Di., 05.03.2019

Haus in Spenge war durch die Detonation vollkommen zerstört worden Ein Jahr nach Automatensprengung in Spenge: Zwei Verdächtige in den Niederlanden gefasst

Das Haus an der Langen Straße war durch die Detonation komplett zerstört worden.

Das Haus an der Langen Straße war durch die Detonation komplett zerstört worden. Foto: Peter Monke/Archiv

Spenge/Hannover (dpa). Es war ein lauter Knall,  der die Bewohner an der Langen Straße 49 in Spenge Ende März 2018 aus dem Schlaf riss. Unbekannte hatten eine Geldautomaten im Erdgeschoss des Hauses gesprengt. Nun, ein Jahr später, sollen die Täter gefasst worden sein.

Wie das Landeskriminalamt Niedersachsens am Dienstag mitteilte, hat die Polizei zwei Männer festgenommen, die sie für Sprengungen von Geldautomaten in Weener, Wolfenbüttel und eben in Spenge verantwortlich hält.

Ein 28 Jahre alter Mann wurde von niederländischen und deutschen Fahndern in ‘s-Hertogenbosch gefasst, teilte das Landeskriminalamt in Hannover weiter mit. Ein weiterer 25 Jahre alter Tatverdächtiger wurde nach seiner Festnahme bei Utrecht inzwischen an die niedersächsischen Behörden überstellt.

Die Verdächtigen werden einer Gruppe von rund 350 Tätern aus den Niederlanden zugerechnet, die seit Jahren serienweise Automaten in Deutschland in die Luft jagen. Die Gruppe firmiert wegen ihrer Vorliebe für entsprechende PS-starke Wagen auch als Audi-Bande. Sie türmen mit hochmotorisierten Autos und extrem rücksichtslosem Fahrverhalten. 

Fluchtwagen mit niederländischem Kennzeichen

Die Sprengung des Geldautomaten der Deutschen Bank hatte in Spenge 2018 für einen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. Als die Einsatzkräfte am Ort des Geschehens eintrafen, bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung.

Das Haus, in dem auch das Geschäft »Hellmann – Uhren, Optik, Schmuck« untergebracht war, wurde dabei völlig zerstört. Bereits damals vermuteten die Ermittler die Täter in den Niederlanden. Ein Fluchtwagen - ein Audi - mit niederländischem Kennzeichen war seinerzeit in Melle-Hoyel entdeckt worden. 

Zahl von Sprengungen steigt

Bundesweit ist die Zahl der Angriffe von Automatensprengern auf Geldautomaten im vergangenen Jahr auf 365 gestiegen nach 268 Taten im Jahr 2017, teilte das Bundeskriminalamt mit. In 138 Fällen kamen die Täter an Geld, in 220 Fällen blieb es beim Versuch, sieben Fälle sind unklar.

Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen (108 Fälle), Niedersachsen (54 Fälle), Hessen (31 Fälle) und Rheinland-Pfalz (27 Fälle). Seit Jahresbeginn wurden in Niedersachsen bereits wieder sieben Geldautomaten angegangen.

Niedersachsens LKA-Präsident Friedo de Vries lobte nach den Festnahmen, wobei in 's-Hertogenbosch auch deutsche Beamte dabei war, die deutsch-niederländische Zusammenarbeit im Kampf gegen die Automatensprenger. »Der Fall zeigt erneut, wie wichtig und wirksam das Instrument der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, der direkte und unmittelbare Informationsaustausch bei der Strafverfolgung von reisenden Tätern ist.«

Glassplitter-Datenbank

Mit raffinierter Recherche versuchen Fahnder beider Länder gemeinsam, die Automatensprenger zu überführen. Wie die niederländische Polizei mitteilte, wurde dazu auch eine Glassplitter-Datenbank aufgebaut. Glas sei wie ein Fingerabdruck, die Zusammensetzung sei einzigartig. Wenn bei einem Festgenommenen Glassplitter entdeckt würden, könnten diese möglicherweise mit einem Tatort in Verbindung gebracht werden.Dass eine steigende Zahl von Sprengversuchen erfolglos bleibt, liegt nach Vermutung der Polizei an den immer besser gesicherten Geldautomaten. Dies führt zu dem neuen gefährlichen Trend, dass nicht mehr Gas in die Automaten eingeleitet und gezündet wird, sondern bei besser gesicherten Geldautomaten zu Sprengstoff gegriffen wird, um an das Geld zu kommen. 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6449823?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514632%2F