Corona-Krise: Nelly Minich hat das Café Originelly in Rödinghausen bisher nur für Außerhaus-Verkauf geöffnet
„Auflagen und Strafen sind zu heftig“

Rödinghausen (WB). In einem Frühjahr – ohne Corona – sind im Café Originelly bei Sonnenschein alle Tische drinnen und draußen besetzt. Dazu kommt am Wochenende eine lange Schlange an der Eistheke. Am 18. März ist plötzlich Schluss. Der kleine Familienbetrieb muss coronabedingt schließen.

Montag, 18.05.2020, 12:06 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 13:10 Uhr
Im Moment reicht Nelly Minich das Eis nur über die Theke zum Fenster heraus. Außerhaus-Verkauf statt gemütlicher Cafébetrieb bei Originelly – diesen Tribut fordert die Corona-Krise. Foto: Kathrin Weege
Im Moment reicht Nelly Minich das Eis nur über die Theke zum Fenster heraus. Außerhaus-Verkauf statt gemütlicher Cafébetrieb bei Originelly – diesen Tribut fordert die Corona-Krise. Foto: Kathrin Weege

Zwar startet 14 Tage später schon wieder der Außerhaus-Verkauf von Eis. Doch anders als andere Gaststätten kann das Eiscafé, in dem es auch Waffeln und kleine Speisen gibt, in diesen Tagen nicht vollständig öffnen. „Die Auflagen sind zu heftig. Das können wir weder stemmen noch kontrollieren“, sagt Nelly Minich, die die Eisdiele vor 18 Jahren eröffnet hat. Außerdem hat sie Angst vor den hohen Strafen. Bei einem Verstoß können 25.000 Euro fällig werden. So viel Eis kann sie nicht zusätzlich verkaufen.

Gerade hat sie ein Schreiben von der Gemeinde erhalten. Darin steht detailliert, was bei einer Öffnung alles einzuhalten ist. „Es darf niemand mit Atemwegserkrankung oder Anzeichen einer Erkältung reingelassen werden. Dafür sind wir verantwortlich. Aber wie soll ich das denn kontrollieren?“, fragt die 46-Jährige. Auch das Einhalten des Mindestabstands ist nicht einfach in dem gemütlich eingerichteten Holzhaus an der Bünder Straße.

Vom schönen Wetter abhängig

„Ich könnte zwar die Tische auseinanderziehen, allerdings wird erwartet, dass sich jeder Gast nach dem Eintreten mit Maske zunächst die Hände wäscht. Unsere WCs sind aber nur über eine schmale Holztreppe erreichbar. Da geht es schon los mit dem Abstandsproblem“, sagt Nelly Minich. Sie hofft, dass nach der nächsten Gesprächsrunde auf Bundesebene am 25. Mai weitere Lockerungen im Gastronomiebereich erfolgen und sie ihr beliebtes Café – es kommen nicht nur Rödinghauser, sondern Gäste aus der ganzen Umgebung – vielleicht Pfingsten wieder öffnen kann.

Das Arbeiten mit Maske möchte sie ihren Mitarbeitern nur ungern zumuten. „Die würden natürlich mitziehen, aber ich weiß, wie unangenehm das Tragen über Stunden ist. Außerdem finde ich es sehr seltsam, wenn man seinen Gästen so gegenübertritt“, sagt Minich, die 1,5 festangestellte Mitarbeiter und zehn Aushilfen beschäftigt. „Ich habe so tolle Mitarbeiter. Für sie tut mir die aktuelle Lage sehr leid. Man fühlt sich verantwortlich.“

Beim Start des Außerhaus-Verkaufs war die Rödinghauserin eine der ersten. „Wir sind vom schönen Wetter abhängig. Nur dann kommen die Leute und holen Eis“, sagt sie. Der Umsatz sei um etwa 70 Prozent eingebrochen. Das bereite ihr Bauchweh. Sie hat 2009 das Holzhaus mit ihrem Mann gebaut. „Klar laufen da noch Kosten“, sagt sie. Außerdem lebt das Paar, das vier Kinder hat, von „Originelly“.

Vor 18 Jahren hatte ihr Mann David Minich den Wunsch, sich selbstständig zu machen. „Damals gab es in Rödinghausen kein Café oder so etwas“, sagt Minich. Schnell war die Idee für das Eiscafé geboren. „Ich habe in meiner alten Heimat bei Cloppenburg zehn Wochenenden in einem Eiscafé mitgearbeitet und dann haben wir es einfach gewagt“, sagt Nelly Minich, die damals drei kleine Kinder hatte.

Puffreis-Eis als neue Kreation

Zuerst war die Eisdiele in der Alten Dorfstraße, später in dem Gebäude an der Bünder Straße, in dem nun die Gemeinde der Christen ist. Seit 2009 läuft der Betrieb im Blockhaus. Von Anfang an war ihr Mann zuständig für die Eisherstellung (und Papierkram). Dieses Jahr hat er Puffreis-Eis und Joghurt-Aprikose neu kreiert. Eis macht er in der Regel am Vormittag. Wenn seine Frau ab 13 Uhr im Café ist, kümmert er sich um die Familie.

„Ob wir es durch die Krise schaffen, zeigt sich erst am Ende des Jahres“, sagt Nelly Minich. Denn Eisdielen müssten im Sommer für die schlechtere Zeit vorarbeiten. Besonders traurig mache sie die aktuelle Situation, weil der vergangene Winter der erste war, in dem durchgängig Betrieb war. „Wir hatten dieses große Ziel endlich geschafft!“

Originelly lebt zwar auch von Ausflüglern, vor allem aber von treuen Stammkunden – gerade im Winter. Von ihnen gab es schon etliche Anfragen, wann Nelly Minich endlich wieder komplett öffnet. Bis es soweit ist, muss das Eis eben abgeholt werden. Zu Hause oder unterwegs schmeckt’s ja auch gut!

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