Mi., 01.05.2019

Werreland GbR setzt auf vollautomatisches Düngen mit Hilfe von Satellitenkarten Landwirtschaft 4.0

Um möglichst präzise und somit umweltschonend düngen zu können, hat die Werreland GbR mit Sitz auf dem Hof von Laer in Kirchlengern einen Düngerstreuer angeschafft, der per Computer je nach Nährstoffbedarf des Bodens auf den verschiedenen Stellen auf einem Feld düngt. Hier wird Stickstoff auf Weizen gegeben.

Um möglichst präzise und somit umweltschonend düngen zu können, hat die Werreland GbR mit Sitz auf dem Hof von Laer in Kirchlengern einen Düngerstreuer angeschafft, der per Computer je nach Nährstoffbedarf des Bodens auf den verschiedenen Stellen auf einem Feld düngt. Hier wird Stickstoff auf Weizen gegeben. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Kirchlengern/Enger/Spenge (WB). Kleine Roboter auf den Feldern, die Pflanzen analysieren und im Bedarfsfall einzeln spritzen: Das ist noch Zukunftsmusik, aber vollautomatisches Düngen mit Hilfe von Satellitenkarten – das ist im Kreis Herford bereits Realität.

»In der Landwirtschaft ist die Digitalisierung angekommen und nicht mehr wegzudenken«, sagt Kreislandwirt Hermann Dedert. So hat beispielsweise die Werreland GbR – einer der größten Betriebe im Kreis Herford mit Sitz auf dem Hof von Laer in Kirchlengern – gerade einen neuen Düngerstreuer der Marke Amazone angeschafft. »Der Satellit Galileo überfliegt alle drei Tage Flächen und macht Fotos mit Multispektral-Kameras. Mit Hilfe von weiteren Bodendaten werden daraus Biomasse-karten erstellt. Aus denen wiederum erarbeiten wir am PC Düngekarten«, erklärt Lukas Weßling, Betriebsleiter bei Werreland.

Präzise Düngung

Carl-Mauritz von Laer baut auf seinen Feldern vor allem Kartoffeln an. Foto: Weege

Auf den Biomassekarten ist ersichtlich, an welchen Stellen ein Boden gut mit Nährstoffen und an welchen nicht so gut versorgt ist. »Nach Bedarf kann dann an manchen Stellen mehr, an anderen weniger Dünger aufgebracht werden«, erklärt der Engeraner. Seine Düngekarte überspielt er auf einen USB-Stick, der anschließend auf dem Computer des Treckers eingelesen wird.

»Der Düngevorgang läuft ganz automatisch«, so der 29-Jährige. Außerdem ist die Maschine mit einem Windsensor ausgestattet, der bei Wind entsprechend gegensteuert. Eine so genannte Grenzstreueinrichtung verhindert, dass die Seitenstreifen von Feldern ebenfalls etwas abbekommen. Der Schlepper könne dank GPS theoretisch sogar komplett eigenständig fahren.

GPS-Technik auch beim Legen von Kartoffeln

»Nach der neuen Düngeverordnung werden wir Landwirte in der Menge der Mittel streng reglementiert. Da ist es wichtig, so effizient wie möglich zu düngen«, erklärt Weßling.

Lukas Weßling, Betriebsleiter Werreland GbR, hat die Daten vom Laptop auf den Computer im Schlepper überspielt. Jetzt kann der Düngerstreuer automatisch passende Mengen Dünger abgeben. Foto: Weege

GPS-Technik kommt auch beim Legen der Kartoffeln zum Einsatz – wie in diesen Tagen auf den Feldern in Hücker-Aschen. »Mit einem Programm wird berechnet, an welchen Stellen der Boden besonders gut ist. In diesen Bereichen werden die Kartoffeln auf dem Acker automatisch dichter aneinander gesetzt. Ist das Land nicht ganz so gut, werden sie weiter auseinander gelegt«, erläutert Weßling.

»Umwelt- und Pflanzenschutz ist in den vergangenen Jahren nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Landwirten in den Fokus gerückt« sagt Carl-Mauritz von Laer. Das führe allerdings dazu, dass fortan nicht mehr so günstig Nahrungsmittel angebaut werden könnten wie in der Vergangenheit. Bei der Werreland GbR, an der neben von Laer auch Joachim Blomeyer und Katharina Esser beteiligt sind, sind neun Mitarbeiter beschäftigt, darunter zwei Auszubildende, die die digitale Technik auch kennen lernen. »Um heute einen Schlepper mit entsprechenden Maschinen fahren zu können, bedarf es schon einer längeren Einweisung«, so Weßling.

»Die Digitalisierung schreitet voran, ist aber noch nicht in allen Betrieben bei uns im Kreis angekommen«, sagt Dedert. Das habe auch mit den Preisen neuer Technik zu tun, nicht jeder kleinere Betrieb könne sich moderne Geräte leisten. »Durch die Lohnunternehmer kommen aber auch dort oft entsprechende Maschinen zum Einsatz«, sagt der Kreislandwirt.

Flächendeckendes Internet erforderlich

Für die Landwirtschaft der Zukunft ist flächendeckendes Internet unumgänglich. »Es gibt immer noch Stellen im Kreis, an denen das nicht funktioniert«, weiß Dedert. Auf den Feldern brauche man Satelliten, zu Hause für verschiedene Programme eben Internet mit akzeptabler Geschwindigkeit.

Auch Kartoffeln werden mit Hilfe von Satellitenkarten gesetzt. Foto: Weege

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