Nach Eltern-Malaktion in Bardüttingdorf: Einige Bürger erkennen Hakenkreuz im Spielfeld auf dem Schulhof
Menschen ärgern sich doch

Spenge (WB). Ein harm­loses Spiel oder politische Agitation? Diese Frage erregt die Gemüter in Bardüttingdorf. Auf dem Schulhof der Grundschule am Kreuzfeld erkennen offenbar mehrere Bürger im »Mensch-ärgere-dich-nicht«­-Feld ein Hakenkreuz.

Freitag, 09.10.2015, 06:50 Uhr aktualisiert: 09.10.2015, 08:14 Uhr
Nach Eltern-Malaktion in Bardüttingdorf: Einige Bürger erkennen Hakenkreuz im Spielfeld auf dem Schulhof : Menschen ärgern sich doch
Die »Mensch-ärgere-dich-nicht«-Spielfläche auf dem Schulhof der Grundschule Bardüttingdorf ist neu vom Förderverein aufgetragen worden. Weil die Startpunkte leicht versetzt wurden, erinnert die Malerei viele an ein Hakenkreuz. Foto: Gerhard Hülsegge

»Das darf nicht passieren«, meinte dazu am Donnerstag Jürgen Strachau, Schul-Fachbereichsleiter im Spenger Rathaus. Im Internet ist bereits eine Debatte entbrannt, auf Facebook diskutieren die Menschen das Thema kontrovers.

Der Förderverein der Grundschule Spenge-Land am Teilstandort Bardüttingdorf hatte zu einer Verschönerungsaktion des Schulhofes aufgerufen. Viele Eltern beteiligten sich und trugen mit Straßenmarkierungsfarben diverse Spielfelder auf den Asphalt. Das »Mensch-ärgere-dich-nicht«-Feld wurde gegenüber dem Original dabei leicht verändert, indem die Startpunkte näher an das eigentliche Kreuz gerückt wurden. Einige Betrachter erinnert es so nun an ein Hakenkreuz, ein verfassungsfeindliches Symbol aus der Nazi-Zeit, dessen Verwendung unter Strafe steht.

Stefan Sabbert, Vorsitzender des Schul-Fördervereins, sieht sich und die ehrenamtliche Aktion der Elternschaft durch derlei Interpretationen verunglimpft. »Das ist eine Debatte unter Niveau«, sagt er. »Es war keine Absicht und es ist niemandem aufgefallen«, ergänzt eine an der Malaktion beteiligte Mutter. Die Startpunkte seien willkürlich gesetzt worden, um Platz zu sparen.

Bürgermeister will sich um Veränderung des Spielfelds kümmern

Auch Bürgermeister Bernd Dumcke mochte den Eltern nicht unterstellen, mit Absicht gehandelt zu haben. »Wie viel Fantasie ist nötig, um aus dem Spiel ein Hakenkreuz zu erkennen?«, fragt sich das Stadtoberhaupt. Er machte sich noch am Nachmittag auf den Weg zur Schule und will nun im Gespräch mit dem Förderverein dafür sorgen, dass der Spielparcours nicht länger ein Stein des Anstoßes bleibt.

Die Polizei will noch in den Herbstferien Beamte an der Schule vorbeischicken. »Wenn sie zu der Erkenntnis kommen, dass ein Hakenkreuz zu erkennen ist, melden wir den Vorgang dem Staatsschutz«, erklärte Michael Albrecht, Sprecher der Polizei in Herford am Donnerstag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT.

Vorsatz nicht zu unterstellen, ein Kommentar von Gerhard Hülsegge

»Dumm gelaufen«, würde der Westfale sagen. Ja, das »Mensch-ärgere-dich-nicht«-Spiel auf dem Schulhof in Bardüttingdorf kann als Hakenkreuz interpretiert werden. Eltern, Schule oder Förderverein aber rechtsradikales Gedankengut zu unterstellen, das entbehrt jeder Grundlage. Mütter und Väter haben sicher nur Gutes im Sinn gehabt, als sie sich stundenlang in gebückter Haltung ans Verschönern des Asphalts begaben. Wenn dabei die Kreativität aus dem Ruder läuft, ist das vielleicht peinlich, aber mit Sicherheit nicht strafrechtlich relevant. Stadt und Polizei tun also gut daran, die Sache »locker« anzugehen und sich nicht von aufgeregten Internet-Usern ins Boxhorn jagen zu lassen. Vielleicht könnte ja auch der Bauhof für Entspannung sorgen, indem dessen Mitarbeiter die umstrittenen Farb-Punkte einfach umsetzen, so ganz nebenbei und ohne »Getöse«.                                                                      

