Mo., 11.02.2019

Im Interview verrät »Bares für Rares«-Händler Wolfgang Pauritsch, was er gerne mal versteigern würde »Ein Leben als Auktionator reicht nicht aus«

Auktionator, Kunsthändler – und jetzt auch Autor: »Bares für Rares«-Händler Wolfgang Pauritsch ist mit seiner Autobiographie derzeit auf Lesetour in Deutschland unterwegs.

Auktionator, Kunsthändler – und jetzt auch Autor: »Bares für Rares«-Händler Wolfgang Pauritsch ist mit seiner Autobiographie derzeit auf Lesetour in Deutschland unterwegs. Foto: Peter Monke

Spenge (WB). Mit seiner Autobiographie »Der Auktionator« ist »Bares für Rares«-Händler Wolfgang Pauritsch derzeit auf Lesetour in Deutschland unterwegs. Vor seinem Auftritt in Spenge am Freitagabend nahm sich der gebürtige Österreicher Zeit für ein Interview. Zuvor war er auch in Vlotho . Die Fragen für das WESTFALEN-BLATT stellte Peter Monke.

Herr Pauritsch, durch die ZDF-Sendung »Bares für Rares« sind Sie in Deutschland sehr populär. Wie oft bitten Menschen Sie seither spontan um eine Expertise?

Wolfgang Pauritsch: Es passiert sehr oft. Meine Geschäftspartnerin und ich machen in unserem Geschäft montags den ganzen Tag Expertisen. Das Problem ist, dass man einen Termin ausmachen muss, und manche Menschen haben da wenig Feingefühl: Die kommen einfach mit zwei Koffern voller Ware und sagen »Hier bin ich«.

Es passiert mir auch, dass die Leute auf der Straße zu mir kommen und mir einen Ring zeigen wollen. Aber wenn ich eine Expertise mache, dann will ich sie auch zu 100 Prozent machen, und das geht auf der Straße ohne Lupe natürlich nicht so gut.

Bronze-Skulpturen, Majolika-Vasen, Blechspielzeug – die Waren, die Ihnen angeboten werden, sind sehr unterschiedlich. Wie schafft man es als Händler, deren Wert richtig einzuschätzen?

Pauritsch: Grundsätzlich ist das nicht immer möglich. Und ich habe schon viele Fehler gemacht und sehr viel Lehrgeld bezahlt. Aber man kriegt als Auktionator ein Gefühl für Werte und mir kommt zugute, dass ich immer schon alle Gegenstände versteigert habe: Ob das Möbel waren, Bronze-Skulpturen, Teppiche oder Diamantringe. Und wenn man von allem ein bisschen Ahnung hat, kann man sich nie zu 100 Prozent vertun.

In der Sendung erkannt man, dass ich unsicher bin, wenn ich nicht viel sage. Denn bevor ich einen Schwachsinn erzähle, halte ich lieber meinen Mund.

»Man muss sich am Geschmack der Kundschaft orientieren«

Hand aufs Herz: Wie oft kaufen Sie Dinge, bei denen Sie selbst nicht verstehen, warum Menschen dafür viel Geld ausgeben?

Pauritsch: Als ich das erste Geschäft in Oberstaufen eröffnet habe, hatte ich zunächst nur Kunstgegenstände, die mir gefallen. Ich wäre fast pleite gegangen. Man muss sich am Geschmack der Kundschaft orientieren. Ein gutes Sortiment macht einen guten Laden aus.

Manchmal kaufe ich eine Vase von der ich sicher bin, die hast du keine Woche. Trotzdem steht die ein Jahr rum. Aber ein Ring, in dem ich kein allzu großes Potenzial sehe, der ist nach zwei Tagen verkauft. Es gibt keine Philosophie die genau sagt: Diese Dinge verkaufen sich besser als die anderen. Ich habe gelernt, mich in diesem Punkt treiben zu lassen und das Beste draus zu machen.

Oft sind Exponate bei mehreren Händlern begehrt. Können Sie sich gut zügeln, nicht mehr zu bieten, als Sie sich vorgenommen haben?

Pauritsch: Wenn man etwas unbedingt haben will, gehen wohl mit jedem Menschen mal die Pferde durch. Die Kunst ist es, nicht so deutlich zu zeigen, dass man etwas haben will. Aber wissen Sie: Bei Bares für Rares schauen im Schnitt drei Millionen Menschen zu. Und ob ich für eine Vase zehn oder hundert Euro ausgebe, ist letztlich egal. Denn unter den vielen Zuschauern ist jemand, der diese Vase wieder unbedingt haben will, und der zahlt mir dann auch 20 Prozent mehr dafür.

