Franziska Spiegel-Denkmäler: Ortsverbände wenden sich an Räte und Bürgermeister
Linke fordern würdige Gedenkstätten

Spenge/Bünde(WB). Franziska Spiegel wurde am 4. November 1944 aus ihrem Versteck in Hücker-Aschen ins Hückerholz geführt und dort mit einem Schuss in den Hals getötet. Anschließend heftete man ihr einen Zettel mit der Aufschrift „Sie war Jüdin“ auf den Rücken. Damit dieses Verbrechen nicht in Vergessenheit gerät, fordern die Linken, die Gedenkstätten in Spenge und Bünde aufzuwerten.

Dienstag, 20.10.2020, 05:40 Uhr
Geht es nach den Linken, sollen eine Bank, Abfalleimer und Blumen das Franziska-Spiegel-Denkmal in Hücker-Aschen aufwerten. Foto:
Geht es nach den Linken, sollen eine Bank, Abfalleimer und Blumen das Franziska-Spiegel-Denkmal in Hücker-Aschen aufwerten.

Der Vertreter des Ortsverbandes der Linken in Spenge, Eric Brennemann, ist entsetzt über den Zustand des Franziska-Spiegel-Denkmals in Hücker-Aschen: „Heutzutage erinnern nur noch ein kleiner, inzwischen verdreckter Stein mit einer Plakette, eine kleine von Freiwilligen gezimmerte Bank aus Paletten, einige Blumen und ein Straßenschild an unsere ehemalige Mitbürgerin, die ohne Gerichtsverfahren dafür getötet wurde, dass sie Jüdin war“, sagt er.

Brennemann erklärte sich bereit mitzuwirken, nachdem ihn der Sprecher der Linken in Bünde, Alexander Kalteis, auf das Thema aufmerksam gemacht hatte. „Hier müssen die Ortsverbände Bünde und Spenge zusammenarbeiten, um Veränderungen einzuleiten. Wir dürfen nicht zulassen, dass die neuen rechten Parteien und Gruppen die Geschichte relativieren, die Realität verzerren und verdrehen und durch Sprachmanipulation versuchen, die Erinnerungskultur, die dazu dient, dass wir aus der Geschichte lernen, um Fehler nicht zu wiederholen, zu einem angeblichen ‚Schuldkult‘ umzudeuten“, so Alexander Kalteis.

Stolpersteine an der Lenastraße ein Anfang

„Dies stellt eine traurige Gleichgültigkeit gegenüber dem Gedenken dieses und mit ihr allen Opfern des Faschismus dar, dass die jährliche Kranzniederlegung des Bürgermeisters fast schon wie ein Hohn wirkt“, führt Brennemann weiter aus. Auch auf der Bünder Seite sieht es laut Kalteis nicht viel besser aus: „Es ist zwar schon mal ein großartiger Anfang, dass am Kotten in der Lenastraße Stolpersteine gesetzt wurden, doch müssen weitere Maßnahmen erfolgen, um auf dieses grauenvolle Verbrechen aufmerksam zu machen“, sagt er.

Gedenkorte in würdigen Zustand versetzen

Die Ortsverbände der Linken in Spenge und Bünde fordern die Räte und Bürgermeister beider Städte auf, den Gedenkort an Franziska Spiegel in einen würdigen Zustand zu bringen. Brennemann und Kalteis sind sich einig: „Am Grabmal muss es gepflegte Blumenbeete geben, um eine optische Aufmerksamkeit zu erzeugen. Des Weiteren bedarf es Sitzgelegenheiten und Abfalleimer. Außerdem muss es zu historischen Quellen im Internet einen intermedialen Zugang geben, der über einen QR-Code leicht zugänglich wäre. Daher benötigen wir am Kotten als auch am Denkmal eine Gedenktafel mit Fotos und Erläuterungen zu dem Opfer und Hintergrundinformationen.“

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