Seerose öffnet, Moorstübchen bleibt zunächst geschlossen
Schwieriger Saisonauftakt am Moor

Spenge (HK). Müde sackt Karina Held in ihren Stuhl. Die letzten Gäste sind gegangen, nach dem Abräumen geht es ans Spülen, denn die komplette Theke im Innenbereich ihres Gastrobetriebs am Hücker Moor ist zugestellt mit benutztem Geschirr.

Montag, 18.05.2020, 17:00 Uhr
Seerose öffnet, Moorstübchen bleibt zunächst geschlossen: Schwieriger Saisonauftakt am Moor

Karina Held ist Geschäftsführerin der Seerose und des Moorstübchens. Am Sonntag hatte sie den ersten Besucheransturm der Saison zu bewältigen – allein.

Alle Buchungen storniert

Ihre Vollzeitkräfte musste die Gastronomin in Kurzarbeit schicken, denn alle bisherigen Buchungen sind storniert worden, neue sind für diese Saison nicht in Sicht und auch die Vereine als Stammkundschaft bleiben momentan aus.

Das Moorstübchen bleibt zunächst geschlossen.

Das Moorstübchen bleibt zunächst geschlossen. Foto: Dembert

60 Prozent eines Gehalts in der Gastronomie seien zu wenig, um sich über Wasser zu halten. Schließlich fehlen ja auch die Trinkgelder, die nicht unwesentlich zu Buche schlagen. „Deshalb haben sich mehrere meiner Vollzeitkräfte umorientiert. Verständlich. Ich bin da wirklich niemandem böse. Und meine Aushilfen stecken gerade mitten in ihrem verspäteten Abitur“, schildert Held die derzeitige Lage.

Moorstübchen bleibt zunächst geschlossen

Das Moorstübchen muss aus diesen Gründen zur Zeit geschlossen bleiben. Zu groß sei das Ausflugslokal und zu weitläufig das Außengelände, um es mit den verfügbaren Personalressourcen unter den erschwerten Bedingungen des Infektionsschutzes wirtschaftlich zu betreiben. „Ich konzentriere mich jetzt erstmal auf die Seerose“, sagt Held und betont: „Das heißt nicht, dass das Moorstübchen für immer geschlossen bleibt.“

Mittwochs bis samstags ist die Seerose ab 14 Uhr geöffnet, sonntags geht es um 10 Uhr los mit Getränken, Kuchen und dem Bootsverleih. Held ist zuversichtlich, in absehbarer Zeit auch wieder warme Küche anbieten zu können.

Im Außenbereich stehen die Tische ordnungsgemäß auf Abstand. Wer die Seerose besuchen möchte, muss zur Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten Name, Kontakt und Aufenthaltszeitraum auf einem Formblatt notieren. „Weil sie das nicht wollten, sind vier oder fünf Besuchergruppen heute auch einfach wieder gegangen“, berichtet Held aus der unbequemen Praxis. Der Großteil der Kunden sei aber sehr verständnisvoll und geduldig.

Hoffnung auf Feiertag

Wie auch die anderen Gastronomen am Hücker Moor blickt Karina Held hoffnungsvoll dem kommenden Feiertag entgegen. An Himmelfahrt zieht es seit Jahren Jugendliche mit Bollerwagen auf die Moorstraße. Zu lauter Musik begießen sie mit reichlich Alkohol die in ferner Zukunft liegende Vaterschaft. Familien und Spaziergänger trauen sich meist nicht durch die Menge bis zu den Ausflugslokalen, für die ansässigen Gastronomen ein teures Ärgernis.

In diesem Jahr ist der Massenauflauf aufgrund des Infektionsschutzes nicht erlaubt. „Vatertag könnte dann einfach mal ein Tag für einen Ausflug mit der Familie sein“, ist die Gastronomin vorsichtig optimistisch, nachdem ihr das Oster- und Muttertagsgeschäft schon entgangen sind.

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