Mi., 19.06.2019

Revierförsterin Anna Rosenland beklagt Waldschäden in Spenge »Uns blutet das Herz«

Der Sturm, die Hitze und der Borkenkäfer haben der Fichte zugesetzt. Viele Stämme sind zwar verkauft, liegen seit Monaten aber an den Straßen und werden nicht abgeholt. Die Sägewerke sind voll, das Holz – jahrzehntelang gewachsen – ist kaum noch etwas wert.

Der Sturm, die Hitze und der Borkenkäfer haben der Fichte zugesetzt. Viele Stämme sind zwar verkauft, liegen seit Monaten aber an den Straßen und werden nicht abgeholt. Die Sägewerke sind voll, das Holz – jahrzehntelang gewachsen – ist kaum noch etwas wert. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge

Spenge (WB). Der Werburger Wald bleibt die größte Baustelle aus forstwirtschaftlicher Sicht in Spenge. Das hat Revierförsterin Anna Rosenland vom NRW-Landesbetrieb Wald und Holz vor den Mitgliedern des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses des Rates erklärt.

»Es ist ein nasser Standort, das ist schlecht vor allem für die Buche. Der Waldrand geht verloren«, sagte die Nachfolgerin von Herwart Siebert, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand getreten ist. Außerdem bereite der Borkenkäfer nicht zuletzt nach den Stürmen »Kyrill« (2007) und »Friederike« (2018) sowie der trockene Sommer im vergangenen Jahr zunehmend Probleme insbesondere in Bezug auf die Fichte. Das zeigt sich auch im Spenger Katzenholz. Viele Sturmschäden sind bis heute nicht beseitigt, das Holz liegt an den Straßen und wird nicht abgefahren.

»Der Holz-Markt ist dicht«

»Der Holz-Markt ist dicht«, so Rosenland. Private Waldbesitzer und auch die öffentliche Hand haben Probleme, mit dem Verkauf von Holz überhaupt noch Geld zu verdienen. Windbruch und Sonnenbrand (an Buchen) machen den Förstern nicht nur in OWL zu schaffen. Im Werburger Wald habe man schon mit der Eichen-Aufforstung begonnen.

»Die Buche wird komplett verschwinden«, schilderte die Försterin die aktuelle Situation. Der Werburger Wald bestehe nur noch aus Baumarten, die nicht an den Standort gehörten, erläuterte die Försterin. Das Orkantief »Kyrill« habe bereits vor mehr als zehn Jahren dort erhebliche Schäden angerichtet. Vom ursprünglichen Wald sei im Grunde nicht mehr viel zu sehen. Etliche Bäume hätten entfernt werden müssen.

»Kreis will nicht aufforsten«

Dramatisch ist die Lage auf dem Holzmarkt. »Nadelholz-Kleinmengen kriegen wir überhaupt nicht mehr vermarktet«, meinte Anna Rosenland. »Wir entnehmen Bäume ohne Ende – uns blutet das Herz!« Im Werburger Wald setzt sie auf Verjüngung (also den natürlichen Nachwuchs) und Ergänzung durch Neuanpflanzungen. Im Katzenholz ist die Fichte fast vollständig »Friederike« zum Opfer gefallen.

»Der Kreis will nicht wieder aufforsten. Aber der Bergahorn kommt schon wieder«, erklärte Rosenland. »Die Natur braucht vielleicht zwei bis drei Jahre länger, aber sie regelt das«, zeigte sie sich nicht nur pessimistisch. Im Zeitraum von 100 Jahren, die ein Baum alt werden könne, sei es »nicht so wild«, wenn man mal nichts tue.

Wildwuchs mit Minimalpflege

Vom Katzenholz in Lenzinghausen gehören 16 Hektar dem Kreis Herford, ein Hektar und das Hühnerhaus der Stadt Spenge. Hier sei Verkehrssicherheit nötig, nicht zuletzt, weil dort auch der Waldkindergarten beheimatet sei, meinte Rosenland. Ansonsten kombiniere der Kreis hier Wildwuchs mit Minimalpflege. Insgesamt handele es sich dort um eine schwierige Situation. Die einen forderten mehr Ruhe und weniger Hunde, andere geschotterte Wege. Auch gingen die Meinungen darüber, ob der verlandete Tümpelteich erhalten bleibe solle oder nicht, auseinander. Das bestätigte SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Fischer, dessen Fraktion angeregt hatte, die Försterin einmal anzuhören.

»Wir haben ein absolutes Überangebot an Nadelholz und einen Mangel an Laubholz«, brachte die Revierförsterin es auf den Punkt. Kraut- und Strauchsäume seien für den Wald und die Artenvielfalt immer gut. Insgesamt befinde sich der Wald aber im Umbruch. Leichte Schräglagen seien jedenfalls kein Grund, sofort die Säge anzusetzen.

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