Eberhard Groeger erzählt bei Stadtführung von Kaufleuten und Auktionatoren
Anekdoten von der Langen Straße

Spenge (WB). „Das Thema des heutigen Abends ist etwas langweilig“, leitet Eberhard Groeger die Stadtführung des Heimatvereins am Samstagabend ein und fast jeder der 35 Teilnehmer weiß: langweilig kann’s gar nicht werden.

Montag, 12.10.2020, 18:00 Uhr
Eberhard Groeger (Mitte) schafft es, auch das vermeintlich langweiligste Thema auf spannende Art und Weise zu erzählen. Die Stadtführung am Samstag stand unter dem Motto „Auktionatore, Kaufleute und die Nachbarbank an der Langen Straße“. 35 Teilnehmer hörten ihm interessiert zu. Foto: Daniela Dembert
Eberhard Groeger (Mitte) schafft es, auch das vermeintlich langweiligste Thema auf spannende Art und Weise zu erzählen. Die Stadtführung am Samstag stand unter dem Motto „Auktionatore, Kaufleute und die Nachbarbank an der Langen Straße“. 35 Teilnehmer hörten ihm interessiert zu. Foto: Daniela Dembert

Denn auch wenn das Thema „Auktionatore, Kaufleute und die Nachbarbank an der Langen Straße“ zunächst dröge klingt, füllt der quirlige Erzähler es doch mit vielen lebhaften Erinnerungen und kleinen Anekdoten, die vielleicht in keiner Chronik verbrieft sein mögen, das Leben der Spenger Bevölkerung aber dennoch bewegt haben.

Wittker-Haus im Fokus

Im Fokus standen das „Wittker-Haus“ (Sonnenschutz Schnier) und das mittlerweile abgerissene, vis-à-vis gelegene Haus der Familie Seippel. Auf dem späteren Wittkerschen Areal stand das Fachwerkhaus des Juden Jakob Vogel, der nebenberuflich Landwirtschaft betrieb und einen Haushaltswaren- und Modehandel führte.

„Außerdem verlieh Vogel Geld zu wahnsinnig günstigen Konditionen“, erzählt Groeger. „Das führte irgendwann zu einem handfesten Ehestreit, denn Vogels Frau war der Meinung, er müsse höhere Zinsen erheben.“ Eine weitere Tätigkeit Jakob Vogels war die des Auswandereragenten, der Auswanderwillige aufs Schiff nach Übersee vermittelte. Nach dem Tod seiner Frau ist Jakob Vogel seinem Sohn nach Berlin gefolgt.

Das Geschäft hat Louis Wittker übernommen und an gleicher Stelle 1936/37 ein neues, zeitgemäßes und repräsentatives Gebäude errichten lassen. Sohn Reinhold, genannt Pinni, übernahm den familiären Betrieb. „Bei Wittker wurde des Öfteren eingebrochen. Das wurde Pinni irgendwann zu viel und er ließ ein Bett in seinem Büro an der Gebäuderückseite aufstellen, in dem er die Nächte verbracht hat. Tatsächlich kam der Einbrecher ein weiteres Mal und schlug das Fenster zum Büro ein. Er war so überrascht, auf Pinni zu treffen, dass er ihm im Affekt mit dem Hammer auf den Kopf schlug“, erzählt Ebi Groeger das spannende Verbrechen nach.

Wittker habe zeitlebens eine Delle im Schädel behalten. „Er hatte ja immer Glatze und die Delle hat im Licht geglänzt. Uns Kinder hat es fasziniert, jemanden zu kennen, dem eine solche Ungeheuerlichkeit passiert ist.“

Postfiliale auf Seippelschem Grundstück

Neben dem Wittker-Haus liegt das Seippelsche Grundstück. Dort wurde, auf Bemühen des Maire Philipp Seippels die Spenger Postfiliale eröffnet. Philipp Seippels Sohn Friedrich brachte später auch die Sparkasse in seinem Haus unter und verwaltete die Kirchen- und die Gemeindekasse. „Außerdem war er Auktionator. Allerdings fanden die Versteigerungen nicht im Seippelschen Haus statt sondern immer in den Häusern derjenigen, die etwas zu veräußern hatten. In jener Zeit war das häufig der Hausrat von Familien, die auswandern wollten, weil sie für sich in Spenge keine Zukunft mehr sahen“, erzählt Groeger.

Und die Nachbarschaftsbank? Damit ist nicht etwa ein wohlhabender, privater Geldverleiher, sondern eine Sitzgelegenheit auf dem Seippelschen Grundstück gemeint, an der man sich traf, um den Dorftratsch auszutauschen.

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