Stichwahl in Rödinghausen: SPD-Kandidat Siegfried Lux spricht über seine Ideen
„Ich will Motor und Moderator sein“

Rödinghausen (WB). 48,69 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen heimste SPD-Kandidat Siegfried Lux bei der Rödinghauser Bürgermeisterwahl ein. Damit dürfte der Sozialdemokrat als Favorit in die Stichwahl gegen den parteilosen Bewerber Sven Eric Adam gehen. Im Vorfeld dieses Votums stellte sich Lux den Fragen von Redakteur Daniel Salmon.

Mittwoch, 23.09.2020, 05:25 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 09:22 Uhr
Im ersten Wahlgang blieb SPD-Bürgermeisterkandidat Siegfried Lux knapp unter der 50-Prozent-Marke. In der Stichwahl tritt er am Sonntag gegen Sven Eric Adam (parteilos) an. Foto: David Salmon
Im ersten Wahlgang blieb SPD-Bürgermeisterkandidat Siegfried Lux knapp unter der 50-Prozent-Marke. In der Stichwahl tritt er am Sonntag gegen Sven Eric Adam (parteilos) an. Foto: David Salmon

Herr Lux, hätten Sie damit gerechnet, zu einer Stichwahl antreten zu müssen?

Siegfried Lux: Ich freue mich sehr, dass so viele Bürger aus Rödinghausen mich gewählt haben. Auf eine Zustimmung von knapp 49 Prozent bin ich als „neuer Kandidat“ sehr stolz, da haben nur wenige Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt. Realistisch gesehen musste man bei drei Kandidaten damit rechnen, dass es in eine zweite Runde geht, was auch die Ergebnisse in anderen Kommunen deutlich zeigen. In der kommenden Stichwahl vertraue ich auf die Rödinghauser!

Wie bewerten Sie das Abschneiden Ihrer Partei bei der Ratswahl?

Lux: Ich freue mich sehr, dass wir von 13 Wahlbezirken zwölf direkt gewinnen konnten. Stolz bin ich auch darauf, dass alle unsere neuen, jungen Ratskandidaten ihre Wahlbezirke eindeutig und klar gewinnen konnten. Rödinghausen hat vor der Wahl eine neue Partei dazubekommen, die auch derzeit im Bundestrend angesagt ist. Es war klar, dass sich das Bild im Rödinghauser Rat auch deshalb verändern wird. Wenn ein etablierter Amtsinhaber abtritt, werden die Karten bekanntlich immer neu gemischt.

Worauf führen Sie das starke Ergebnis der Grünen zurück?

Lux: Überall in NRW, wo die Grünen angetreten sind, haben sie meist zweistellige Ergebnisse erzielen können. Dass es bei uns sogar zu einem Ergebnis von über 21 Prozent gereicht hat, liegt sicherlich an einem sehr engagierten, fleißigen, aber wohl auch innovativen Wahlkampf dieser bei uns neuen Partei, die gerade auch die junge Wählerschaft der „Fridays for Future“-Bewegung nochmal sehr stark angesprochen hat. Das diese jungen Menschen sich für und in unserer Gemeinde engagieren, finde ich richtig gut und gratuliere den gewählten Ratsmitgliedern – aber auch dem dahinter stehenden Team – zu ihrem erfolgreichen Abschneiden.

Wie würden Sie – Ihre Wahl vorausgesetzt – agieren, um sich im Stadtrat Mehrheiten zu beschaffen?

Lux: Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, ihnen aktiv zuzuhören, zu diskutieren und um gute Lösungen zu ringen, das begleitet mich und mein Handeln und Tun nun schon mein Leben lang. Die meisten Beschlüsse und Entscheidungen im Rat wurden übrigens – entgegen anders lautender Stimmen – auch schon in der Vergangenheit vielfach mit einer großen Mehrheit aller Fraktionen beschlossen. Das wäre nicht gegangen, wenn man nicht vernünftig und mit erforderlichem und erfahrenem Sachverstand miteinander gesprochen hätte. In vielen Vereinen, in Organisationen, im Ehrenamt, im Beruf und natürlich in der Politik geht es für mich immer erst einmal darum, ein wertschätzendes und faires Miteinander zu pflegen und einen verlässlichen Rahmen für gute Lösungen zu schaffen. Das schafft Vertrauen und natürlich kann und muss auch kontrovers diskutiert werden. Ich werde in diesem Prozess und im Ringen um beste Lösungen für die Menschen hier in Rödinghausen Motor und Moderator sein.

Für Bürgermeister Vortmeyer war das Thema „Familienfreundliche Kommune“ immer sehr wichtig. Wie möchten Sie dieses Thema anpacken?

