Di., 18.02.2020

Verrostet, verwittert, vertrocknet: Annelie Schreiner erhebt das Unscheinbare zur Kunst Der Zauber des Zerfalls

Annelie Schreiner und Joseph Schräder vom Kulturverein laden zu einer spannenden Ausstellung ein.

Annelie Schreiner und Joseph Schräder vom Kulturverein laden zu einer spannenden Ausstellung ein. Foto: Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB/jog). Einblick in den Mikrokosmos Kulturverein präsentiert faszinierende Werke von Annelie Schreiner »Poesie des Verfalls« lautet der Titel der kommenden Ausstellung, die der Kulturverein Borgholzhausen am Sonntag, 1. März, um 11.15 Uhr im Rathaus Borgholzhausen eröffnet.

Annelie Schreiner war mit ihrer Videokamera weltweit unterwegs und hat Bilder mit mindestens doppeltem Boden mitgebracht. Der Trick dabei: Das Original findet sich an meist eher unscheinbaren Orten und ist selten größer als eine Briefmarke. So stammt das Bild »Scheherazade lüftet ihren Schleier« von einer rostigen Abfallmulde. Vom Einblick in den Mikrokosmos, der sich auf Anhieb nur der Künstlerin selbst erschließt, lässt sie sich inspirieren. Die Fotografie wird auf Din A 3 vergrößert, ausgedruckt, mit Maltechniken wie Aquarell, Pastell und Stiften aller Art bearbeitet und verfeinert, dann eingescannt und auf Leinwand gedruckt. »Ich restauriere das Bild, das ich in meiner Phantasie sehe«, sagt Annelie Schreiner über ihre Vorgehensweise.

Das Spiel mit der Illusion wirkt wie ein Gemälde. Selbst Vogeldreck verwandelt sich durch ihre Kamera in etwas Poetisches und Ästhetisches. Verrostet, vertrocknet, ausgeschieden, verwittert, erodiert – wo andere wegschauen, entdeckt die 1949 in Westerland auf Sylt geborene und seit 1979 in Bardüttingdorf lebende Künstlerin durch Zersetzungsprozesse entstandene »Gemälde«, an der die meisten von uns achtlos vorbeilaufen würden. So liegt die scheinbare afrikanische Steppenlandschaft in Wirklichkeit auf einem Stück Birkenrinde, ein verwitterter Restauranttisch in Vietnam offenbart mit all seiner Patina reizvolle Farben- und Formenspiele. »Noch nie haben zwei Leute in meinen Bildern das Gleiche gesehen«, gibt Annelie Schreiner zu, nach ihrem erklärenden Anstoß kristallisiert sich allerdings das Gesehene für alle heraus.

Dennoch möchte sie dem Betrachter nichts vorgeben und Raum für individuelle Interpretationen und Empfindungen lassen. Für diejenigen, die sich auf ein Spiel einlassen wollen, hält sie mit den großformatigen Drucken korrespondierende Originalfotos in Postkartengröße bereit. Auf deren Rückseite stehen Hintergrundinformationen, die möglicherweise ernüchternd und desillusionierend wirken können, der Zauber der Werke bleibt dennoch erhalten. In garantiert auf fünf limitierte Exemplare begrenzter Auflage bietet die Künstlerin ihre Bilder zum Kauf an.

Bei der Ausstellungseröffnung am 1. März um 11.15 Uhr wird sie selber im Piumer Rathaus über ihr Schaffen berichten. Auch für das Rahmenprogramm ist sie persönlich zuständig. Gemeinsam mit ihrem Mann Albrecht präsentiert Annelie Schreiner eine Tanzperformance in Tango Argentino. Besucher können sich die Ausstellung »Poesie des Verfalls« bis zum 23. April während der Öffnungszeiten des Rathauses anschauen.

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