Kommentare

Irene Reindl  schrieb: 21.12.2015 21:55
Also ich sehe eine Swastika, ein jahrtausendealtes und noch heute in Indien sehr gebräuchliches Glückssymbol.
Thomas  schrieb: 14.10.2015 12:41
erkennen müssen
An der Gestaltung haben Erwachsene mitgewirkt, spätestens nach Fertigstellung wäre für die beteiligten
erkennbar gewesen nach was das ausschaut. Eine kleine Korrektur am Spielfeld und der Bericht würde
hier in der Form nicht auftauchen. Es waren ja anscheint keine Kinder die mit Kreide gespielt haben und
dieses Ergebnis produziert haben. Bisschen überlegen sollten die beteiligten Erwachsenen schon.
Irgendwehr wird schon erkannt haben was da fabriziert wurde. Lustig ist das nicht und Ermittlungen kann ich
da nur befürworten.
Leo-Armine  schrieb: 10.10.2015 11:03
Macht mal halblang, aber...
Den engagierten Eltern Absicht zu unterstellen, ist völliger Unsinn. Allerdings, lieber Bürgermeister, braucht es eben nicht viel Phantasie, um ein Hakenkreuz zu erkennen auf dem Foto.
Und über die Reaktion der Polizei kann man doch nur den Kopf schütteln. Und sich ärgern, werden diese Leute doch von Steuergeldern finanziert. Aber anscheinend möchten da ein paar Beamte in der Herbstsonne mal ungestört Mensch, ärgere Dich nicht spielen. Natürlich im Dienst, um das Gefahrenpotential des Spiels zu erproben. Ist klar, oder?
Lucas Nolte  schrieb: 09.10.2015 17:58
Ärgerlich
Aus meiner Sicht ein ärgerlicher Vorfall. Vorsatz zu unterstellen oder gar auf die politische Orientierung des Entwerfers zu schließen ist sicherlich nicht angebracht. Dennoch, um meinen Vorredner zu zitieren, gehört es zu unserem unangenehmen historischen Erbe "das braune Ungetüm" oder vielmehr seine Symbolik zu sichten. Ärgerlich vor allem, da sich dieser Vorfall recht einfach durch einen etwas vergrößerten Abstand zwischen den Startfeldern und dem Spielfeld hätte verhindern lassen können.
isegal  schrieb: 09.10.2015 17:57
Spinnen die????
Es ist nicht zu glauben, dass in ein Kinderspiel eine Symbolik hineininterpretiert wird, die da mit Sicherheit niemand gewollt hat. Eine Meldung an den Staatsschutz wäre eine echte Ohrfeige für die Eltern, die sich hier eingesetzt haben. Und anschließend wundert man sich, dass sich niemand ehrenamtlich engagiert.
franz.B  schrieb: 09.10.2015 17:06
Verfolgung
Ich kann meinem Vorredner "Is nich wahr " nur zustimmen.
Zeichnerisch und geometrisch ist das Original in den Spielesammlungen
identisch.
Wer sich bei uns nicht als "Gutmensch" zeigt und absolut freiheitliche
Grundtendenzen glorifiziert, gilt schon nicht mehr als konservativ, sondern
als braun angefärbt.
Ratsmitglieder wollen bei Aussagen zur Flüchtlingspolitik nicht
mehr namentlich genannt werden....
Eine genau umgekehrte aber gleiche Entwicklung
wie 1933.
Klaus Müller  schrieb: 09.10.2015 10:51
Er hat Hitler gesagt!!!
Es gibt viele denkmalgeschützte Gebäude aus der Gründerzeit im Land, die haben sogar Fließen mit Hakenkreuzen. Sollte man deswegen den denkmalgeschützten Fußboden herausreißen?
Einfach mal locker bleiben und nicht hinter jedem Busch eine Verschwörung sehen.
Is nich wahr ?  schrieb: 09.10.2015 09:03
viele Menschen in diesem Lande haben einfach den Schuss nicht mehr gehört. Es wird überall das braune Ungetüm gewittert und gesichtet. Man kann sich auch komplett lächerlich machen.
8 Kommentare
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