Initiativen gegen Corona-Notlagen werden im Kreisgebiet aktiv – Fahrschule springt ein
Welle der Hilfsbereitschaft rollt an

Kreis Herford(WB/pab). Die Idee verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Wer gesund ist, könnte doch jetzt Menschen helfen, die nicht das Haus verlassen dürfen oder die in einer anderen Corona-bedingten Notlage stecken. Etliche Gruppen zur Nachbarschaftshilfe haben sich in den vergangenen Tagen gegründet , die meisten über das Internet. Auch die Fahrschule „Du fährst“ ist dabei am Start – alle Mitarbeiter wollen ehrenamtlich mit anpacken.

Donnerstag, 19.03.2020, 14:29 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 14:46 Uhr
Die Mitarbeiter der Fahrschule „Du fährst“ stellen ihr namensgebendes Motto derzeit auf den Kopf: Denn sie fahren – und zwar für Menschen zum Einkaufen, die es gerade selbst nicht können. Foto:
Die Mitarbeiter der Fahrschule „Du fährst“ stellen ihr namensgebendes Motto derzeit auf den Kopf: Denn sie fahren – und zwar für Menschen zum Einkaufen, die es gerade selbst nicht können.

Der Inhaber der Fahrschule „Du fährst“, Michael Holler, sollte gerade eigentlich mehr freie Zeit haben als üblich. Aber seit er am Dienstag den Betrieb seiner Fahrschule an den Standorten Herford, Löhne und Bad Salzuflen einstellen musste, war Holler alles andere als untätig: Er will einspringen, wenn Einkaufshilfe oder andere Dienstleistungen für Mitmenschen gebraucht werden. Unter 0151/62675555 ist er erreichbar.

Alle Mitarbeiter machen mit

„Ich habe meine Mitarbeiter gefragt, wer ehrenamtlich dabei mithelfen will“, sagt Holler. „Und alle neun haben zugesagt.“ Auch seine Fahrschulautos stellt Holler zur Verfügung. „Zur Not hätten wir sogar einen LKW.“ Gemeinsam könnte das Team Hilfsdienste in Löhne, Herford, Ahmsen, Lockhausen und Wüsten durchführen.

Michael Holler wendete sich an die Administratoren der Facebook-Gruppe „Herford verbindet“, die die Idee verbreiteten und dazu schrieben: „Als wir dieses Angebot für euch bekommen haben, hatten wir eine Gänsehaut. Ist es nicht unglaublich schön, dass es solche Menschen gibt?“

„Schlug ein wie eine Bombe“

Die Resonanz auf die Initiative hat Michael Holler dann doch überrascht. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe.“ Er hat nicht nur sehr viel Lob, freudige Kommentare und „Likes“ erhalten, sondern konnte auch schon den ersten Menschen helfen. „In Herford haben wir für zwei ältere Leute eingekauft, die trauten sich nicht mehr raus, weil sie aufgrund ihres Alters Angst hatten, sich anzustecken“, erzählt Holler.

Mittlerweile hat er sein spontanes Angebot auf eine Kooperation mit Edeka Wehrmann an der Goebenstraße in Herford ausgeweitet. „Deren Lieferdienst ist total überlastet“, sagt Michael Holler. In diese Bresche will „Du fährst“ springen: „Wir kriegen Kundenkarten für unsere Mitarbeiter. Wir lassen uns telefonisch von den Kunden eine Einkaufsliste durchgeben und holen die Sachen für sie.“

Spenden für Herforder Verein „Karlsson“

Edeka Wehrmann gibt einen Preisnachlass auf den Einkaufswert an „Du fährst“ als Spende. „Das geben wir dann weiter an Karlsson e.V.“, sagt Michael Holler. Der Verein aus Herford setzt sich für mehr Chancengleichheit von Kindern ein.

Die Tatsache, dass gerade hochbetagte Menschen oft nicht in den sozialen Netzwerken aktiv sind, ist ein Hindernis für Aktionen wie die von „Du fährst“. Manche erreicht das Angebot entweder über die Zeitung oder per „Stille-Post-System“. In Kirchlengern gibt es derweil die Überlegung, das Angebot der dortigen Gruppe auch über die Gemeindebriefe zu bewerben.

Die Gruppe „Kirchlengern gegen Corona“ hat innerhalb weniger Stunden eine eigene, professionelle Homepage erstellt, die Informationen von offiziellen Stellen teilt und gleichzeitig Nachbarschaftshilfe für Kirchlengern organisiert.

Dort gibt es zwei Kategorien: „Du brauchst Hilfe?“ und „Du willst helfen?“ Angeboten werden Einkaufshilfe, allgemeine körperliche Arbeit, Botengänge, externe Unterstützung via Telefon, Whatsapp, Teamviewer, SMS oder sonstiges, gute Gespräche am Telefon, Aushilfe in der Lebensmittelversorgung (Lager, Handel auf Spendenbasis). Außerdem können Freiwillige dabei mitwirken, Hilfsgüter zu verteilen oder die Hilfe zu koordinieren (Telefon, Excel, E-Mail).

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