»Viele wollen, dass ich die Exponate persönlich ausliefere«

Ist es nicht ein Problem, dass jeder in der Sendung sehen kann, wie viel Sie für ein Exponat bezahlt haben? Das bringt sie gegenüber potenziellen Käufern doch in eine schlechte Verhandlungsposition.

Pauritsch: Nein, überhaupt nicht. Die Leute wissen ganz genau, dass wir Kaufleute sind und etwas verdienen müssen. Wenn ich ein Glas für hundert Euro kaufe, dann ruft mich keiner an und sagt: »Ich geb dir 110 Euro.« Die Leute sagen vielmehr: »Ich gebe Ihnen 150 Euro, aber schicken Sie es mir nach Hamburg.«

Oft wollen sogar viele Leute gleichzeitig etwas haben. Dann dreht sich die Situation aus der Sendung für mich quasi um, und ich kann sagen: »150 Euro sind mir bereits geboten, bieten Sie mehr?« Das schaukelt sich dann ein Weilchen hoch und am Ende verkaufe ich natürlich an den, der mir am meisten bietet.

Problematisch ist eher, dass viele Menschen wollen, dass ich die Exponate persönlich ausliefere. Die sagen dann: »Bringen Sie viel Zeit mit und am besten noch einen Kuchen und dann zeige ich Ihnen meinen ganzen Haushalt.« Das funktioniert natürlich nicht.

Wann wird Wolfgang Pauritsch schwach und zahlt einen Liebhaberpreis?

Pauritsch: Ich bin ein Liebhaber von Edelsteinen, aber auch von russischem Silber. Ich habe viele Bücher über die Zeit gelesen, als Zar Nikolaus noch in Russland herrschte. Der hatte einige Hof-Juweliere, die waren Gold- und Silberschmiede, unter anderem Peter Carl Fabergé. Die Arbeit von diesen Menschen fasziniert mich, weil die mit kleinsten Werkzeugen Wunderleistungen vollbracht haben. Die haben eine Emaille-Schmelztechnik beherrscht – zum Beispiel bei den Fabergé-Eiern – das kann heute keiner mehr.

Wenn ein russisches Silberstück zu uns in die Sendung kommt, dann weiß jeder der anderen Händler: »Oje, das wird ein hartes Gefecht, der Wolfgang ist hier.«

Was würden Sie gerne mal versteigern?

Pauritsch: Ich liebe den Expressionismus. Und zwar die russische Avantgarde. Wenn Sie schon mal in Murnau am Staffelsee waren, da gibt es das Russenhaus. Da hat Wassily Kandinsky mit Gabriele Münter gelebt. Marianne von Werefkin oder auch Alexej Jawlensky – die haben den Expressionismus geprägt. Solche Bilder sind vor 40 Jahren für 20.000 Mark verkauft worden, heute gehen die Preise ins Utopische. Und ich hoffe, dass ich irgendwann einmal zu solch einem expressionistischen Bild vorstoßen kann.

»Nach dem Einschlafen nicht vom Auktionieren träumen«

Wie muss man sich die Wohnung eines Auktionators vorstellen. Steht alles voll mit Exponaten, von denen Sie sich nicht trennen können oder kommt alles ins Lager?

Pauritsch: Ich liebe es, wenn man Modernes mit Altem mischt. Bei uns zu Hause übernimmt meine Frau das Ganze. Die Wände sind ziemlich einfarbig, wir haben schönen Stuck und Deckenleuchter. Moderne Kunst mischt sich bei uns mit alter Kunst, aber die Wohnung ist sehr klar. Denn ich sehe jeden Tag zig Kunstgegenstände und ich will nach dem Einschlafen nicht vom Auktionieren träumen.

Sie haben schon viele, sehr unterschiedliche Jobs gehabt: unter anderem Rohrschlosser, Säure-Mischer, Nachtwächter. Hilft Ihnen diese vielfältige Lebenserfahrung auch in Ihrer Rolle als Kunsthändler und Auktionator weiter?

Pauritsch: Ich bin ein Mensch, der wissbegierig ist auf Dinge, die ich nicht kenne. Das war immer schon so. Und egal welchen Beruf ich ausgeübt habe, ich habe von jedem etwas Positives mitnehmen können.

