So., 02.06.2019

40 Teilnehmer begleiten Eberhard Groeger beim historischen Spaziergang Friedhof beherbergt Stadtgeschichte

Eberhard Groeger (von rechts) und dessen Ehefrau Gabi finden beim Gang über den Spenger Friedhof so manches Grab, an dem es Wissenswertes über die Stadtgeschichte zu erzählen gibt. Alte Fotos ergänzen den historischen Spaziergang.

Eberhard Groeger (von rechts) und dessen Ehefrau Gabi finden beim Gang über den Spenger Friedhof so manches Grab, an dem es Wissenswertes über die Stadtgeschichte zu erzählen gibt. Alte Fotos ergänzen den historischen Spaziergang. Foto: Daniela Dembert

Von Daniela Dembert

Spenge (WB). »Der Friedhof war schon als Kind für mich wie eine kleine Stadt. Jede Familie hat ihren Ruhebereich«, erzählt Eberhard Groeger. Am Samstagnachmittag führte das stadtkundige Mitglied des Heimatvereins etwa 40 Interessierte über den Friedhof in Spenge-Mitte.

Eigentlich rühre der Begriff Friedhof nicht vom »Ruhen in Frieden«, sondern vom »Einfrieden«, so Groeger. Der alte Friedhof, der die Martinskirche umgab, sei von recht überschaubarer Fläche gewesen, was irgendwann Platznot zur Folge hatte. Ein Beinhaus wurde angelegt für die Knochen, die man beim erneuten Ausheben von Gräbern fand. Der jetzige Friedhof sei auf ein preußisches Dekret hin angelegt worden, das die Friedhöfe weg von den Gotteshäusern an den Ortsrand verbannte.

Seippels waren sehr aktiv

Einige Grabsteine sind nicht mehr an ihrem Ursprungsplatz. So beispielsweise jener der Familie von Baum, einstige Besitzer der Mühlenburg. Die monumentale Grabanlage ist zwar heute noch im Katzenholz zu finden, die Grabsteine aber liegen auf dem Friedhof. Ein Name, an dem man in der Spenger Historie einfach nicht vorbei kommt, ist »Seippel«. Deshalb führte der Weg auch zu der Grabstätte, an der der kundige Führer die nicht wenig verstrickten Familienverhältnisse lebhaft erläuterte. »Die Seippels haben einfach sehr viel für die Stadt getan und mehrere wichtige Posten bekleidet«, betont Groeger.

Pastor Ludwig Arnold Seippel sei ein Aufklärungsprediger gewesen. »Damit konnten die Spenger nicht so richtig was anfangen«, berichtete Groeger. Viel mehr Gehör hätten die Predigten des Pfarrers Ernst Weihe, Enkel des Gohfelder Erweckungspredigers Friedrich August Weihe gefunden, zumal die Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung große Armut litt.

Erinnerung an SPD-Gründer

Die Wanderung führte auch vorbei am Grab Fritz Brinkmanns, dem Begründer der Spenger SPD und illegitimen Enkels von Pastor Weihe und endete am Familiengrab des Sanitätsrats Dr. May. »Der lief manchmal rum wie ein Vagabund. Er gab nicht so viel auf Kleidung«, wusste Groeger zu berichten.

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