Sa., 13.04.2019

Historische Bauteile aus Wallenbrück wurden 1976 verkauft Kirchengemeinde sucht Besitzer alter Orgelpfeifen

Pastor i.R. Walter Moritz (von links), Pfarrer Markus Malitte und Dr. Hinrich Paul suchen Orgelpfeifen-Besitzer. Ihre Pfeife stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Pastor i.R. Walter Moritz (von links), Pfarrer Markus Malitte und Dr. Hinrich Paul suchen Orgelpfeifen-Besitzer. Ihre Pfeife stammt aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge

Spenge (WB). Erst wurden sie ausgebaut, jetzt werden sie wieder gesucht: die Pfeifen aus der Barockzeit der historischen Orgel von 1659 in Wallenbrücks Marienkirche.

»Am Wintersonntag, 22. Februar 1976, wechselten die Pfeifen den Besitzer«, sagt Pfarrer Markus Malitte. Dieser Tag stand im Zusammenhang mit einer »Woche der Begegnung« in Wallenbrück. Pfarrer war damals Walter Moritz. Dessen Ehefrau Hilde schrieb sogar eigens ein Lied, um für den Kauf der Pfeifen zu werben. »Ihr Leut, ihr Leut, kauft Pfeifen heut, Pfeifen von der Orgel in Wallenbrück, die wird ein rechtes Meisterstück«, intonierten ihre Kinder Rainer, Annette, Mechthild, Birgit und Volker damals sogar auf den historischen Pfeifen.

Damals 6210 Mark eingenommen

Heute könnten sie gut gebraucht werden. Denn die historische Orgel soll bekanntlich re-stauriert werden. Die vom Bleifraß befallenen Pfeifen sind ausgebaut, sollen aber wieder in das mehr als 350 Jahre alte Instrument eingebaut werden. »Mitte 2021 soll die Orgel wieder erklingen«, sagt Pfarrer Malitte. Inzwischen verfügt die Wallenbrücker Marienkirche über eine zweite, neue Orgel, die an das mitteltönige Klangvolumen der historischen Variante nicht heranreicht.

Recherchen des Orgelhistorikers Andreas Kamm haben ergeben, dass 1976 bis zu 200 barocke Metallpfeifen aussortiert und zusammen mit etwa 400 anderen Pfeifen aus dem 19. Jahrhundert zugunsten des Orgelneubaus in der Gemeinde verkauft wurden. »Sie dürften heute in den Fluren oder Wohnzimmern privater Sammler hängen«, vermutet Organist Dr. Hinrich Paul, Vorsitzender des Orgelausschusses der Kirchengemeinde. Denn Pastor i.R. Walter Moritz erinnert sich: »Selbst nach dem Gemeindefest stand das Telefon nicht still. Es kamen Anfragen sogar aus Minden, Köln und dem Ruhrgebiet.« Insgesamt nahm die Gemeinde allein durch den Orgelpfeifen-Verkauf 6210 Mark ein. Das Stück kostete zwischen 20 und 30 Mark.

Besondere Bedeutung

Von den zwischen 1888 und 1976 noch vorhandenen 450 bis 460 barockzeitlichen Orgelpfeifen – alle aus Metall – baute Steinmann nur 259 wieder ein. Den gesuchten 200 Metallpfeifen kommt aus heutiger Sicht besondere Bedeutung zu. »Für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes sind schon einzelne barocke Pfeifen von größtem Wert. Sie enthalten zahlreiche wichtige Informationen zur Bauart eines ganzen Registers, zum Klangcharakter, zur Stimmung und anderen Eigenschaften. Ein Restaurierungsziel ist es, den originalen Klang der Barockorgel zurückzugewinnen«, erläutert Kamm.

Wer etwas über den Verbleib der gesuchten Barockpfeifen weiß, darf sich gerne bei Dr. Hinrich Paul unter Telefon 05225/861196 oder per Email (Hinrich.Paul@t-online.de) melden. »Zunächst geht es um die Begutachtung und Dokumentation, danach um den Preis für einen eventuellen Rückkauf«, sagt Pfarrer Malitte.

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