So., 30.12.2018

Werburg-Scheune erhält neue Heizung – 25 Tonnen Lehm werden verarbeitet Wärme kommt aus der Wand

Bauingenieur Frank Ziegler verarbeitet den in Säcken angelieferten Lehm zu Putz. Danach werden die zehn Zentimeter dicken Dämmplatten vor das Mauerwerk gesetzt.

Bauingenieur Frank Ziegler verarbeitet den in Säcken angelieferten Lehm zu Putz. Danach werden die zehn Zentimeter dicken Dämmplatten vor das Mauerwerk gesetzt. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge

Spenge (WB). Weiße Säcke sind es, die sofort ins Auge fallen. Gefüllt mit Lehm. An der Werburg in Spenge wird auch »zwischen den Jahren« gearbeitet. Die Scheune wird energetisch saniert.

»Ende März ist Narzissenfest. Bin dahin wollen wir fertig sein. Das ist schon eine kleine Herausforderung«, sagt Bürgermeister Bernd Dumcke. Dafür, dass es klappt, sorgen zurzeit Frank Ziegler und seine Kollegen von der Firma ADR Natur und Ecobau aus Blomberg. Der Bauingenieur ist Experte in Sachen Lehmbau und vom Werkstoff fasziniert.

Nachhaltiges Baumaterial

»Lehm ist ein nachhaltiges Baumaterial, reguliert die Raumfeuchtigkeit und wirkt entgiftend zum Beispiel dann, wenn sich Weichmacher und Lösungsmittel in der Luft befinden«, erklärt der 52-Jährige. Sein Auftrag in Spenge: die Werburg-Scheune mit einer Wandheizung ausstatten, so dass sie über eine Gasleitung später für so viel Wärme sorgt, dass auch im Winter dort Veranstaltungen des Werburg-Museums stattfinden können.

Eine private Nutzung für Familienfeiern wird dann nicht mehr möglich sein. Dagegen sprechen allein schon die öffentlichen Gelder, die als Fördermittel über den Werburg-Verein in das Projekt geflossen sind. 150.000 Euro sind für die energetische Sanierung der Scheune vorgesehen. 38.000 Euro hat die NRW-Stiftung hierfür zur Verfügung gestellt, von der Sparkassen-Stiftung kamen 37.000 Euro. 60.000 Euro hat der Werburg-Verein selbst beigesteuert, 30.000 Euro investiert die Stadt Spenge in das Vorhaben.

25 Tonnen Lehmputz, in dem auch Stroh enthalten ist, sollen verbaut werden. Ganz so, wie es in alten westfälischen Bauernhäusern früher gang und gäbe war. Mit ihm werden die zum Teil schiefen Wände gerade geputzt, dann kommen die Dämmplatten davor. Die Holz-Weichfaserplatten dienen als Dämmstoff für die Wände und sind zehn Zentimeter dick. Auf die Platten werden letztendlich auch die Heizschläuche gelegt und anschließend verputzt, sind später also nicht zu sehen.

Drei normale Heizkörper

Auf die Besucher der Werburg-Scheune wirkt das Ganze am Ende wie ein warmer Ofen. Drei normale Heizkörper ergänzen die versteckte Wandheizung. Die Elek­troheizung im Fußboden wurde, weil ineffizient, inzwischen abgeklemmt. Im November wurde mit den Arbeiten begonnen, Ende Februar wollen die Lehmwerker fertig sein. »Nach uns kommt dann der Maler«, sagt Frank Ziegler.

Auf einen Teil der Gefache im Innenbereich wird künftig verzichtet. Die Holzbalken werden überputzt, damit ausreichend Fläche fürs Anbringen der Heizung entlang der Wand zur Verfügung steht. Am Giebel und an der Rückwand der Scheune wird die Wandheizung installiert, die übrigen Wände bekommen Heizkörper.

»Mit Lehm zu arbeiten ist das Schönste, was man machen kann«, sagt Frank Ziegler. »Man muss das Werkzeug nicht reinigen und es ist besser, als den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen.«, meint er. Mit Lehm ließen sich sogar große Risse im Gebälk füllen. An den Fenstern und Türen bleibt das Fachwerk übrigens in Gänze erhalten. Das Gefach zwischen Versammlungs- und Wirtschaftsraum über den erhaltenen Trögen wird allerdings geschlossen.

Darüber, dass die Werburg-Scheune künftig ausschließlich museumspädagogischen Zwecken dienen soll, ist Bürgermeister Bernd Dumcke nicht traurig. »Vielfach haben sich in der Vergangenheit Nachbarn bei Geburtstagsfeiern in der Scheune über zu viel Lärm beschwert«, berichtet der Chef von Rat und Verwaltung. Außerdem kann Museumspädagogin Sonja Voss künftig ganzjährig selbst größeren Schulklassen Raum für mehr Aktivitäten zur Verfügung stellen.

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