Lux: Wir sind als familienfreundlich Kommune zertifiziert. Ich bin sehr froh, dass wir in Sachen Betreuung und auch bei der Bildung und Ausbildung – mit zukunftsweisender digitaler Infrastruktur und gutem Raumangebot – bereits ein ganz hohes Niveau erreicht haben, so dass uns jetzt wieder frei werdende Kapazitäten für neue Projekte zur Verfügung stehen. Besonders zu nennen ist hier die Vorbereitung eines neuen Spielplatz-Konzeptes in der gesamten Gemeinde, der viel zitierte Grünabfall-Sammelplatz oder aber auch die Planung von vielfach gewünschten Hundewiesen. Aber auch im Bereich der hausärztlichen Versorgung habe ich schon Gespräche mit Beteiligten aufgenommen, damit auch hier Lösungen für die Zukunft entstehen können. Mit unseren Jugendlichen möchte ich weitere Möglichkeiten für gemeinsame Treffpunkte und Chill-Lounges und deren Ausgestaltung diskutieren. Hier kann ich mir die Bildung eines neuen Jugendbeirates sehr gut vorstellen. Die Senkung der Kitagebühren ist ein weiteres Zukunftsprojekt, das unter anderem auch mit überregionaler Hilfe angegangen werden muss. Einen weiteren Schwerpunkt sehe in der Ausgestaltung der zukünftigen Mobilität. Hier werden wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort den Begriff Mobilität neu denken.

Rödinghausen ist eine wirtschaftsstarke Kommune – und soll es ja sicher auch bleiben. Wie wollen Sie Rödinghausen als Wirtschaftsstandort weiter attraktiv halten?

Lux: Durch individuelle Gespräche, die ich schon – nicht nur in den letzten Monaten – mit vielen Unternehmern und verantwortlichen Führungskräften aus Wirtschaft und Vereinen geführt habe und auch künftig führen werde. Wir müssen weiterhin frühzeitig Chancen und Möglichkeiten erkennen, zielführend begleiten und unterstützen wo es möglich und nötig ist. Hier kommen mir meine langjährige Erfahrung im Sparkassensektor und bei der professionellen Unterstützung von Gemeinnützigkeit und Ehrenamt, aber auch meine guten Kontakte in die örtliche Wirtschaft, im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als WAGE-Vorstands-Sprecher sehr zugute.

Wie würden Sie das Thema Klimaschutz in den kommenden Jahren anpacken?

Lux: Ich wünsche mir die Bildung eines neuen Klimabeirates unter Einbindung fachlicher Kompetenz, damit wir gute Lösungen enkeltauglich umsetzen können. Auch hier stelle ich mir eine möglichst breite Mischung engagierter Bürger und die Einbindung und Expertise von Profis vor. Gute Möglichkeiten werden in Rödinghausen auch nochmal der zusätzliche Förderkanon der neuerdings nicht mehr gedeckelten Förderungsmöglichkeit der Photovoltaik-Technik und eine individuelle Beratung von Interessierten sowie die Förderung von Hauskraftwerken bieten. Hier werden wir zukünftig nicht nur Neubauten, sondern auch vorhandene Bauten in die Überlegungen für eine nachhaltige Zukunft einbeziehen. Mobilität wird neu gedacht und konzeptionell angegangen – dazu gehören neue und agile Überlegungen zur Umsetzung eines regionalen und überregionalen Fahrradwegekonzeptes bis hin zur E-Tankstelle und intelligenter Sharingkonzeptionen.

Ihr Konkurrent Sven Eric Adam hat das Thema Sicherheit auf seiner Wahlkampfagenda. Er spricht von Angsträumen, die es auch in Rödinghausen gibt und die beseitigt werden müssten. Wie stehen Sie dazu?

Lux: Rödinghausen zählt mit seiner niedrigen Kriminalitätsrate zu den sichersten Kommunen in ganz NRW. Aber natürlich müssen wir die Sorgen der Bürger ernst nehmen. Dass es auch in Rödinghausen an einigen Stellen „hakt“ und es auch Ortschaften gibt, die nicht optimal ausgeleuchtet sind, habe ich auf meinem Weg durch die Gemeinde in einigen Gesprächen aufgenommen. Hier müssen wir zusammen mit allen Beteiligten und Sicherheitsbehörden Gespräche führen und gangbare Lösungen abstimmen. Dieses Thema stellt aber – auch nach Abstimmung mit der Polizei und den Schulen – kein vordringliches oder gar beängstigendes Thema für unsere Gemeinde dar, weil die Menschen hier bei uns tatsächlich noch aufeinander Acht geben. Dass dies auch in Zukunft so bleibt, dafür will ich mich sehr stark einsetzen.

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