Ich weiß zum Beispiel, wie man mit einer Bohrmaschine umzugehen hat. Und wenn ein Kunde heute bei uns im Laden ein Bild kaufen möchte und bangt »Oh, hoffentlich passt das bei mir ins Wohnzimmer«, dann sage ich: »Wenn Sie wollen, hänge ich es Ihnen hin. Und dann schauen wir mal, ob es passt.« Die Kunden sind dann oft überrascht. Aber soll ich Ihnen was sagen: Meistens ist es so, dass das Bild hängen bleibt, wenn es erst einmal hängt.

»Ich sehe mich überhaupt nicht als Star«

Mit ihrem Buch »Der Auktionator« sind Sie jetzt auch noch unter die Autoren gegangen. Gibt es einen besonderen Grund für diesen Schritt?

Pauritsch:Das Buch habe ich nur geschrieben, weil mich viele Menschen immer wieder fragen: »Wolfgang, ich bin auch Handwerker, wie werde ich denn Kunsthändler?« Meine Philosophie ist, dass ich alles erkläre und jedem eine Antwort gebe. Und jetzt kann ich in diesem Fall etwas Zeit sparen und sagen: Gütersloher Verlagshaus, 18 Euro, da steht alles drin!

Ansonsten habe ich das Gefühl, dass ich nach so vielen verschiedenen Berufen als Kunsthändler angekommen bin. Ich bin zufrieden mit meinem Leben, weil ich immer wieder mit Dingen konfrontiert werde, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Es gibt keinen Kunsthändler, selbst wenn er 100 Jahre alt ist, der alles gesehen hat. Auch ein Leben als Auktionator reicht nicht aus, um alle Kunstgegenstände kennen zu lernen. Und das fasziniert mich.

Gefällt es Ihnen eigentlich, so populär zu sein?

Pauritsch: Ich sehe mich überhaupt nicht als Star. Ich bin ein Kaufmann, der zufällig im Fernsehen zu sehen ist. Im Moment führt der ganze Hype aber dazu, dass ich seit eineinhalb Jahren nicht mehr im Urlaub war. Und das möchte ich gerne wieder ändern.

Ich kann auch nicht mehr auf Flohmärkte gehen. Denn wenn ich eine Vase in die Hand nehme, die eigentlich 30 Euro kosten soll, kostet sie plötzlich hundert Euro. Selbst wenn ich mich verkleide, erkennen mich die Leute an der Stimme. Die Schaufenster unseres Geschäfts kann ich auch nur noch morgens um 7 Uhr putzen, weil da sonst immer jemand steht und fragt: »Zahlt das ZDF so schlecht?«

Viele Zuschauer loben Ihre ausgesuchte Höflichkeit im Umgang mit Kunden und Kollegen. Ist das Ihr größtes Erfolgsgeheimnis?

Pauritsch: Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Bei uns in Österreich ist das normal. Wir bekommen von unseren Eltern gelernt, den Frauen die Tür aufzuhalten, ihnen in den Mantel zu helfen oder aufzustehen, wenn sich eine Dame an den Tisch setzt. Deswegen haben österreichische Männer in Deutschland auch gute Chancen bei den Frauen.

Wir sagen auch immer Bitte und Danke, das vermisse ich in letzter Zeit in Deutschland ein bisschen. Mir fällt auch auf, dass viele Kinder heute nicht mehr grüßen. Ich habe gelernt, dass man Guten Tag sagt, wenn einem ein älterer Mensch entgegen kommt. Ich habe das von klein auf im Blut und mir macht es riesig Spaß, freundlich zu sein.

Zum Abschluss noch drei Fragen, um Sie ein klein wenig besser kennenzulernen: Lieblingsbuch? Lieblingsfilm? Lieblingsband?

Pauritsch: Meine Lieblingsband ist Genesis. Das war meine Zeit in den Neunzigern. Bücher habe ich sehr viele gelesen, aber meistens waren das Sachbücher. Die lese ich auch nicht durch, sondern schlage vielmehr nach – eine bestimmte Kunstrichtung wie den Impressionismus zum Beispiel. Beim Film fällt mir »Das Parfum« ein, weil er in der spannende Epoche des Mittelalters spielt. Ich fand ihn zwar etwas hart und grob, aber trotzdem gut gemacht.

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