Eröffnet wurde das Kino 1956 von Karl Kollmeier in den umgebauten Räumen der alten Zigarettenfabrik »Steinmeister + Wellensiek« an der Meller Straße in Bruchmühlen. Damals hatte das Kino 309 Plätze, heute sind es noch 139. Bereits seit 1989 arbeitet Volker Flohre schon dort, seit 1. Januar 2000 ist er Betreiber. Das Kino wurde mehrmals umgebaut – so wurde beispielsweise 1977 der Eingang zum Kino von der linken auf die rechte Seite des Gebäudes verlegt.

Wurden die Filme früher auf mehreren Spulen in einem 30 bis 40 Kilogramm schweren Paket vom Spediteur des Filmlagers angeliefert, ist es seit der Umstellung auf digitale Technik im Jahr 2010 deutlich einfacher geworden. Die alten Spulen können Kinofreunde noch im Foyer bestaunen. »Die aktuellen Streifen werden von einem Paketdienst gebracht und sind auf einer Festplatte abgespeichert«, erklärt der Meller.

Teilweise könne man sie online herunterladen. Das dauere zwischen vier und acht Stunden. Mit digitalem Kinoprojektor und Computer kommen die Streifen dann auf die Leinwand. »Erst im Projektor wird der Film entschlüsselt. So werden Raubkopien verhindert«, weiß Flohre.

Anmelden fürs Kinocafé

Wer »Die Fischerin vom Bodensee« im Kinocafé sehen möchte, sollte sich bis Donnerstag unter Telefon 05226/17253 anmelden. »Es gibt Kaffee und Kuchen. Zur Planung ist die Anmeldung erforderlich«, sagt Flohre.

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