Mi., 07.08.2019

Keine technische Ursache für Flugzeugunfall mit Windrad in Melle gefunden Direkter Kurs in den Tod

2. Februar 2017: Am Fuße des Windradmastes laufen Helfer durch das Trümmerfeld.

2. Februar 2017: Am Fuße des Windradmastes laufen Helfer durch das Trümmerfeld.

Von Christian Althoff

Melle/Osnabrück (WB). Der erste und bisher einzige Zusammenstoß eines Flugzeugs mit einer Windkraftanlage in Deutschland war nicht auf einen technischen Defekt zurückzuführen.

Das haben Ermittlungen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig und der Polizei Osnabrück ergeben.

Eine zweisitzige »DA 20 Katana« war am 2. Februar 2017 bei bestem Flugwetter um die Mittagszeit in Melle in den Stahlgittermast einer Windkraftanlage geflogen. Die Konstruktion hielt dem Aufprall stand, doch das Propellerflugzeug, dessen Rumpf vor allem aus faserverstärktem Kunststoff bestand, zerbarst in ungezählte Teile. Der Pilot (40) aus Melle soll sofort tot gewesen sein.

Nach Geradeausflug gegen Gittermast

Anhand der Aussage eines Augenzeugen konnten die Ermittler die letzte Phase des Flugs nachvollziehen. Danach soll der Pilot zunächst im Sinkflug bis auf etwa 20 Meter hinuntergegangen sein. Danach soll er die Maschine auf dieser Höhe gehalten und »in einem gleichbleibenden Geradeausflug« gegen den Gittermast geprallt sein. Nach Angaben der Flugunfalluntersuchungsstelle hat der Zeuge während des etwa 400 Meter langen Geradeausflugs keine Richtungsänderung wahrgenommen – weder vertikal noch horizontal. Das Motorgeräusch sei »permanent konstant« gewesen, heißt es im Bericht der BFU. Der Pilot hatte die Sonne im Rücken.

Kein Hinweis auf technische Störung

Germout Freitag, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung: »Wir haben keinen Hinweis auf eine technische Störung gefunden, so dass die Untersuchung beendet wurde.«

Hat sich der Pilot mit der Vereinsmaschine das Leben genommen? »Diese Spekulation hat es gegeben, aber wir haben nichts, was diese Annahme beweisen würde«, sagte gestern eine Sprecherin der Polizeiinspektion Osnabrück. »Für uns ist der Fall abgeschlossen. Die Unglücksursache gilt als ungeklärt.« Auch die Obduktion des Piloten habe keinen Hinweise darauf gegeben, warum das Flugzeug in die Anlage geflogen sei.

Kein weiterer Flugunfall mit Windrad bekannt

Um die beschädigten Streben der Windkraftanlage ersetzen zu können, musste der Mast seinerzeit bis auf 20 Meter Höhe abgebaut werden. Nach Angaben von Germout Freitag ist der BFU seitdem kein weiterer Flugunfall mit einem Windrad bekanntgeworden. Auf dem deutschen Festland stehen etwa 30.000 Windkraftanlagen, die mehr als 200 Meter hoch sein können. Nachts warnen rote Blinklichter die Piloten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6831982?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514632%2F